Reizdarmsyndrom: Keine eindeutigen mikrobiellen Signaturen10. September 2020 © Kateryna_Kon – stock.adobe.com Da einige RDS-Patienten auf Antibiotika ansprechen, wird eine Verbindung zwischen dem Darmmikrobiom und Symptomen des RDS postuliert. Jedoch ist die exakte Ätiopathogenese des RDS bislang ungeklärt. Ziel einer Studie eines Wissenschaftlerteams um Dr. Luisa W. Hugerth vom Karolinska Institut, Stockholm, Schweden, war es, das fäkale sowie das Schleimhaut-assoziierte Mikrobiom (mucosa-associated microbiome, MAM) zu charakterisieren und mit Gesundheitsdaten von gesunden Probanden und RDS-Patienten ohne koloskopischen Befund abzugleichen. Für die PopCol-Studie wurden zufällig 3556 Erwachsenen rekrutiert, von denen sich 745 einer Koloskopie unterzogen. Ein RDS wurde nach den Kriterien von Rom IV definiert, wobei organische Erkrankungen ausgeschlossen wurden. Eine 16S-rRNA-Gensequenzierung wurde an Sigmoid-Biopsieproben von 376 repräsentativen Personen (63 RDS-Fälle) und Stuhlproben von 185 Personen (32 RDS-Fälle) durchgeführt. Während das sigmoide MAM von Lachnospiraceae dominiert wurde, wiesen die Stuhlproben eine höhere relative Häufigkeit von Ruminococcaceae auf. Die mikrobielle Diversität des MAM und die des Stuhl-Mikrobioms zeigten innerhalb desselben Individuums eine lineare Korrelation (R2=0,255; p<3E–11), ebenso wie die Diversität (R2=0,06; p=0,0022). Die MAM-Diversität nahm mit steigendem BMI (Pearson’s r=–0,1; p=0,08) und schlechterer Einschätzung der eigenen Gesundheit (r=–0,15; p=0,007) ab, während die fäkale Mikrobiom-Diversität mit der Stuhlkonsistenz korrelierte (r=–0,16; p=0,043). Mehrere taxonomische Mikroben-Gruppen waren mit dem Alter, dem BMI, Depressionen und der selbstberichteten Gesundheit korreliert, einschließlich Coprococcus catus, der mit niedrigerer Ausprägung von Depressionen assoziiert war (r=–0,003; p=0,00017). Insgesamt war aber der Grad der beobachteten Heterogenität zwischen RDS-Patienten höher als der zwischen gesunden Personen. Fazit Die Wissenschaftler konnten keine ausgeprägten mikrobiellen Signaturen beim RDS beobachten. Daher erscheint es den Studienautoren unwahrscheinlich, dass kommerzielle Analysen des Stuhlmikrobioms helfen könnten, therapeutische Interventionen beim RDS zu steuern. Zudem wiesen Patienten mit einer niedrigeren Selbsteinschätzung der eigenen Gesundheit oder mit einem hohem BMI eine deutlich geringere Diversität der Darmmikroben auf. (bi) Autoren: Hugerth LW et al. Korrespondenz: Lars Engstrand; [email protected] Studie: No distinct microbiome signature of irritable bowel syndrome found in a Swedish random population Quelle: Gut 2020;69(6):1076–1084. Web: https://doi.org/10.1136/gutjnl-2019-318717