Retinoblastom: Aktueller Stand zur Forschung

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Kürzlich wurde ein Artikel über das aktuelle Verständnis der Entstehung des Retinoblastoms von Dr. David Cobrinik vom Children’s Hospital Los Angeles, USA, in der Fachzeitschrift „The New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.

Das Retinoblastom ist eine seltene pädiatrische Krebserkrankung. Jährlich treten weltweit etwa 8000 neue Fälle auf. Der Krebs wächst in der Netzhaut und ist in der Regel behandelbar, wenn er frühzeitig diagnostiziert wird. Wird das Retinoblastom jedoch nicht erkannt, kann es Metastasen bilden und zum Tod führen. Die Forschung hat in den letzten zehn Jahren viele Fortschritte im Verständnis dieser Krankheit gemacht. Cobrinik hat durch seine Arbeit am Vision Center des Children’s Hospital Los Angeles zu vielen dieser Fortschritte beigetragen.

Das Retinoblastom entsteht durch eine spezifische genetische Mutation im tumorunterdrückenden Gen RB1. RB1 weist den Körper an, ein Protein namens pRB zu bilden. Seit der Identifizierung des Gens hat die Forschung viel darüber herausgefunden, wie RB1 und pRB die Tumorentstehung unterdrücken. „pRB bremst im Grunde das Zellwachstum“, erklärt Cobrinik, Studienleiter in der Augenheilkunde am Saban Research Institute. „Weitere Untersuchungen des pRB-Proteins zeigten jedoch, dass es normalerweise in fast allen Zellen des Körpers exprimiert wird. Daher war es ein Rätsel, warum Kinder, die ein inaktiviertes RB1-Gen in sich tragen, hauptsächlich Tumore in der Netzhaut entwickeln.“

Das Cobrinik-Labor fand heraus, dass die Ursprungszelle des Retinoblastoms die Zapfen sind. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass der Krebs nur dann auftritt, wenn sich die Zapfen in einem bestimmten Zwischenstadium der Entwicklung befinden – bevor die Zapfen voll entwickelt sind und für das Sehen verwendet werden. Die Forscher beobachteten, dass diese „reifenden Zapfen“ extrem empfindlich auf RB1-Genmutationen reagieren. Dies war einer der ersten Beweise dafür, dass Krebserkrankungen in einem bestimmten Stadium der Zellentwicklung beginnen können.

Zudem zeigten ihre Studien, dass diese Zapfenzellen eine sogenannte prämaligne Läsion bilden, die als ruhender Vorläufer von Krebs gilt. Diese Läsion kann sich dann von der Geburt bis zum Alter von etwa fünf Jahren in eine Krebserkrankung verwandeln. Nachdem sich die Retinoblastome gebildet haben, nehmen die Wissenschaftler zusätzliche Mutationen an, die den Krebs aggressiver und schwieriger zu behandeln machen und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass er Metastasen bildet.

All die neuen Erkenntnisse über die Entstehung von Retinoblastomen haben, laut der Autoren, potenzielle therapeutische Ziele für die künftige Behandlung des Krebses aufgedeckt. Gleichzeitig wurde eine neue Biopsie-Methode entwickelt, die es den Ärzten ermöglicht, das Stadium des Retinoblastoms zu bestimmen, bevor die Behandlung beginnt. Diese Methode wurde vom Children’s Hospital Los Angeles-Team für Augenonkologie um Jesse L. Berry, MD, und Liya Xu, PhD, entwickelt. Es wird erwartet, dass dieses neue Verständnis der Tumorentstehung in Verbindung mit neuen diagnostischen Ansätzen die Behandlungsergebnisse beim Retinoblastom erheblich verbessern wird, insbesondere für Patienten, deren Retinoblastom-Tumore erst in fortgeschrittenen Stadien entdeckt werden.

Für seine zahlreichen Beiträge zum Verständnis der Krankheit wurde Dr. Cobrinik von der International Society for Genetic Eye Disease and Retinoblastoma ausgezeichnet. „Ich habe mich sehr glücklich und geehrt gefühlt, den Preisvortrag im letzten Sommer zu halten“, sagt. Cobrinik. „Wir haben viel über diese Krankheit gelernt. Und wir können uns jetzt ein neues Paradigma für die künftige Behandlung des Retinoblastoms vorstellen.“

Dr. Cobriniks Arbeit wird durch den NIH-Zuschuss R01CA137124, den Neonatal Blindness Research Fund, die A. B. Reins Foundation und die Knights Templar Eye Foundation finanziert.