Review: Überblick über den aktuellen Forschungsstand zum Wirkmechanismus von Metformin26. Juni 2023 Foto: © Zerbor/stock.adobe.com Auf viele Fragen zum Wirkmechanismus des Antidiabetikums Metformin gibt es noch keine Antworten. In einem kürzlich publizierten Übersichtsartikel beleuchten dessen Autoren, wie Metformin mit der Leber und dem Darm interagiert, um den Glukosespiegel im Blut zu senken. „In der Vergangenheit wurde angenommen, dass der Hauptwirkungsort von Metformin die Leber ist, aber die neuesten Erkenntnisse bestätigen, dass es auch bemerkenswerte Auswirkungen auf den Darm hat“, erläutert Prof. Manuel Vázquez-Carrera. Er leitet die Abteilung für Pharmazie und Lebensmittelwissenschaften an der Universität Barcelona und ist am Biomedizinischen Institut (IBUB) sowie am Sant Joan de Déu Research Institute (IRSJD) und im Diabetes and Associated Metabolic Diseases Networking Biomedical Research Centre (CIBERDEM, alle Spanien) tätig. „Deshalb“, so fürgt der Wissenschaftler hinzu, „konzentrieren sich die Mehrheit der am weitesten fortgeschrittenen Studien auf die beiden Organe, in denen die Wirkung von Metformin am wichtigsten zu sein scheint: die Leber und den Darm.“ In ihrer Review heben die Autoren hervor, wie ein Team kürzlich beschrieben hat, dass Metformin in der Leber die Spiegel von miRNA let-7 erhöhen kann, einem Signalmolekül für mehrere physiologische Funktionen.[1] Dieser Weg reduziert die Glukoseproduktion in der Leber und ist somit mit dem Prozess assoziiert, der am meisten zum Glukoseanstieg bei Patienten mit Typ-2-Diabetes beiträgt. „Diese Ergebnisse eröffnen die Möglichkeit, die Expression der miRNA let-7, die bei Diabetes reduziert ist, als neue Strategie zur Behandlung von Diabetes mellitus zu aktivieren“, sagt Vázquez-Carrera. Parallel dazu wurden auch Wirkungen von Metformin auf den Darm beschrieben. In einer der aktuellsten Studien konnte ein anderes Team zeigen, dass Metformin die Umwandlung von Glukose in Laktat und Acetat im Darm aktiviert.[2] „Diese beiden Metaboliten gelangen über die Pfortader in die Leber und lösen Prozesse aus, die die Glukoseproduktion in der Leber reduzieren. Dadurch stellt Metformin eine Wechselwirkung zwischen Darm und Leber her, die zu seiner antidiabetischen Wirkung beiträgt“, hält der Wissenschaftler fest. Erwähnt wird in dem Review auch, dass das Team um Vázquez-Carrera festgestellt hat, dass Metformin das Vorhandensein des Wachstums- und Differenzierungsfaktor 15 (GDF15) erfordert, um sein wichtigstes pharmakologisches Ziel (AMPK) zu aktivieren und antidiabetische Wirkung zu entfalten. [3] „Kurz gesagt, alle neuen Studien, die in diesem aktuellen Artikel besprochen werden, tragen dazu bei, noch bestehende Rätsel zu lösen und liefern Daten für das Verständnis dessen, wie Metformin die Glukoseproduktion in der Leber reduziert, was die wichtigste antidiabetische Wirkung dieses Arzneimittels darstellt“, fasst Vázquez-Carrera zusammen.
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