Rheumaerkrankungen in der Corona-Situation

Teilnehmende der Vorab-Pressekonferenz zum EULAR 2020 (v.l.n.r.): Gerd Burmester, Adelheid LIebendörfer (Moderation), Dieter Wiek, Ulf Müller-Ladner. (Foto: hr)

Auf einer Online-Pressekonferenz anlässlich des European E-Congress of Rheumatology (EULAR 2020) haben Experten erläutert, ob Menschen mit Rheuma sowie deren Medikation Einfluss auf eine Infektion mit dem Coronavirus bzw. auf die COVID-19-Erkrankung haben.

„Es gibt derzeit keine Anzeichen dafür, das Menschen mit rheumatischen Erkrankungen ein höheres Risiko haben sich mit dem Coronavirus zu infizieren oder schwerer an COVID-19 zu erkranken, als bei anderen Menschen auch“, sagte Prof. Hendrik Schulze-Koops, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh). Der internistische Rheumatologe am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München ergänzte, dass sich derzeit aber auch die Register erst im Aufbau befinden und ein Datenvergleich noch nicht möglich sei.

„Es ist wichtig, dass die Patienten nicht eigenmächtig aus Furcht vor einer Virusinfektion oder einem schlechteren Verlauf bei einer solchen Erkrankung die Medikation absetzen“, ergänzte Prof. Gerd Burmester, EULAR Public Affairs Officer. „Es gibt bisher keine Beobachtungen, dass es bei bestimmten Therapieformen zu einer gehäuften Infektion kommt“, so der Rheumatologe an der Charité–Universitätsmedizin Berlin. Es sei eher damit zu rechnen, dass es bei einem durch Absetzen bedingten Wiederaufflackern der Erkrankung zu einer immunologisch ungünstigen Situation kommt oder durch eine dann erfolgende höhere Cortison-Gabe eine mögliche Gefahr eintrete, so der Experte.

Viele Menschen mit einer entzündlich rheumatischen Erkrankung erhalten Cortisonpräparate wie Prednisolon, da sie sehr breit wirkten. Allerding sollte man versuchen mit niedrigeren Dosen (< 5 mg) zurechtzukommen. „Gaben über 10 mg führen möglicherweise zu einen schlechteren Verlauf einer Covid19-Erkrankung“, erklärte Burmester. Die Daten diesbezüglich seien schon belastbar.
 Das vielfach eingesetzte Methotrexat (MTX), erweise sich weiterhin als sehr potent, wenn es wöchentlich in geringen Dosen eingesetzt wird.

Keine Daten gebe es allerdings dafür, „dass bestimmte Medikamente wie zum Beispiel Hydroxychloroquin oder Biologika vor einer Infektion schützen“, sagte Burmester weiter. Im Verlauf einer bereits erfolgten SARS-CoV-2 Infektion würden allerdings in Therapiestudien bestimmte Biologika (vor allem IL-6- und IL-1-Inhibitoren) eingesetzt, um einen gefährlichen „Zytokin-Sturm“ bei manchen Patienten, vor allem mit Lungenbeteiligung, zu bekämpfen. „Hier warten wir noch auf die Ergebnisse der ersten kontrollierten Studien“, betonte er.

In den Bereich der Mythen, die den „therapeutischen Alltag erschweren“, gehörten auch Aussagen, wie, „dass nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR), zum Beispiel Ibuprofen, gefährlich bei einer COVID-Erkrankung seien oder ACE-Hemmer zur Senkung des erhöhten Blutdrucks gefährlich bei einer COVID-Erkrankung seien. „Patienten, die das Medikament absetzten riskierten damit Blutdruck-Entgleisungen“, so der Experte. Dies sei umso mehr kritisch, „da ein erhöhter Blutdruck eine wichtige und vermutlich kritische Vorerkrankung mit einem möglichen schlechteren Verlauf einer COVID-Erkrankung ist.“  Weitere bedeutende generellen Risikofaktoren für einen schlechteren Verlauf einer COVID-Erkrankung seien ein höheres Lebensalter, Adipositas, kardiovaskuläre Erkrankungen, chronische Lungenerkrankungen und Diabetes. Viele dieser Co-Morbiditäten ließen sich jedoch durch eine geänderte Lebensführung als auch optimierte Medikation gut behandeln, betonte Burmester.

In diesem Zusammenhang betonte auch Dieter Wiek, Vizepräsident des EULAR von der Deutschen Rheuma-Liga, „dass unter Rheumapatienten aller Altersklassen derzeit große Unsicherheiten und Ängste bezüglich der Corona-Situation bestehen“. Dies lasse sich etwa an vermehrten Clicks auf einschlägigen Informationsseiten zu Rheuma vor allem in Asien erkennen. Wieck plädierte für eine engere Kooperation von Patientenorganisationen und Wissenschaftsgesellschaften weltweit.

Alle Experten waren sich einig, dass Menschen mit Rheuma, die vor allem aufgrund eines durchschnittlich höheren Alters häufiger von Co-Morbiditäten betroffen sind, daher vor allem auf sozialen Abstand achten sollten, um dem Risiko einer Coronavirusinfektion und schwerwiegenden Erkrankung zu entgehen. (hr)