Risiko für gastrointestinale Karzinome verringern: ASS wirkt präventiv20. August 2020 © Robert Kneschke – stock.adobe.com Acetylsalicylsäure (ASS) ist mit einem verringerten Risiko für Darmkrebs und möglicherweise für einige andere gastrointestinale Krebsarten in Verbindung gebracht worden. Das Ausmaß der Risikominderung sowie optimale Dosis und Dauer der ASS-Einnahme zur Prävention von Darmkrebs und anderen Krebsarten des Verdauungstrakts waren jedoch bislang unklar. Um dies zu quantifizieren, hat eine Gruppe um Dr. Cristina Bosetti vom Istituto di Ricerche Farmacologiche Mario Negri IRCCS eine systematische Überprüfung und Metaanalyse aller Beobachtungsstudien zu ASS und Krebserkrankungen des Verdauungstraktes, die bis März 2019 veröffentlicht wurden, erstellt. Die regelmäßige ASS-Einnahme war mit einem verringerten Risiko für einige Krebsarten verbunden: für Kolorektalkarzinome (relatives Risiko [RR] 0,73; 95%-KI 0,69–0,78; 45 Studien), für Plattenepithelkarzinome des Ösophagus (RR 0,67; 95%-KI 0,57–0,79; 13 Studien), für Adenokarzinome der Speiseröhre und der Kardia (RR 0,61; 95%-KI 0,49–0,77; 10 Studien), für Magenkrebs (RR 0,64; 95%-KI 0,51–0,82; 14 Studien), für das hepatobiliäre Karzinom (RR 0,62; 95%-KI 0,44–0,86; 5 Studien) und für Bauchspeicheldrüsenkrebs (RR 0,78; 95%-KI 0,68–0,89; 15 Studien). Für Kopf-Hals-Tumoren wurde hingegen kein Zusammenhang gefunden (RR 0,94; 95%-KI: 0,76–1,16; 10 Studien). Die Assoziationen waren in Fallkontrollstudien etwas stärker als in Kohorten- und eingebetteten Fallkontrollstudien und zeichneten sich durch eine gewisse Heterogenität zwischen den Studien aus. Die Risikoschätzungen waren über Geschlecht, geografische Gebiete und andere ausgewählte Kovariaten hinweg konsistent. In Bezug auf Darmkrebs führte eine ASS-Dosis zwischen 75 und 100 mg/d zu einer Risikominderung von 10%, bei einer Dosis von 325 mg/d sogar von 35%. Für alle Neoplasien bis auf Kopf-Hals-Tumoren wurden inverse Beziehungen zwischen Dauer der ASS-Einnahme und Risiko gefunden. Fazit Die vorliegende Metaanalyse unterstützt den inversen Zusammenhang zwischen einer regelmäßigen ASS-Einnahme und dem Risiko von kolorektalen und anderen Krebserkrankungen des Verdauungstrakts, einschließlich einiger seltener Entitäten. (mm) Autoren: Bosetti C et al. Korrespondenz: Christina Bosetti; [email protected] Studie: Aspirin and the risk of colorectal and other digestive tract cancers: an updated meta-analysis through 2019 Quelle: Ann Oncol 2020;31(5):558–568 Web: https://doi.org/10.1016/j.annonc.2020.02.012