Risikobasiertes Brustkrebs-Screening kosteneffektiv31. Mai 2021 Foto: © jovannig – stock.adobe.com Der Anspruch auf Teilnahme am Brustkrebs-Screening wird in Deutschland wie auch in den meisten anderen Ländern ausschließlich über das Alter der Frauen definiert. GesundheitsökonomInnen aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) errechneten nun, dass ein personalisiertes, risikobasiertes Mammographie-Screening bei vergleichbaren Kosten einen höheren gesundheitlichen Gewinn erzielen könnte. In vielen entwickelten Ländern sind Mammographie-Screening-Programme Teil der Krebsvorsorge. Die Untersuchung gilt als geeignet, bösartige Tumoren in einem frühen, besser heilbaren Stadium zu entdecken. Da die Wahrscheinlichkeit einer Brustkrebsdiagnose mit den Lebensjahren steigt, richten sich die Angebote zumeist an Frauen im höheren Alter. In Deutschland werden Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre zum Mammographie-Screening eingeladen.In den vergangenen Jahren konnten WissenschaftlerInnen immer genauer aufklären, wie individuelle Risikofaktoren die Wahrscheinlichkeit einer Brustkrebserkrankung beeinflussen. Dadurch stellte sich zunehmend die Frage, ob es sinnvoll ist, allein das Alter zur Definition der Screening-Gruppe heranzuziehen. Frauen mit erhöhten Risiken könnten etwa davon profitieren, den Screening-Zeitraum auszudehnen oder die Untersuchung häufiger wahrzunehmen. Dagegen würden für Frauen mit durchschnittlichem Brustkrebs-Risiko möglicherweise größere Untersuchungsintervalle ausreichen.„Um ein optimales Nutzen-Schaden-Verhältnis zu erreichen, sollte die Häufigkeit der Untersuchungen neben dem Alter auch an das individuelle Risikoprofil der Frauen angepasst werden“, sagt der Leiter der Gesundheitsökonomie am DKFZ, Prof. Michael Schlander. Dass ein solches „risikobasiertes“ Brustkrebs-Screening auch ökonomisch eine gangbare Alternative sein könnte, konnten WissenschaftlerInnen aus seiner Abteilung nun mit einer systematischen Literaturauswertung zeigen.Die zehn in der aktuellen Arbeit ausgewerteten Studien unterschieden sich hinsichtlich der Risikofaktoren, die sie berücksichtigen. Am häufigsten wurden neben dem Alter die Brustdichte, familiäre Risiken, frühere gutartige Brusterkrankung, reproduktive Faktoren, Lebensstilfaktoren, genetische Risikoprofile (SNPs) sowie die Wahrscheinlichkeit einer Mutation in den „Brustkrebsgenen“ BRCA1 und 2 zur Risikostratifizierung genutzt.Die DKFZ-ForscherInnen verglichen die Kosteneffektivität verschiedener Screeningprogramme mit dem Ergebnis: Programme, bei denen Frauen mit geringen Risiken seltener, Hochrisiko-Frauen aber häufiger untersucht wurden, erwiesen sich gegenüber einem rein altersbasierten Screening (oder gar keinem Screening) als kosteneffektiver. Das bedeutet: Bei gleichen Kosten kann das risikobasierte Screening einen höheren gesundheitlichen Gewinn erzielen – bezogen auf die Gruppe aller gescreenten Frauen.„Ein personalisiertes Screening erschien in unserer Auswertung als wirtschaftlich effiziente Alternative zu einem rein altersbasierten Brustkrebs-Screening“, erklärt Schlander. Der Gesundheitsökonom schränkt allerdings ein, dass aufgrund der Heterogenität der ausgewerteten Einzelstudien eine abschließende Beurteilung noch nicht möglich sei. So haben beispielsweise einige der Einzelstudien die Kosten für die Bestimmung der individuellen Risikofaktoren der Frauen nicht berücksichtigt. DKFZ-Studienleiter Dr. Shah Alam Khan ergänzt: „Bevor das altersbasierte Screening durch eine andere Methode ersetzt wird, sind weitere Untersuchungen notwendig. Dabei sollten auch neue Technologien miteinbezogen werden, wie etwa die 3D-Mammographie oder spezielle MRT-Untersuchungsverfahren.“Publikation: Shah Alam Khan, Karla Vanessa Hernandez-Villafuerte, Muchandifunga Trust Muchadeyi, Michael Schlander: Cost-effectiveness of risk-based breast cancer screening: A systematic review.International Journal of Cancer 2021, doi.org/10.1002/ijc.33593
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