Risikofaktoren für Adipositas in jungen Jahren13. Juni 2023 PD Dr. med. Susann Weihrauch-Blüher. Foto: Universitätsmedizin Halle Europaweit leiden immer mehr Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene an Übergewicht und Fettleibigkeit. Diesen Trend umzukehren ist Ziel des europaweiten Verbundprojekts „PAS GRAS“, an dem die Universitätsmedizin Halle bundesweit als einziger klinischer Standort beteiligt ist. Das Vorhaben soll langfristig dabei helfen, die Notwendigkeit medikamentöser oder operativer Maßnahmen zu reduzieren und Folgeerkrankungen zu verhindern. Die Universitätsmedizin Halle wird im Rahmen des Projekts mit 541.000 Euro durch das Horizon Europe Programm der EU-Kommission gefördert. „Der Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Übergewicht und Adipositas nimmt europaweit zu. Aktuelle Studien zeigen, dass die Corona-Pandemie diesen Trend nochmals verstärkt hat“, erklärt PD Dr. Susann Weihrauch-Blüher, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin und PAS GRAS-Projektleiterin an der Universitätsmedizin Halle. „Damit verbunden sind zahlreiche Beschwerden, die die Entwicklung chronischer Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen können. Die Häufigkeit von Fettleibigkeit und damit verbundenen Komplikationen stellen eine beträchtliche Belastung des Gesundheitssystems dar.“ Um dem entgegenzuwirken, brauche es eine bessere Aufklärung sowie eine frühzeitige Prävention und Therapie. Die Forschungsarbeiten von PAS GRAS untersuchen, wie sich Lebensstil, psychische Gesundheit, Familiengeschichte, sozioökonomische Faktoren und die Umwelt auf die Entwicklung von Fettleibigkeit auswirken. Dabei wird auch die Wechselwirkung mit genetischen Merkmalen und mit Stoffwechselfaktoren der jungen Teilnehmenden untersucht. „Es soll ein Algorithmus entwickelt werden, der das Entstehungsrisiko von Fettleibigkeit und Risikofaktoren für Begleiterkrankungen individuell bestimmen lässt“, erklärt die Expertin für Kinder-Endokrinologie und –Diabetologie. „Anhand dieser Risikobewertungsskala lassen sich maßgeschneiderte Behandlungen planen, wie Ernährungsumstellungen, gegebenenfalls in Kombination mit medikamentösen Therapien. Diese bewirken beispielsweise Veränderungen im Hormonsystem und im Stoffwechsel, um Fettleibigkeit effektiv zu therapieren oder zu verhindern. Aber auch körperliche Aktivität ist wichtig.“Um die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu erhöhen, wird eine internationale Kampagne ins Leben gerufen. Kreative und interaktive digitale Anwendungen unterstützen dabei und informieren über die Risiken von Übergewicht und Fettleibigkeit. Langfristig soll das Projekt kritische Lücken in der Diagnose und Prognose von Übergewicht und Fettleibigkeit schließen und deren Prävalenz innerhalb der EU bis 2050 um 15 Prozent bei Erwachsenen und um 30 Prozent bei Kindern und Jugendlichen senken.Das Projekt unter dem Titel „PAS GRAS: De-risking metabolic, environmental and behavioral determinants of obesity in children, adolescents and young adults“ (Verringerung des Risikos metabolischer, umwelt- und verhaltensbedingter Faktoren für Fettleibigkeit bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen) wird von der Europäischen Kommission mit insgesamt 9,5 Millionen Euro gefördert und von der portugiesischen Universität Coimbra (CNC-UC) koordiniert. PAS GRAS übersetzt sich sinngemäß aus dem Französischen zu „nicht fettleibig“. Die Studien werden in acht europäischen Ländern durchgeführt und richten sich an Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und deren Familien mit Übergewicht oder Adipositas.
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