Schlecht ernährt und einsam: Risikofaktoren für chronische postoperative Schmerzen21. Oktober 2025 Symbolfoto: ©Photographee.eu/stock.adobe.com Menschen, die keinen guten Zugang zu Nahrungsmitteln haben oder sozial isoliert sind, entwickeln nach einer Operation mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit chronische Schmerzen. Das geht aus neuen Forschungsergebnissen hervor, die auf der Jahrestagung Anesthesiology® 2025 vorgestellt wurden. Chronische Schmerzen treten nach Operationen häufig auf, insbesondere nach größeren Eingriffen wie Hüft- oder Kniegelenkersatz. Soziale Faktoren wie Ernährungsunsicherheit und Einsamkeit können dieses Risiko erheblich erhöhen, wie eine Gruppe von US-Wissenschaftlern nun feststellte. „Unsere Studie liefert starke Belege dafür, dass die soziale Situation einer Person für die Genesung genauso wichtig sein kann wie ihre körperliche Gesundheit“, erläutert Dr. Louie Rodriguez von der University of California in San Diego (UCSD), Co-Autor der noch unveröffentlichten Studie. „Menschen, denen es an Grundbedürfnissen wie Nahrung und sozialen Kontakten mangelt, haben möglicherweise ein höheres Risiko für langfristige Schmerzen nach einer Operation. Patienten mit einem starken Unterstützungssystem – sei es durch Familie, Freunde oder kommunale Ressourcen – sind jedoch besser geschützt.“ Diese Ergebnisse würden unterstreichen, wie wichtig es für medizinisches Fachpersonal sei, über die traditionelle Medizin hinauszuschauen, meint Rodriguez. Um die Genesung zu unterstützen müsste vielmehr das gesamte Leben des Patienten betrachtet werden – vom Esstisch bis zum sozialen System. Ernährungsunsicherheit und soziale Isolation als stärkste Risikofaktoren Die Forscher analysierten die Daten von 8065 Patienten aus einer Datenbank der National Institutes of Health. Sie inkludierten Personen, die vor der Operation keine chronischen Schmerzen hatten und Angaben zu 78 sozialen Determinanten der Gesundheit gemacht hatten. Insgesamt entwickelten 641 Patienten (7,9 %) nach der Operation chronische Schmerzen. Diese waren definiert als anhaltende postoperative Schmerzen über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr. Ernährungsunsicherheit war der stärkste Prädiktor für chronische Schmerzen. Betroffene Patienten hatten ein um 83 Prozent höheres Risiko, diese zu entwickeln, als Patienten, die einen zuverlässigen Zugang zu Nahrungsmitteln hatten. Weitere Prädiktoren waren Einsamkeit und das Ausmaß der sozialen Unterstützung. Die Forscher analysierten diese anhand von acht der 78 Fragen, mit denen die Patienten ihre Erfahrungen bewerten sollten (Skala 1–4). Bei den Fragen zur Einsamkeit erhöhte jeder zusätzliche Punkt auf der Skala das Risiko für chronische Schmerzen nach der Operation um 2,1 Prozent. Bei den Fragen zum Ausmaß der sozialen Unterstützung verringerte jeder zusätzliche Punkt (der eine stärkere soziale Unterstützung widerspiegelt) das Risiko um 3,7 Prozent. Soziale Faktoren im Patientengespräch berücksichtigen „Patienten sollten wissen, dass Offenheit über ihre soziale und finanzielle Situation ein entscheidender Faktor für den Erfolg ihrer Genesung nach einer Operation sein kann“, sagt Co-Autor Dr. Rodney Grabriel, außerordentlicher Professor für Anästhesiologie an der UCSD. Es sei wichtig, dass die Patienten Bedenken hinsichtlich ihre Zugangs zu Nahrung oder sozialer Isolation mit ihren Ärzten und Pflegekräften besprechen. Diese wiederum sollten betroffene Patienten nach Ansicht von Grabriel beim Zugang zu Ressourcen wie Lebensmittelhilfsprogrammen oder Selbsthilfegruppen unterstützen, um die Genesung zu beschleunigen und das Risiko anhaltender Schmerzen zu verringern. Die Forscher fügen hinzu, dass die präoperative Befragung nach den sozialen Umstanden Ärzten helfen kann, frühzeitig einzugreifen und Strategien zur Schmerzbehandlung individuell anzupassen. Die Einbeziehung dieser Faktoren in die Behandlungspläne könne ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Genesung und zur Verringerung des Risikos chronischer Schmerzen bei gefährdeten Patienten sein. (ah/BIERMANN)
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