Multicenter-Studie zur robotergestützten Bronchoskopie: Game-Changer in Sachen Früherkennung von Lungenkrebs8. April 2026 Abbildung: © Tom/stock.adobe.com Eine neue multizentrische Studie aus den USA belegt die hohe diagnostische Genauigkeit der robotergestützten Bronchoskopie in Bezug auf Lungenkrebs und zeigt, dass Erkrankungen damit früher erkannt werden. Allein in den USA werden jährlich im Rahmen eines Lungenkrebs-Screenings etwa 1,6 Millionen verdächtige Lungenrundherde entdeckt. Während die meisten Veränderungen sich als gutartig herausstellen, gilt die maligne Minderheit als häufigste Krebstodesursache bei Männern und Frauen. Die robotergestützte Bronchoskopie können einen weniger invasiven und präziseren Ansatz zur Lungenkrebsdiagnose darstellen, argumentieren nun die Autoren einer multizentrischen Studie, die Erfahrungen aus einem Zeitraum von fünf Jahren an der Mayo Clinic beschreibt. Veröffentlicht wurde sie im Journal „Mayo Clinic Proceedings“. Die Wissenschaftler hatten 2115 Lungenläsionen bei 1904 Patienten aus den Jahren 2019 bis 2024 an den Standorten der Mayo Clinic in Jacksonville, Phoenix und anderen Städten untersucht. Die Forschenden berichten über eine Sensitivität von 85 Prozent für Malignität und über eine Genauigkeit von 76,9 Prozent (streng definierte diagnostische Ausbeute) gemäß neu standardisierten US-Kriterien. Die Komplikationsrate beziffern sie mit 2,8 Prozent. Gestiegener Anteil von Frühdiagnosen Seit der Einführung der robotergestützten Bronchoskopie ist der Anteil der in der Mayo Clinic im Frühstadium diagnostizierten Lungenkrebsfälle von 46 Prozent (2019) auf fast 69 Prozent (Mitte 2024) gestiegen. Obwohl der Lungenkrebs früher erkannt wurde, sank der Anteil der Diagnose in fortgeschritteneren Stadien von 54 Prozent auf 31 Prozent im Jahr 2024. „Das Überleben bei Lungenkrebs hängt maßgeblich von der Früherkennung ab“, sagt Studienleiter Dr. Sebastian Fernandez-Bussy, Forschungsdekan und Facharzt für Pneumologie und Intensivmedizin an der Mayo Clinic in Florida. „Technologien, die es uns ermöglichen, die Krankheit früher – und mit weniger Komplikationen – zu diagnostizieren und sogar zu behandeln, können die Überlebens-Chancen verbessern.“ „Gamechanger in der Früherkennung von Lungenkrebs“ Wie aus einer Mitteilung der Mayo Clinic hervorgeht, macht es die formsensitive roboterassistierte Bronchoskopie es möglich, so viele Biosien durchzuführen wie nötig sind, um ausreichend Gewebe für die Diagnose und molekulare Marker zu gewinnen. Diese Marker dienen der weiteren Steuerung eines individualisierten Behandlungsansatzes. Die Technologie biete Ärzten die Präzision, um mehrere verdächtige Rundherde in beiden Lungenflügeln zu untersuchen. Durch zusätzliche Anwendung von endobronchialem Ultraschall könne zudem in einem einzigen eingriff eine präzise Stadieneinteilung der Lymphknoten des Immunsystems oder der mediastinalen Lymphknoten vorgenommen werden. In Kombination mit Echtzeit-3D-Bildgebung oder Cone-Beam-Computertomographie-Scans unterstütze das System außerdem dabei, die genaue Platzierung des Instrumentes innerhalb der Läsionen vor der Biopsie zu bestätigen. „Diese Technologie hat die Früherkennung von Lungenkrebs revolutioniert“, betont Fernandez-Bussy. In ihrer Publikation berichteten die Autoren, dass 56 Prozent der untersuchten Läsionen bösartig waren. 21 Prozent identifizierten sie als eindeutig gutartig, während 23 Prozent nach strengen Kriterien nicht genügend Informationen für eine endgültige Diagnose lieferten. In ihrer Untersuchung setzten die Forschenden aktualisierte, strenge Definitionen für die diagnostische Ausbeute der American Thoracic Society und des American College of Chest Physicians an. Diese schließen bestimmte Nachbeobachtungsdaten aus, die zuvor die Erfolgsraten erhöht hatten. Roboterassistierte Bronchoskopie ermöglicht „Single Anesthetic Lung Surgery Pathway“ Die roboterassistierte Bronchoskopie werde zunehmend mit endobronchialen Therapien kombiniert, beschreiben die Wissenschaftler außerdem, und nennen als Beispiel die Pulsed Field Ablation (PFA). Diese minimalinvasive Behandlung komme bei Patienten zum Einsatz, die nicht für eine Operation oder Bestrahlung geeignet sind. Die Mayo Clinic bietet Diagnose, Stadieneinteilung und Behandlung in einem einzigen Eingriff an – ein Vorgehen, das Dr. Janani Reisenauer, Leiterin der Thoraxchirurgie an der Mayo Clinic in Rochester als „Single Anesthetic Lung Surgery Pathway“ bezeichnet. Reisenauer war ebenfalls an der neuen Veröffentlichung beteiligt. „Es bedeutet weniger Krankenhausaufenthalte, weniger Zeit fernab der Familie und kürzere Genesungszeiten“, zählt die Medizinerin die Vorteile eines solchen Vorgehens auf. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei lokal beschränktem Lungenkrebs liege bei fast 67 Prozent, im Vergleich zu etwa zwölf Prozent bei metastasiertem Lungenkrebs, heißt es in einer Mitteilung der Mayo Clinic. US- Leitlinien empfehlen dieser zufolge eine zeitnahe Untersuchung und Behandlung nach der Diagnose. Mit der Ausweitung des Lungenkrebs-Screenings und der Entdeckung weiterer Rundherde werde die Nachfrage nach präzisen, minimalinvasiven Diagnoseverfahren voraussichtlich steigen.
Mehr erfahren zu: "Antikörper-Wirkstoff-Konjugate: Gilead übernimmt FMP- und LMU-Spin-off Tubulis" Antikörper-Wirkstoff-Konjugate: Gilead übernimmt FMP- und LMU-Spin-off Tubulis Das US-amerikanische Biopharmaunternehmen Gilead hat eine endgültige Vereinbarung zur Übernahme der Tubulis GmbH geschlossen.
Mehr erfahren zu: "Nikotin-Intoxikation bei Kindern: Elektronische haben herkömmliche Zigaretten als größtes Risiko abgelöst" Nikotin-Intoxikation bei Kindern: Elektronische haben herkömmliche Zigaretten als größtes Risiko abgelöst Während die Belastung von Kindern durch Zigarettenrauch langsam aber stetig abnimmt, bergen nikotinhaltige E-Zigaretten laut US-Forschenden von Rutgers Health ein neues und größeres Risiko für diese Altersgruppe.
Mehr erfahren zu: "IMPACC-Studie: Unsachgemäßer Azithromycin-Einsatz bei COVID-19 führt rasch zu Resistenzen" IMPACC-Studie: Unsachgemäßer Azithromycin-Einsatz bei COVID-19 führt rasch zu Resistenzen Laut einer Untersuchung zu Veränderungen des Mikrobioms hospitalisierter COVID-19-Patienten kann der Einsatz des Makrolid-Antibiotikums Azithromycin schon nach einem Tag zu Antibiotikaresistenzen in den Atemwegen führen.