Robotik und KI: Neue Arbeitsteilung in der Medizin10. September 2025 Foto: khaenel/stock.adobe.com Robotik und Künstliche Intelligenz (KI) als Antwort auf den demografischen Wandel und den Fachkräftemange in der Medizin? Unser Autor liefert einen Überblick. Der medizinische Sektor steht vor multiplen Herausforderungen: Der anhaltende Fachkräftemangel trifft auf eine alternde Gesellschaft, die immer mehr Versorgung benötigt. Diese Entwicklung betrifft nicht nur große Kliniken, sondern auch kleine Praxen, in denen Bürokratie und Papierarbeiten überborden. Eine zentrale Antwort kann der konsequente Einsatz von Robotik und Assistenzsystemen, die mit Künstlicher Intelligenz (KI) arbeiten, sein. Roboter übernehmen dabei vor allem repetitive physische Tätigkeiten, während intelligente Software den bürokratischen Aufwand signifikant reduziert. Das Ziel ist klar: mehr Zeit für den Patienten, mehr Zeit für Medizin – Fokus auf das Wesentliche. Entlastung durch Robotik – nicht nur im OP In deutschen Krankenhäusern sind logistische Service-Roboter wie beispielsweise „Jeeves“ im LMU-Klinikum München bereits im Einsatz. Sie transportieren Medikamente, Laborproben oder Instrumente vollautomatisch durch die Gebäude – auch über mehrere Etagen hinweg. Diese Arbeit war bislang Servicepersonal vorbehalten und kostet wertvolle Zeit, die nun für die direkte Patientenbetreuung zur Verfügung steht. In Münster fährt ein solcher Roboter bereits eigenständig durch die Stationen des St. Franziskus-Krankenhauses. Auch Desinfektionsroboter wie das UV-System „Xenex“ sterilisieren autonom die Räume in wenigen Minuten. Neben der Logistik haben chirurgische Assistenzsysteme in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. Dabei unterstützen Roboter Operationen mit einer Präzision, die manuell auf engstem Raum so nicht erreichbar ist. Diese Systeme nehmen den Operateuren nicht die Entscheidung ab, sondern führen präzise Bewegungen aus und halten chirurgische Instrumente millimetergenau in Position – die moderne Servolenkung für den Operateur. Bürokratieabbau durch KI-Assistenz Während Roboter vor allem physische Tätigkeiten übernehmen, revolutioniert KI den administrativen Bereich. Moderne KI-gestützte Dokumentationssysteme erfassen die Inhalte via Natural Language Processing, strukturieren die Inhalte automatisiert und generieren daraus vollständige Behandlungsnotizen, Arztbriefe und Abrechnungen. Das spart dem Arzt Stunden an Zeit, die nun wieder dem Patienten zugute kommt. Die Vorteile gehen über das reine Schreiben hinaus: KI-Systeme können auch die medizinische Recherche beschleunigen. Plattformen wie „OpenEvidence“ liefern in Sekunden evidenzbasierte Antworten aus Millionen von Studien. „The-literature.com“ (www.the-literature.com) durchsucht PubMed nach relevanten Publikationen. Anstatt lange in Datenbanken zu suchen, erhalten Ärzte innerhalb von Augenblicken relevante Informationen, die in Diagnostik und Therapie helfen können. Das spart Zeit, das ermöglicht bessere Medizin. Mehr Zeit für den Menschen Das Zusammenspiel aus Robotik und KI-Assistenz schafft eine neue Form der Medizin: Maschinen übernehmen Routinen, während Ärzte und Pflegekräfte sich wieder stärker auf ihre Patienten konzentrieren können: das Gespräch, die Untersuchung, das gemeinsame Entwickeln eines Therapieplans. Natürlich ist das Gras nicht überall grüner. Der Datenschutz und die Integration in bestehende Systeme müssen gewährleistet sein. Und nicht jedes Krankenhaus verfügt über die nötige Infrastruktur – oft ist die IT völlig veraltet, sowohl in Soft- als auch in Hardware. Doch die Richtung ist klar: Robotik und KI sind keine futuristischen Visionen mehr, sondern in vielen Bereichen gelebte Realität. Sie sind ein Schlüssel, um den Fachkräftemangel abzufedern und gleichzeitig die Menschlichkeit in der Medizin zu bewahren. In einer Zeit, in der jede Minute zählt, könnte genau diese Kombination dafür sorgen, dass wieder mehr davon beim Patienten ankommt. Autor:Prof. Dominik PförringerPraxis für Orthopädie und UnfallchirurgieTheatinerstr. 180333 München
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