Rückenschmerzen: Viele nicht medikamentöse und nicht operative Therapien sind kosteneffizient

Yoga bietet einer aktuellen Studie zufolge einen kosteneffizienten Ansatz zur Reduktion von Schmerzen im unteren Rücken (Symbolfoto: ©LIGHTFIELD STUDIOS/stock.adobe.com)

Ob Yoga, Verhaltenstherapie oder Selbstmanagementstrategien: Laut einer aktuellen Übersichtsarbeit von Forschenden aus Australien sind diese Maßnahmen bei Schmerzen im unteren Rückenbereich wirksamer und aus mindestens einer Kostenperspektive günstiger als die Standardversorgung.

Rückenschmerzen sind weltweit die häufigste Ursache für Behinderungen und verursachen erhebliche Kosten sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesundheitssysteme. Die Behandlung gliedert sich in pharmakologische oder chirurgische Maßnahmen – darunter die Verschreibung von Medikamenten, Wirbelsäuleninjektionen und Operationen –, aber auch nicht invasive Methoden wie kognitive Verhaltenstherapie, Physiotherapie, Bewegung und Yoga oder Ernährungsmaßnahmen stehen zur Verfügung.

Forschende um Prof. Manuela Ferreira vom George Institute for Global Health (Australien) wollten nun anhand einer systematischen Übersichtsarbeit ermitteln, welche Optionen das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Ihre Ergebnisse legen nahe, dass Investitionen in wirksame nicht invasive und multidisziplinäre Maßnahmen die Patientenergebnisse verbessern und gleichzeitig eine effiziente Nutzung der Ressourcen im Gesundheitswesen ermöglichen können. Davon berichten sie im Fachmagazin „PLOS Medicine“. Erstautorin ist Stephanie Mathieson von der Universität Sydney, Ferreira ist gemeinsam mit David Hunter Seniorautorin.

Kosteneffizienz-Vergleich von nicht medikamentösen, nicht invasiven Maßnahmen mit Standardversorgung

Um die Kosteneffizienz besser zu verstehen, werteten die Autoren Studien zu Behandlungen aus, die die Weltgesundheitsorganisation, das britische National Institute for Health and Care Excellence (NICE) und die North American Spine Society empfehlen. Sie berücksichtigten 20 Studien, die zwischen 2005 und 2026 veröffentlicht wurden: 17 Wirtschaftlichkeitsanalysen auf Basis randomisierter Studien und drei Modellierungen. Insgesamt umfassten sie 14.884 Personen mit Schmerzen im unteren Rückenbereich. Das mittlere Alter lag in den Studien laut Übersichtsarbeit bei bis zu 74 Jahren. Bei den 10.309 Personen, für die das Geschlecht erfasst wurde, waren 58 Prozent Frauen. Zehn Studien untersuchten ausschließlich chronische Rückenschmerzen, acht Studien Schmerzen unterschiedlicher Dauer, eine ausschließlich akute Schmerzen, und in einer weiteren Studie wurde die Schmerzdauer nicht berichtet.

Alle inkludierten Studien stammten aus Ländern mit hohem Einkommen. Sie verglichen nicht medikamentöse und nicht chirurgische Maßnahmen wie Yoga, Akupunktur, Massage, Psychotherapie, Wirbelsäulenmanipulation, Bewegungs- und Ernährungspläne mit der Standardversorgung oder keiner Behandlung. Die Standardversorgung wurde allgemein als Erstversorgung definiert und umfasste hauptsächlich Aufklärung, eine begrenzte medikamentöse Therapie, die Empfehlung, aktiv zu bleiben, sowie bei Bedarf die Überweisung an einen Physiotherapeuten.

Ausgewählte Einzelmaßnahmen und multimodale Therapien günstiger und wirksamer als Standardversorgung

Die Autoren stellten fest, dass sechs Einzelmaßnahmen – Yoga, Akupunktur, kognitive Verhaltenstherapie, Unterstützung beim Selbstmanagement, Aufklärung zur Angstminderung und Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion – aus mindestens einer Perspektive (Gesundheitssystem, Gesellschaft oder Kostenträger) wirksamer und kostengünstiger waren als die Standardversorgung. Das Ergebnis hängt dabei von der Perspektive ab: Bei Yoga sanken beispielsweise nur die gesellschaftlichen Kosten, aus Sicht des Gesundheitssystems war die Maßnahme allerdings teurer als die Standardversorgung. Auch zwei multimodale Therapien – die Kombination aus Beratung und abgestufter Aktivität am Arbeitsplatz sowie Ernährung plus körperlicher Aktivität – waren wirksamer und günstiger als die Standardversorgung.

Insgesamt waren die meisten untersuchten Maßnahmen bei einer Zahlungsbereitschaftsschwelle von 20.000 Pfund (umgerechnet etwa 23.000 Euro) pro gewonnenem qualitätsadjustiertem Lebensjahr kosteneffektiv. Das bedeutet, dass die Kosten unter dieser vom NICE empfohlenen Höchstschwelle lagen.

Uneinheitliche Ergebnisse bei Akupunktur und Massage

Bei Akupunktur und Massage fielen die Ergebnisse uneinheitlich aus. So war nur eine intensivere Akupunktur-Variante (zusätzliche Sitzungen) wirksamer und günstiger als die Standardversorgung, während die Standardakupunktur mit rund 42.700 Pfund pro gewonnenem Lebensjahr deutlich über der Schwelle lag. Bei einer Massage-Studie war die Standardversorgung der Massage sogar überlegen. Die Autoren schließen daraus, dass die Kosteneffizienz dieser Verfahren stark von Kontext, Perspektive und Art der Durchführung abhängt.

Stärkung kosteneffizienter Ansätze könnte Gesundheitssysteme entlasten

Wegen der großen Unterschiede zwischen den Studien bei Perspektiven, Vergleichsgruppen, methodischer Qualität und Ländern konnten die Autoren keine Metaanalyse durchführen und mahnen zur vorsichtigen Interpretation. Die Kosteneffizienz wurde zudem unterschiedlich gemessen, und die Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen übertragen. Zu medikamentösen und chirurgischen Behandlungen liegen kaum Kostenanalysen vor, auch dazu sehen die Autoren Forschungsbedarf.

Dennoch weisen sie darauf hin, dass ein verbesserter Zugang zu den nicht chirurgischen und nicht pharmakologischen Maßnahmen Patienten mit Schmerzen im unteren Rückenbereich zugutekommen könnte. Ferreira ist der Auffassung, dass „viele wirksame Behandlungen auch Kosten im Gesundheitswesen einsparen können“. Sie resümiert: „Unsere Übersichtsarbeit ergab, dass Ansätze wie Bewegung, Yoga, Akupunktur und psychologische Unterstützung den Menschen bei der Genesung helfen können und gleichzeitig ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten.“ Somit könnten Investitionen in eine evidenzbasierte Versorgung mit Bewegung, physikalischen Therapien und psychologischer Unterstützung dazu beitragen, dass mehr Menschen genesen – und gleichzeitig den finanziellen Druck auf die Gesundheitssysteme verringern.

(ah/BIERMANN)