Runder Tisch: „Bedeutung der Hilfsmittelversorgung nimmt künftig weiter zu“

Teilnehmende des Runden Tischs: Marc-Pierre Möll, Tanja Machalet, Oda Hagemeier (v.l.)

Einen stärkeren gesundheitspolitischen Fokus auf die wachsende Bedeutung der Hilfsmittelversorgung haben die beiden MedTech- und Hilfsmittel-Verbände BVMed und Eurocom auf einem gemeinsamen Runden Tisch in Berlin gefordert.

„Medizinische Hilfsmittel gewinnen in der Versorgung von Patientinnen und Patienten weiter an Bedeutung, haben einen hohen Nutzen für die Menschen und die Gesellschaft – und gehören auf die allgemeine Agenda in der Gesundheitspolitik“, sagten BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll und Eurocom-Geschäftsführerin Oda Hagemeier.

An dem ersten gemeinsamen Runden Tisch nahmen Akteure rund um die Hilfsmittelversorgung aus Politik, Patientenorganisationen, Krankenkassen, Ärzteschaft, Leistungserbringer und Hersteller teil. Die rund 20 Teilnehmenden, darunter die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Bundestages, die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Tanja Machalet, verständigten sich auf eine Fortsetzung des Runden Tisches.

Mehrwehrtssteuersatz auf sieben Prozent senken?

Viele Teilnehmende sahen den Verbänden zufolge großes Potenzial darin, die Prozesse in der Hilfsmittelversorgung durch konsequente Digitalisierung, Nutzung aller fachlichen Kompetenzen und Verwaltungsvereinfachung zu optimieren. Zudem wurde mehrfach die Vereinbarung eines einheitlichen Mehrwertsteuersatzes von sieben Prozent im Rahmen der Hilfsmittelversorgung als möglicher Hebel genannt, um die Finanzen der Gesetzlichen Krankenversicherung zu entlasten.

„Die Hilfsmittelversorgung ist nach wie vor ein stark unterschätzter Bereich in der Gesundheitspolitik“, so Machalet. „Dabei ist sie so wichtig für die Ambulantisierung von stationären Behandlungen, bei der wohnortnahen Versorgung oder auch im Krisenfall. Um die Hilfsmittelversorgung zu stärken, ist ein Runder Tisch mit möglichst allen Akteuren genau das richtige Format. Nur wenn diese Akteure bei den gemeinsamen Punkten an einem Strang ziehen, kann das Vorhaben gelingen“, so Machalet weiter.

Im Hinblick auf die Demografie Weichen für die Hilfsmittelversorgun neu stellen

„Bevor Gesetze geschrieben werden, sollte die Hilfsmittelversorgung von morgen vorab mit allen Beteiligten beraten und vorgedacht werden“, äußerte Möll. „In fünf Jahren haben wir eine gealterte Gesellschaft mit einem deutlich höheren Bedarf an Hilfsmitteln, gleichzeitig weniger Fachpersonal und weniger Krankenhausbetten. Die Bedeutung der Hilfsmittelversorgung wird ansteigen, jetzt müssen die Weichen dafür gestellt werden.“

„Hilfsmittel sind kein Kostenfaktor, sondern ein ‚Enabler‘ im Gesundheitssystem. Dieser Versorgungsbereich ist mit nur vier Prozent der gesamten GKV-Ausgaben bei gleichzeitig 32 Millionen Versorgungen nicht Kostentreiber im System, sondern – ganz im Gegenteil – eine tragende Säule, um ambulante Versorgungsstrukturen regional auszubauen und damit auch kostenintensive stationäre Behandlungen zu verhindern“, stellte Hagemeier klar. „Hilfsmittelhersteller leisten mit qualitativ hochwertigen und innovativen Produkten einen wesentlichen Beitrag zur wohnortnahen Versorgung. Damit Hersteller auch künftig Forschung und Entwicklung in den Dienst des Patientenwohls stellen können, müssen Hemmnisse abgebaut werden.“

Hilfsmittelversorgung entlastet ambulante und stationäre Strukturen

Medizinische Hilfsmittel sind nach Ansicht von BVMed und Eurocom der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben: Sie sichern Mobilität, entlasten Pflegekräfte und sind eine Voraussetzung für mehr Teilhabe der Betroffenen. Eine große Hoffnung im Gesundheitswesen liegt den Verbänden zufolge derzeit in der Ambulantisierung von Gesundheitsleistungen.

„Ein schneller ambulanter Eingriff oder eine rein ambulante Versorgung statt eines mehrtägigen Krankenhausaufenthalts erfordert weniger Personal, Material, finanzielle Mittel und kann die Belastung von Patienten und Angehörigen vermindern. Dieser Trend ist aber nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Dazu gehört vor allem eine gute Hilfsmittelversorgung“, forderten die Verbände in einem gemeinsamen Positionspapier aus dem Jahr 2025.

Nach Ansicht der Verbände leisten Hilfsmittelversorgungen mit den dazugehörigen Dienstleistungen wie Einweisung, Beratung, handwerkliche Zurichtung, Reparaturservice, Ersatzbeschaffung und Wartung zudem einen spürbaren Beitrag zur Entlastung sowohl von stationären als auch ambulant-ärztlichen Strukturen. Der Fortschritt bei den Produkten müsse sich im Versorgungsprozess abbilden, forderten sie. Dazu sei der Austausch mit allen Beteiligten unerlässlich, um Schnittstellen reibungsfrei zu gestalten und Versorgungslücken zu schließen.