S1-Leitlinie Kopfschmerz bei Übergebrauch von Schmerz- oder Migränemitteln überarbeitet8. April 2022 Foto: ©sebra – stock.adobe.com Verschiedene neue Erkenntnisse machten eine Aktualisierung der S1-Leitlinie „Kopfschmerz bei Übergebrauch von Schmerz- oder Migränemitteln“ aus dem Jahr 2018 notwendig. Bei der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) ist die überarbeitete Leitlinie ab sofort abrufbar. Die Aktualisierung erfolgte unter der Leitung von Prof. Hans-Christoph Diener, Abteilung für Neuroepidemiologie, Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (IMIBE) der Universität Duisburg-Essen, und Prof. Peter Kropp, Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universitätsmedizin Rostock. Welche Neuerungen das Update der Leitlinie bedingten, erläutert die DGN in einer aktuellen Mitteilung. Demnach hatte die Klassifikation der Kopfschmerzen durch die International Headache Society (IHS) die Medikamente, die einen Kopfschmerz durch Übergebrauch von Schmerz- oder Migränemitteln (Medication Overuse Headache, MOH) hervorrufen können, weiter spezifiziert. Darüber hinaus habe sich gezeigt, dass die monoklonalen Antikörper gegen CGRP oder den CGRP-Rezeptor wie Topiramat und OnabotulinumtoxinA nicht nur in der Prophylaxe der chronischen Migräne wirksam sind, sondern auch bei Kopfschmerzen durch Übergebrauch von Schmerz- oder Migränemitteln. Die Leitlinienautorinnen und -autoren betonen aber, dass nichtmedikamentöse Maßnahmen die medikamentöse Prophylaxe bei MOH ergänzen müssten. Die größte Gefahr eines Rückfalls bestehe im ersten Jahr nach einer Medikamentenpause oder einem Medikamentenentzug. Man spricht von MOH, wenn an über 15 Tagen pro Monat Kopfschmerzen auftreten und diese über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten mit einem oder mehreren Schmerzmedikamenten behandelt werden. Für Triptane ist die Einnahme an mehr als 10 Tagen im Monat zur Diagnosestellung Voraussetzung. Die wichtigsten Risikofaktoren für einen MOH sind, so führt es die Leitlinie aus, vorbestehende primäre Kopfschmerzen, z.B. Migräne oder Kopfschmerz vom Spannungstyp, weibliches Geschlecht, mehr als 10 Kopfschmerztage pro Monat, niedriger sozialer Status, andere chronische Schmerzerkrankungen, Stress, körperliche Inaktivität, Übergewicht, Rauchen, abhängiges Verhalten und psychiatrische Erkrankungen wie Depression oder Angsterkrankung. Des Weiteren gibt die Leitlinie ein Update zur Therapie, die in mehreren Stufen erfolgen sollte. Die Erfolgsrate einer solchen gestuften Therapie beträgt nach sechs bis zwölf Monaten etwa 50 bis 70 Prozent. Vor allem bei Patienten mit Opioid-Übergebrauch bestehe eine hohe Rückfallrate. Die Stufen umfassen: Patientinnen und Patienten mit Übergebrauch von Medikamenten (Medication Overuse = MO) oder mit MOH sollten zunächst über die Beziehung zwischen häufiger Einnahme von symptomatischer Kopfschmerzmedikation und Chronifizierung der Kopfschmerzen aufgeklärt werden. Ziel ist, die Einnahme der Akutmedikation zu reduzieren und zu limitieren. In einem zweiten Schritt sollte bei Patientinnen und Patienten mit Migräne und Übergebrauch von Schmerz- oder Migränemitteln eine Prophylaxe initiiert werden. Topiramat, OnabotulinumtoxinA und die monoklonalen Antikörper gegen CGRP oder den CGRP-Rezeptor können auch während eines bestehenden Medikamentenübergebrauchs wirksam sein. Bei Patienten mit Kopfschmerz vom Spannungstyp erfolgt die medikamentöse Prophylaxe mit Amitriptylin. Die medikamentöse Prophylaxe soll durch nichtmedikamentöse Maßnahmen ergänzt werden. Bei Betroffenen, bei denen Edukation und medikamentöse Prophylaxe nicht ausreichend sind, erfolgt alternativ eine Medikamentenpause, wobei diese je nach Konstellation ambulant, tagesklinisch oder stationär durchgeführt werden sollte. Bei Betroffenen mit Kopfschmerz durch Übergebrauch von Opioiden sollte eine stationäre Entzugsbehandlung durchgeführt werden. Zur Behandlung von Entzugssymptomen oder Kopfschmerzen während der Medikamentenpause werden trizyklische Antidepressiva, Neuroleptika (Antiemetika) und die Gabe von Steroiden empfohlen. Konsequente Patientenedukation und weitere engmaschige Betreuung reduzieren das Risiko eines Rückfalls. „Die Bedeutung der Leitlinie liegt darin, dass sie auf das Problem des MOH aufmerksam macht und auch Ärztinnen und Ärzte für das Problem sensibilisiert“, erklärt Leitlinienautor Diener.
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