S3-Leitlinie zum Peniskarzinom wird im Dezember veröffentlicht

Oliver Hakenberg beim 71. DGU-Kongress. Foto: Schmitz

Beim 71. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) im September in Hamburg wurde die Konsultationsfassung der ersten S3-Leitlinie “Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Peniskarzinoms” vorgestellt. Die endgültige Fassung soll Ende Dezember herauskommen.

Wie DGU-Präsident Prof. Oliver Hakenberg bei der DGU-Pressekonferenz berichtete, haben “die meisten Urologen aufgrund der Seltenheit der Erkrankung kaum eigene Erfahrung” mit Diagnostik und Therapie des Peniskarzinoms. Die Inzidenz sei leicht steigend, mit etwa 800 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland.

Im Vordergrund steht die operative Therapie. Während bis vor etwa 15 Jahren die Teilamputation des Penis mit einem Sicherheitsabstand zum Tumor von 2 cam als Standardtherapie galt, operiert man Hakenberg zufolge heute nach der Maxime “so viel Radikalität wie nötig, so viel Organerhalt wie möglich”. Heute werde “mit sehr kleinen ‘Sicherheitsabständen’ reseziert, um den betroffenen Mann möglichst die Verstümmelung zu ersparen”.

Frühe Metastasierung

Besonders tückisch ist allerdings, dass das Peniskarzinom früh metastasiert und so zu einer tödlichen Erkrankung werden kann. Notwendig sei eine standardisierte, stadiengerechte Behandlung, so Hakenberg. Besonderes Augenmerk müsse auf die richtige Therapie der inguinalen Lymphknoten gerichtet werden, betonte er, “da sich hier oft Mikrometastasen finden und nur die frühzeitige Entfernung dieser Lymphknoten mit adjuvanter Chemotherapie Heilung bringen kann”. 

Die Datenlage zum Peniskarzinom habe sich in den vergangenen zehn Jahren verbessert, berichtete der Rostocker Klinikdirektor. Den aktuellen Wissensstand fasst die S3-Leitlinie evidenzbasiert zusammen, anders als die Leitlinie der European Association of Urology (EAU), die laut Hakenberg nur einen Expertenkonsens darstellt. 

Leitlinien-Portfolio komplettiert

Besonders erfreut zeigte sich der DGU-Präsident, dass es nun für alle vier Tumorentitäten, mit denen sich die Urologie befasst, S3-Leitlinien gibt.

Hakenberg nutzte die Gelegenheit, um die Bedeutung der HPV-Impfung hervorzuheben. Die Impfung schütze nicht nur vor Gebärmutterhalskrebs bei der Frau – auch durch Herdenimmunität bei Impfung der Knaben -, sondern auch vor einem Teil der Peniskarzinome, Analkarzinome und Oropharynxkarzinome sowie vor Genitalwarzen. In Deutschland betrage die Impfrate jedoch nur 30 Prozent gegenüber zum Beispiel 75 Prozent in Australien, wo es ein Schulimpfprogramm gibt. “Es erscheint unverständlich, warum in Deutschland mit diesem Thema so sorglos umgegangen wird”, so Hakenberg.

(ms)