SARS-CoV-2-Infektion: Gesunder Lebensstil reduziert Post-COVID-Risiko25. Mai 2023 © Yuriy Shevtsov – stock.adobe.com (Symbolbild) Kann ein gesunder Lebensstil im Falle einer SARS-CoV-2-Infektion vor der Entwicklung eines Post-COVID-Syndroms schützen? In einer prospektiven Kohortenstudie, deren Ergebnisse jüngst veröffentlicht wurden, war dies der Fall: Die Autoren berichten von einem „wesentlich geringeren“ Post-COVID-Risiko. Analysiert wurden die Angaben von 32.249 Frauen in der Kohorte der Nurses’ Health Study II zu ihren Lebensgewohnheiten vor der Infektion in den Jahren 2015 und 2017. Zu den Faktoren, die die Studienautoren als relevant oder aussagekräftig in Bezug auf einen gesunden Lebensstil befanden, gehörten ein Body-Mass-Index (BMI) im Bereich 18,5–24,9, der Verzicht auf Zigaretten, ≥150 min/Woche körperliche Aktivität von mittlerer bis hoher Intensität, moderater Alkoholkonsum (5–15 g/Tag), eine hochwertige Ernährung (Erreichen der oberen 40% beim Alternate Healthy Eating Index 2010) und ausreichend Schlaf (7–9 h/d). Angaben zu einer SARS-CoV-2-Infektion (bestätigt durch Test) und zu Post-COVID (Symptome seit ≥4 Wochen) machten die Frauen in 7 regelmäßig durchgeführten Umfragen (April 2020 bis November 2021). Unter Teilnehmerinnen mit SARS-CoV-2-Infektion wurde das relative Risiko (RR) für Post-COVID in Verbindung mit der Anzahl der Faktoren einer gesunden Lebensweise (0–6) unter Verwendung der Poisson-Regression geschätzt und um demografische Faktoren und Komorbiditäten bereinigt. Insgesamt wurden 1981 Frauen mit positivem SARS-CoV-2-Test während einer 19-monatigen Nachbeobachtung dokumentiert. Das Durchschnittsalter der Teilnehmerinnen betrug 64,7 Jahre (SD 4,6; Bereich 55–75). Bei 97,4% (n=1929) handelte es sich um weiße Frauen und 42,8% (n=848) waren aktiv im Gesundheitswesen tätig. Von diesen entwickelten 871 (44,0%) Post-COVID. Ein gesunder Lebensstil war dosisabhängig mit einem geringeren Post-COVID-Risiko assoziiert, wie die Studienautoren feststellten. Im Vergleich zu Frauen ohne Faktoren, die auf einen gesunden Lebensstil hindeuteten, besaßen solche mit 5–6 dieser Faktoren ein um 49% geringeres Risiko für Post-COVID (RR 0,51; 95%-KI 0,33–0,78). In einem Modell mit Adjustierung aller Lebensstilfaktoren gegeneinander waren BMI und Schlaf unabhängig voneinander mit dem Post-COVID-Risiko assoziiert (BMI vs. andere: 18,5–24,9; RR 0,85; 95%-KI 0,73–1,00; p=0,046; 7–9 h /d Schlaf vs. andere: RR 0,83; 95%-KI 0,72–0,95; p=0,008). Wären diese Assoziationen kausal, wären laut den Forschenden 36,0% der Post-COVID-Fälle verhindert worden, wenn alle Teilnehmerinnen 5–6 Faktoren für einen gesunden Lebensstil aufgewiesen hätten (bevölkerungsbezogener Risikoprozentsatz 36,0%; 95%-KI 14,1–52,7). Die Ergebnisse waren vergleichbar, wenn Post-COVID als das Auftreten oder Persistieren von Symptomen mit einer Dauer von ≥2 Monaten oder anhaltende Symptome zum Zeitpunkt der Post-COVID-Beurteilung definiert wurde. Fazit In dieser prospektiven Kohortenstudie wurde ein gesunder Lebensstil vor der Infektion mit einem wesentlich geringeren Risiko für Post-COVID in Verbindung gebracht. Künftige Forschungsarbeiten sollten untersuchen, ob Maßnahmen zur Verbesserung des Lebensstils das Post-COVID-Risiko verringern oder die Symptome bei Personen mit Post-COVID lindern können. (ac) Autoren: Wang S et al. Korrespondenz: Siwen Wang; [email protected] Studie: Adherence to Healthy Lifestyle Prior to Infection and Risk of Post-COVID-19 Condition Quelle: JAMA Intern Med 2023;183(3):232–241. Web: https://doi.org/10.1001/jamainternmed.2022.6555