SARS-CoV-2: Testkapazitäten nicht beliebig steigerbar11. August 2020 Foto: ©salomonus_ – stock.adobe.com Nach der deutlichen Ausweitung des SARS-CoV-2-Testangebotes an Reiserückkehrer und der Einführung der Testpflicht für Einreisende aus Risikogebieten sind Labore mancherorts an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit geraten. Darauf weisen die Akkreditierten Labore in der Medizin – ALM e.V. hin und appellieren an die PoIitik, keine weiteren Versprechungen zu Tests zu machen. Sowohl die Zahl der angeforderten SARS-CoV-2-PCR-Tests als auch die Zahl der positiven Befunde sind in der vergangenen Kalenderwoche (KW 32) deutlich gestiegen. Das geht aus der wöchentlichen Datenanalyse der Akkreditierten Labore in der Medizin – ALM e.V. hervor, an der bundesweit 146 Labore teilgenommen haben, davon etwa ein Drittel außerhalb des Verbands. Mit 655.944 PCR-Tests und einem Anstieg von 26 Prozent im Vergleich zur Vorwoche erreichte die Zahl der vom 03. bis 09. August in den fachärztlichen Laboren durchgeführten Tests einen neuen Höchststand. Entsprechend dem Infektionsgeschehen stieg auch die Zahl der positiven Befunde – und zwar auf 6696 (+28 %). Nachschub von Geräten und Testmaterialien ist limitiert Nach Angaben der ALM brachte die starke Zunahme des Testgeschehens Labore mancherorts an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit, trotz der im internationalen Vergleich sehr hohen Testkapazitäten. Die Lieferungen von Geräten und Testmaterialien aus der In-vitro-Diagnostika-Industrie seien begrenzt und rationiert, erklärte die ALM. Die Mitglieder des Verbands appellieren daher an die PoIitik, keine weiteren Versprechungen zu Tests zu machen: “Vorhaben wie in Bayern, die Zahl der Tests pro Woche von 20.000 auf 200.000 zu steigern, sind wenig realistisch und setzen falsche Signale. Auf Kosten aller BürgerInnen werden hier Ressourcen versprochen, ohne die Realisierung konkret zu benennen. Für die Versorgung symptomatischer Patienten, in Krankenhäusern und Pflegeheimen und bei der so entscheidenden Aufdeckung der Infektionsketten könnten diese Ressourcen am Ende fehlen”, betont Dr. Michael Müller, 1. Vorsitzender des ALM e.V. So weisen die ALM-Mitglieder erneut auf einen wichtigen Aspekt hin: “Wir sollten die PCR-Tests durchführen, die prioritär medizinisch notwendig und im Sinne einer guten Prävention nützlich sind. Das ist die zentrale Aufgabe der Pandemieeindämmung. Auf keinen Fall sollten wir die gut etablierten flächendeckenden Strukturen der fachärztlichen Labore dauerhaft überlasten”, mahnt Müller. “Wir können unsere MitarbeiterInnen, die als MTLA und Wissenschaftler die zentralen diagnostisch tätigen Personen in der COVID-19-Pandemie sind, nicht unentwegt bis zum Anschlag belasten!” Statt anlassloser Tests die Prävention fördern Zwar sei die Testkapazität mit zusätzlichen zwei Prozent erneut auf sehr hohem Niveau stabil geblieben und liege nun bei wöchentlich knapp über einer Million SARS-CoV-2-PCR-Tests. Diese Testkapazitäten seien aber in erster Linie dazu gedacht, kurzfristige Anforderungsspitzen wie bei regionalen Ausbrüchen abzufedern und nicht, um sämtliche möglichen Wünsche und Vorstellungen nach freier Testung zu bedienen, konstatiert auch Prof. Jan Kramer, Vorstand im ALM e.V. “Die Zahl falsch negativer und statistisch gesehen auch die falsch-positiver Befunde steigt sogar mit der Zahl der Tests, insbesondere bei der Massenuntersuchung völlig asymptomatischer Personen. Wir sehen schon heute, dass Reiserückkehrer bei der Ankunft zwar einen negativen Test aufweisen, ein paar Tage später jedoch symptomatisch getestet werden. Solche massenhaften anlasslosen Tests wiegen die Menschen nur in falscher Sicherheit”, so der Internist und Facharzt für Laboratoriumsmedizin. “Statt Tests für alle ohne Anlass zur fordern, sollten wir uns im Sinne einer erfolgreichen Präventionsstrategie noch mehr dafür einsetzen, dass die AHA-Regel ‘Abstand’, ‘Hygiene’ und ‘Alltagsmaske’ konsequent eingehalten wird. Hier könnte noch viel mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden”, so Kramer. Corona-Warn-App weiter perfektionieren Viel Potenzial bei der Aufklärungsarbeit sieht der ALM e.V. auch bei der Nutzung der Corona-Warn-App. “Dass die App bis heute noch nicht überall zuverlässig funktioniert, liegt an der starren Haltung der Vertragspartner der Bundesregierung”, kritisiert Wolf Kupatt, Vorstand im ALM e.V. So habe sich die Telekom viel Zeit gelassen, mit der kv.digital über eine Anbindung der Labore via KV-Connect zu verhandeln, am Ende jedoch keine vertragliche Lösung gefunden. “Das hat uns alle sehr viel Zeit und Ressourcen gekostet. Wir erwarten hier von der Telekom eine mehr auf Partnerschaft ausgerichtete Zusammenarbeit im Interesse der Bevölkerung. Im Sinne einer guten Pandemiebekämpfung sollte nicht die Ökonomie im Vordergrund stehen, sondern eine möglichst praktikable Lösung für die Labore und alle Beteiligten”, so Kupatt. Um insbesondere LandrätInnen und BürgermeisterInnen sowie EntscheiderInnen für die labordiagnostische Versorgung vor Ort einen besseren Überblick zu geben, haben die ALM die Informationsseite “Corona Diagnostik Insights” mit Laborfinder sowie Zahlen, Daten und Fakten zur COVID-19-Labordiagnostik eingerichtet. Diese ist unter www.corona-diagnostik-insights.de zu erreichen.
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