SARS-CoV-2: Tumorsuppressor nach Infektion reduziert vorhanden

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In einem Brief an den Editor zeigen spanische Wissenschaftler anhand von 3 transkriptomischen Datensätzen, dass der Tumorsuppressor p53 nach einer schweren SARS-CoV-2-Infektion anhaltend reduziert ist. Die Autoren mutmaßen, dass dies einen Risikofaktor für die Onkogenese darstellt, der mit pathogenen Mutationen in TP53 vergleichbar ist. Eine derartige, langfristige Reduktion von p53 könnte Krebs auslösen oder dazu beitragen, den Krankheitsverlauf bei Patienten mit einem bereits andauernden Tumorprozess zu verschlechtern.

Das Forschungsteam analysierte die TP53-Expression im Blut von COVID-19-Patienten (n=65), die nach Schweregrad der Erkrankung eingeteilt worden waren, und gesunden Kontrollen (n=30), sowie die Daten weiterer Studien. Darüber hinaus

wurden auch Genexpressions­daten (12, 16 und 24 Wochen nach der Infektion) von Long-COVID-Patienten und gesunden Kontrollen aus einer RNA-Sequenzierungs­studie mit Rekonvaleszenzplasma analysiert. Des Weiteren bewerteten die Autoren, ob p53-verwandte ­Signalwege hoch- oder herunterreguliert exprimiert werden. Die 2 durchgeführten unabhängigen Vergleiche betrafen schwer bzw. nichtschwer und schwer/kritisch erkrankte Patienten (24 Wochen nach der Infektion) im Vergleich zu gesunden Kontrollen.

Die Daten zeigen, dass TP53 bei Patienten mit den höchsten Krankheitsschweregraden in allen Datensätzen herunterreguliert war. Dies war im Vergleich zu Kontrollen und leicht erkrankten Patienten statistisch signifikant unterschiedlich. Das Team beobachtete, dass die TP53-Expression nur bei schwer erkrankten Patienten negativ mit der Symptomdauer bis zur Probennahme korrelierte.

Die erneute Analyse von TP53-Expressionsdaten im Blut von Long-COVID-Patienten einer Folgestudie ergab: Leicht erkrankte Patienten zeigten eine statistisch signifikante Herunterregulierung der TP53-Expression im Vergleich zu Gesunden, wobei es 16 Wochen nach der Infektion zu einer TP53-Reaktivierung in Richtung normaler Werte (nach 24 Wochen) kam. Bei schwer bzw. kritisch erkrankten Patienten war TP53 im Vergleich zu den Kontrollen auch 24 Wochen nach der Infektion statistisch signifikant herunterreguliert. Es gab außerdem keine Anzeichen für eine Erholung auf das bei den Kontrollen beobachtete TP53-Expressionsniveau.

Die Daten weisen auch darauf hin, dass die TP53-Herunterregulierung einen signifikanten Einfluss auf interagierende Gene hat. Dies betrifft 8 Signalwege, die bei diesen Patienten 24 Wochen nach der Infektion im Vergleich zu anderen Patienten und Kontrollen entweder signifikant hoch oder herunter reguliert waren.

Fazit
Der Tumorsuppressor p53 ist nach einer schweren SARS-CoV-2-Infektion anhaltend reduziert. Das spanische Forschungsteam vermutet, dass dies ein Risikofaktor für die Onkogenese ist. Zukünftige Bemühungen sollten laut den Forschenden auf größere Kohorten und längere Nachbeobachtungszeiträume abzielen und mehr Probentypen untersuchen. (sh)

Autoren: Gómez-Carballa A et al.
Korrespondenz: Alberto Gomez; [email protected]
Studie: Is SARS-CoV-2 an oncogenic virus?
Quelle: J Infect 2022;S0163-4453(22)00469-8.
Web: https://www.doi.org/10.1016/j.jinf.2022.08.005