SARS-CoV-2-Übertragung im Flugzeug: Verschiedene Faktoren können Einfluss haben

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Das Risiko einer Übertragung von SARS-CoV-2 mittels Tröpfcheninfektion unter Flugreisenden hängt vor allem von der Nähe zum Indexpatienten während der Reise ab, berichtete jüngst eine Arbeitsgruppe aus Frankfurt/Main.

Sie hatte die 102 Passagiere eines Fluges von Tel Aviv (Israel) nach Frankfurt Anfang März untersucht, unter denen sich auch 24 Mitglieder eine gemeinsam reisende Gruppe von Touristen befanden.

Die Reisegruppe in dieser Studie hatte 7 Tage nach Reiseantritt Kontakt zu einem Hotelmanager gehabt, bei dem später COVID-19 diagnostiziert wurde. Kein Mitglied der Reise­gruppe war vor Beginn der Reise positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden, Maßnahmen zur Vermeidung einer Ansteckung im Flugzeug (zum Beispiel Maskenpflicht) hatte es nicht gegeben.

Nach einer körperlichen Untersuchung der Passagiere in Frankfurt und Testung auf SARS-CoV-2 ergab sich bei 7 Mitgliedern der Reisegruppe ein positiver Befund; dabei hatten 4 von ihnen schon während des Fluges Symptome gezeigt.

Insgesamt 71 der übrigen 78 Passagiere (91%) machten in einer Befragung Angaben zu Symptomen und eventuellen früheren SARS-CoV-2-Tests. Serumproben konnten die Studienautoren von 13 dieser Personen in einem Zeitraum von 6–9 Wochen nach dem Flug sammeln. Einer dieser Passagiere gab an, nach dem Flug mittels PCR-Verfahren positiv getestet worden zu sein, konnte sich aber an keine Symptome erinnern.

Die Studienautoren entdeckten Immunglobulin G 7 Wochen nach dem Flug, und das Ergebnis des Plaque-Reduktions-Assays fiel ebenfalls positiv aus. Der betreffende Passagier verneinte jeglichen Kontakt mit COVID-19-Patienten sowohl vor als auch nach seiner Reise. Von Symptomen, die auf COVID-19 schließen ließen, berichteten 7 andere Passagiere innerhalb von 14 Tagen nach dem Flug.

Fazit
Das Risiko der Übertragung mittels Tröpfcheninfektion in einem Flugzeug hängt vor allem von der Nähe zu einem Indexfall und von anderen Faktoren ab, wie zum Beispiel der Bewegung von Passagieren und Besatzung, Infektionsträgern und dem Kontakt zwischen Passagieren im Abfluggate. Es sei möglich, dass die Luftbewegung in der Kabine – von der Decke zum Boden und von vorne nach hinten – mit einer reduzierten Übertragungsrate in Zusammenhang stehe, formulieren die Studienautoren. (ac)

Autoren: Hoehl S et al.
Korrespondenz: Sandra Ciesek; [email protected]
Studie: Assessment of SARS-CoV-2 Transmission on an International Flight and Among a Tourist Group
Quelle: JAMA Netw Open 2020;3(8):e2018044.
Web: https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2020.18044