Sauerstofftherapie bei akut erkrankten Erwachsenen: Liberale Strategie steigert die Sterblichkeit19. September 2018 © sudok1 – fotolia.com Akut erkrankten Erwachsenen wird oft großzügig Sauerstoff verabreicht. Wie vertrauenswürdig jedoch die Evidenz ist, die dieser Praxis zugrunde liegt, ist unklar. Darum überprüften Dr. Derek K. Chu von der McMaster University im kanadischen Hamilton und seine Kollegen jetzt systematisch (samt Meta-Analysen) die Wirksamkeit und Sicherheit einer liberalen vs. einer konservativen Sauerstofftherapie bei akut erkrankten Erwachsenen. Für den IOTA-Review mit Metaanalysen hatten die Autoren zunächst das Cochrane Central Register of Controlled Trials, MEDLINE, Embase, HealthSTAR, LILACS, PapersFirst und das WHO International Clinical Trials Registry ab Einrichtung bis zum 25.10.2017 nach randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) durchsucht, die eine liberale mit einer konservativen Sauerstofftherapie bei akut erkrankten Erwachsenen verglichen. Studien, die auf Patienten mit chronischen Atemwegs- oder psychiatrischen Erkrankungen, Patienten mit extrakorporaler Unterstützung oder mit hyperbarer Sauerstofftherapie oder mit elektiver Chirurgie behandelte Patienten beschränkt waren, wurden ausgeschlossen. In 25 RCTs waren 16.037 Patienten mit Sepsis, kritischer Erkrankung, Schlaganfall, Trauma, Myokardinfarkt oder Herzstillstand und Patienten mit Notoperation einbezogen worden. Bei der liberalen Sauerstoffstrategie lag die mediane Ausgangssättigung des peripheren Sauerstoffs [SpO2] über die Studien hinweg bei 96 % [Spanne 94–99 %, Interquartilsabstand 96–98]). Wie die Autoren feststellten, erhöhte eine liberale Sauerstoffstrategie im Vergleich zu einer konservativen die Krankenhausmortalität (relatives Risiko [RR] 1,21; 95 %-KI 1,03–1,43; I2=0 %, hohe Qualität), die 30-Tages-Mortalität (RR 1,14; 95 %-KI 1,01–1,29; I2=0 %, hohe Qualität) und die Mortalität bei der längsten Nachbeobachtung (RR 1,10; 95 %-KI 1,00–1,20; I2=0 %, hohe Qualität). Die Ergebnisse in punkto Morbidität seien zwischen den Gruppen ähnlich gewesen, schreibt das Team um Chu. Die Befunde seien in Trial-Sequential-, Subgruppen- und Sensitivitätsanalysen robust gewesen, ergänzen die Wissenschaftler. Fazit Qualitativ hochwertige Evidenz belegt, dass eine liberale Sauerstofftherapie bei akut erkrankten Erwachsenen die Mortalität erhöht, ohne andere für die Patienten wichtige Ergebnisse zu verbessern. Zusätzlicher Sauerstoff könnte oberhalb eines SpO2-Bereichs von 94–96% ungünstig werden, ergänzen sie und fügen, hinzu, dass die Ergebnisse eine konservative Anwendung der Sauerstofftherapie stützen. Autoren: Chu DK et al. Korrespondenz: [email protected] Studie: Mortality and morbidity in acutely ill adults treated with liberal versus conservative oxygen therapy (IOTA): a systematic review and meta-analysis Quelle: Lancet 2018;391(10131):1693–1705. Web: dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(18)30479-3