Schlaganfälle durch einen Basilaris-Verschluss – Signifikanter Nutzen der Thrombektomie 24. Oktober 2022 Foto: © Gerd Altmann – Pixabay Bei Schlaganfällen durch einen Verschluss der Arteria basilaris im hinteren Bereich des Gehirns basierte die Therapieempfehlungen bisher in erster Linie auf Registerdaten. Jetzt bestätigen fast zeitgleich zwei chinesische Studien, dass die Betroffenen zusätzlich zur Standardbehandlung signifikant von der Entfernung des Thrombus mittels Gefäßkatheter profitieren. Wenn bei einem Schlaganfall die Basilararterie betroffen ist, kann dies schnell lebensgefährlich werden, denn die A. basilaris versorgt das Kleinhirn und den Hirnstamm, wo sich lebenswichtige Nervenzentren befinden. Die spezifische Therapie kann mit einer medikamentösen Auflösung des Gerinnsels oder durch die mechanische Entfernung des Thrombus mit einem Gefäßkatheter-Eingriff erfolgen. Auch die Kombination beider Verfahren ist in bestimmten Situationen sinnvoll, beispielsweise bei längeren Transportzeiten in das nächste Thrombektomie-Zentrum. Ob die Betroffenen mit Basilarisverschlüssen von einer intravasalen Thrombektomie genauso profitieren, wie es bei Verschlüssen anderer großer Hirnarterien der Fall ist, war bislang nicht ausreichend durch klinische randomisierte Studien gesichert. Zu dieser Fragestellung wurden nun zwei Studien aus China mit insgesamt mehr als 500 Teilnehmenden publiziert. In den prospektiv randomisierten Studien BAOCHE („Basilar Artery Occlusion Chinese Endovascular“)1 und ATTENTION („Endovascular Treatment for Acute Basilar-Artery Occlusion“)2 wurden über einen Zeitraum von mehreren Jahren Betroffene mit Basilarisverschluss analysiert. Die Dauer von Symptombeginn bis zur Randomisierung betrug sechs bis 24 Stunden1 beziehungsweise durfte zwölf Stunden2 nicht überschreiten. In beiden Studien konnte, wenn keine individuellen Kontraindikationen oder Studienausschlusskriterien vorlagen, zunächst eine intravenöse Lyse begonnen werden. Die weitere Behandlung erfolgte entweder mit einer standardisierten Therapie (standard/best medical care) plus endovaskulärer Thrombektomie (Thrombektomie-Gruppe) oder mit konservativer Standardtherapie alleine (Kontrollgruppe). Das primäre Outcome war ein guter funktioneller Status nach 90 Tagen, definiert als mRS-Score von null bis drei (auf der modifizierten Ranking-Skala von mRS 0 = keine Symptome/Behinderung bis 6 = Tod). Das primäre Sicherheits-Outcome beinhaltete symptomatische intrakranielle Blutungen nach 24- bis 72 Stunden und die 90-Tages-Mortalität. In der BAOCHE-Studie1 konnten abschließend 217 Teilnehmende ausgewertet werden (110 in der Thrombektomie-Gruppe und 107 in der Kontrollgruppe, Alter durchschnittlich ca. 64 Jahre, ca. 73 % Männer). Die Randomisierung war median circa elf Stunden (663 Minuten) nach Symptombeginn erfolgt. Eine Thrombolyse hatten 14 Prozent der Teilnehmenden in der Thrombektomie-Gruppe und 21 Prozent in der Kontrollgruppe erhalten. In der ATTENTION-Studie2 gingen 340 Teilnehmende in die Analyse ein (226 in der Thrombektomie-Gruppe und 114 in der Kontrollgruppe; mittleres Alter ca. 66 Jahre, 66 bzw. 72 % Männer). Die Randomisierung war nach median circa fünf Stunden (300 Minuten) erfolgt. Eine Thrombolyse hatten 31 Prozent und 34 Prozent erhalten. Die BAOCHE-Studie1 wurde nach einer präspezifizierten Zwischenanalyse aufgrund der Überlegenheit der Thrombektomie gestoppt. Einen guten mRS-Score von null bis drei hatten in der Thrombektomie-Gruppe 46 Prozent (n=51/110) erreicht – gegenüber 24 Prozent (n=26/107) in der Kontrollgruppe (adjustierte RR 1,81; p<0,001). Symptomatische intrakranielle Blutungen traten bei 6/102 (6 %) in der Thrombektomie-Gruppe und bei 1/88 (1 %) in der Kontrollgruppe auf (RR 5,18). Die 90-Tages-Mortalität betrug in der Thrombektomie-Gruppe 31 % und 42 % in der Kontrollgruppe (adjustierte RR 0,75). Komplikationen durch die Behandlung traten bei 11% in der Thrombektomie-Gruppe auf. In der ATTENTION-Studie2 erreichten nach 90 Tagen in der Thrombektomie-Gruppe ebenfalls 46 Prozent (n=104/226) einen guten funktionellen Status (mRS-Score ≤3) – gegenüber 23 Prozent (26/114) in der Kontrollgruppe (adjustierte RR 2,06; p<0,001). Symptomatische intrakranielle Blutungen traten in der Thrombektomie-Gruppe bei 12/226 Teilnehmenden (5 %) auf, gegenüber 0 Prozent in der Kontrollgruppe. Die 90-Tages-Mortalität betrug 37 Prozent in der Thrombektomie-Gruppe und 55 Prozent in der Kontrollgruppe (adjustierte RR 0,66); mit dem Eingriff assoziierte Komplikationen traten bei 14 Prozent in der Thrombektomie-Gruppe auf (einschließlich eines Todesfalls aufgrund einer arteriellen Perforation). „Gleich zwei relativ große, randomisierte prospektive Studien zeigten bei akutem Basilarisverschluss einen signifikanten therapeutischen Nutzen der zusätzlichen mechanischen Thrombektomie zur Standardtherapie – es erreichten praktisch doppelt so viele Betroffene ein gutes funktionelles Outcome“, kommentiert Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen. „Die Sterblichkeit über 90 Tage war allerdings mit circa einem Drittel weiterhin hoch, auch wenn sie deutlich niedriger war als bei alleiniger Standardtherapie.“ „Zu der signifikanten Absenkung der Sterblichkeit um bis 34 Prozent kam es trotz insgesamt häufigerer Komplikationen wie dem höheren Risiko für intrazerebrale Blutungen“, so Diener. „In den beiden Studien betrugen die Zeitfenster für den Therapiebeginn allerdings deutlich mehr als die sonst geforderten 4,5 Stunden. Um die Behandlungsergebnisse weiter zu verbessern, wird es wichtig sein, dass die Betroffenen auch bei dieser besonderen Schlaganfall-Art so schnell wie möglich die Klinik erreichen.“ Der Experte weist aber auch auf die besondere Patientenpopulation der Studien hin, die eine Übertragbarkeit der Ergebnisse erschweren: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren mehrheitlich aus Asien mit einem höheren Anteil an vorbestehenden Stenosen der A. basilaris als bei Kaukasiern. „Wünschenswert wäre, wenn Studien die Ergebnisse an einer europäischen Population bestätigten.“
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