Schlaganfall-Gesellschaft stärkt die Zusammenarbeit von Pflegekräften, Therapeuten und Ärzten8. Februar 2022 Foto: ©Have a nice day – stock.adobe.com Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen, Sehverlust – die Folgen eines Schlaganfalls können gravierend sein. Um diese für Betroffene möglichst gering zu halten, solle nach Ansicht der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) die Zusammenarbeit interdisziplinäre Teams in den Stroke Units gefördert werden. Nach einem Schlaganfall ist die Pflege der Betroffenen von enormer Wichtigkeit. „Dabei stehen die persönlichen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten im Vordergrund“, betont Prof. Darius Nabavi, der neue 1. Vorsitzender der DSG. Dafür sind eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit und Abstimmung von ärztlichem, pflegerischem und therapeutischem Personal essenziell. Der Arbeitsansatz von Therapie und Pflege sollte dabei einheitlich sein. Wichtiges Bindeglied: Stroke Nurses „Besonders hilfreich sind Rehabilitationsmaßnahmen, die den Betroffenen helfen, Muskelspannung und Bewegungsfunktionen wieder richtig kontrollieren zu können.“ Bei der Umsetzung dieser Maßnahmen unterstützen Pflegekräfte, die speziell für die Betreuung von Schlaganfallpatientinnen und -patienten qualifiziert sind. Die DSG bietet mit dem Qualifikationskurs zur „Stroke Nurse“ bereits seit 2007 ein spezialisiertes Fortbildungsprogramm, das das Expertenwissen für die Pflege von Schlaganfallbetroffenen auf Stroke Units vermittelt, an. „Stroke Nurses lernen dabei speziell auf der kommunikativen Ebene viel, so ist es eine zentrale Aufgabe, die Kommunikation rund um die Patientenversorgung sicherzustellen“, betont Prof. Waltraud Pfeilschifter, Leiterin der DSG-Kommission „Fortbildung für Pflegekräfte auf Stroke Units“. Die stellvertretende Kommissionsleiterin Ute Mehren, Fachkrankenschwester für Intensivpflege und langjährige Leiterin eines der Qualifikationskurse, ergänzt: „Dabei besteht der Spagat vor allem darin, zum einen den Bedürfnissen der Schlaganfall-Patientinnen und -Patienten gerecht zu werden und zum anderen engmaschige Überwachung und schnell getaktete Untersuchungen und therapeutische Maßnahmen mit zu koordinieren. So lernen die Stroke Nurses also auch, dass nur im Team ein optimales Behandlungsergebnis erzielt werden kann.“ Dabei sei es von zentraler Bedeutung bei der Gewährleistung einer qualitativ hochwertigen Pflege sowohl die Interessen/Belange der Schlaganfall-Erkrankten als auch die des medizinischen Personals in einen guten Einklang zu bringen. Daneben wird medizinisches Wissen rund um die Schlaganfall-Akuttherapie, -Ursachensuche, Einleitung einer wirksamen Sekundärprävention und Behandlung der wichtigsten Komplikationen vermittelt und es werden Pflegekonzepte und -techniken gelehrt, die helfen, die Betroffenen in der Akutphase des Schlaganfalls in der Bewältigung ihrer Schwierigkeiten mit Wahrnehmung, Kommunikation und Bewegung professionell zu unterstützen. Auch ohne Spezialist gut versorgt Die Wichtigkeit der Teamarbeit und die Sicherstellung eines hohen pflegerischen und therapeutischen Niveaus auf den Stroke Units betont auch Prof. Christoph Gumbinger, Leiter der DSG-Kommission Telemedizinische Schlaganfallversorgung. „In der Telemedizinischen Schlaganfallversorgung erfolgt die Notfallbehandlung telemedizinisch per Videoverbindung aus einem großen Schlaganfallzentrum/einer Stroke Unit heraus“, so der DSG-Experte. „Es gelingt nicht immer, dass eine spezialisierte Neurologin/ein spezialisierter Neurologe als erstes vor Ort ist, deshalb kann es lebensrettend sein, wenn diese über Video zugeschaltet werden und den behandelnden Arzt/die behandelnde Ärztin bei der Diagnose und bei den Entscheidungen über die nötigen therapeutischen Schritte beraten können.“ Dabei sei auch ein interdisziplinärer Wissenstransfer und ein Kompetenzaufbau des pflegerischen und des therapeutischen Personals von zentraler Bedeutung. Um das zukünftig noch besser realisieren zu können, hat sich innerhalb der DSG-Kommission die neue „Arbeitsgruppe Pflege/Therapie“ gegründet. „Auch außerhalb dieser Arbeitsgruppe arbeiten wir in der Telemedizin alle interdisziplinär zusammen – Schlaganfallbehandlung ist Teamarbeit, das trifft auch ganz auf die telemedizinische Versorgung zu – nur so können wir das Optimum für Schlaganfallpatienten erreichen“, betont Gumbinger. Zusammenarbeit innerhalb der Fachgesellschaft stärken Zukünftig sollen solche interdisziplinären Ansätze innerhalb der DSG noch weiter ausgebaut werden: Eines der großen Anliegen für die Amtszeit von Nabavi ist die Stärkung der Zusammenarbeit von Pflegekräften, Therapierenden und Ärztinnen sowie Ärzten innerhalb der Fachgesellschaft. „Die DSG nimmt seit ihrer Gründung Pflegefachkräfte, die – so die Satzung – ‚Erfahrung in der Schlaganfallmedizin haben und die bereit sind, die Ziele des Vereins zu unterstützen‘ auf“, betont Nabavi. Die DSG ermuntere insbesondere ihre Pflegekräfte und Therapierenden, für eine Mitgliedschaft in der Fachgesellschaft – einerseits damit die Interessen der Pflegefachkräfte auf den Stroke Units in den eigenen Reihen gehört werden, aber auch damit sie Zugang zu den fachlichen und gesundheitspolitischen Diskussionen der Fachgesellschaft haben. „In unserem Alltag auf der Stroke Unit sind wir es gewöhnt, in einem Team zusammenzuarbeiten, genauso selbstverständlich sollte auch die Zusammenarbeit in der Fachgesellschaft sein“, so Nabavi abschließend.
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