Schlechte Prognose bei früher, vom Schubgeschehen unabhängiger Progression24. Februar 2023 BARCELONA (Biermann) – Patienten mit Multipler Sklerose (MS), die nach einem ersten demyelinisierenden Ereignis eine von der Schubaktivität unabhängige Progression (PIRA) zeigen, entwickeln deutlich früher eine schwere Behinderung als Patienten ohne PIRA. Das zeigt eine spanische Studie, die in „JAMA Neurology“ erschienen ist. Um die klinischen und bildgebenden Prädiktoren für eine von der Schubaktivität unabhängige Progression (progression independent of relapse activity, PIRA) zum Zeitpunkt des ersten demyelinisierenden Schubes zu untersuchen und Faktoren zu identifizieren, die mit dem langfristigen klinischen Outcome von Patienten mit PIRA in Verbindung stehen, schlossen Carmen Tur und Kollegen von der Universität Barcelona 1128 MS-Patienten (mittleres Alter 32,1±8,3 Jahre; 69,5 % weiblich) mit einem ersten demyelinisierenden Ereignis in die Kohortenstudie ein. Von allen Studienteilnehmern wurden klinische und bildgebende Merkmale beim ersten demyelinisierenden Ereignis erhoben. Als Vorliegen einer PIRA definierten die Studienautoren eine bestätigte Behinderungsakkumulation in einem schubfreien Zeitraum zu einem beliebigen Zeitpunkt nach Symptombeginn innerhalb (vs. nach) der ersten 5 Jahre der Erkrankung (d. h. frühe/späte PIRA). Zudem unterschieden sie zwischen Vorhandensein (vs. Fehlen) neuer T2-Läsionen in den zurückliegenden 2 Jahren (d. h. aktive/nichtaktive PIRA). Zielparameter der Studie waren die jährliche Zunahme des Expanded Disability Status Scale(EDSS)-Scores seit dem ersten Ereignis und bereinigte Hazard Ratios (HRs) für Prädiktoren für die Zeit bis zur PIRA und der Zeit bis zum Erreichen eines EDSS-Wertes von 6,0. Insgesamt entwickelten von den 1128 Patienten 277 (25 %) ein oder mehrere PIRA-Ereignisse bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 7,2 Jahren (Interquartilsabstand 4,6–12,4) für die erste PIRA. Von allen Patienten mit PIRA entwickelten 86 von 277 (31 %) eine frühe PIRA, 73 von 144 Patienten (51 %) entwickelten eine aktive PIRA. Patienten mit PIRA waren etwas älter, hatten mehr Hirnläsionen und wiesen häufiger oligoklonale Banden auf als Patienten ohne PIRA. Als einziger Prädiktor für PIRA erwies sich ein höheres Alter beim ersten demyelinisierenden Ereignis (HR 1,43; 95%-Konfidenzintervall [KI] 1,23–1,65; p<0,001 für jede ältere Dekade). Patienten mit PIRA hatten steilere EDSS-Jahresanstiegsraten (0,18; 95 %-KI 0,16–0,20 vs. 0,04; 95 %-KI, 0,02–0,05; p<0,001) und ein 8-fach höheres Risiko, einen EDSS-Wert von 6,0 zu erreichen (HR 7,93; 95 %-KI 2,25–27,96; p=0,001) als Patienten ohne PIRA. Patienten mit früher PIRA zeigte steilere jährliche EDSS-Anstiegsraten als Patienten mit später PIRA (0,31; 95 %-KI 0,26–0,35 vs. 0,13; 95 %-KI 0,10–0,16; p<0,001) und ein 26-fach höheres Risiko, ab dem ersten demyelinisierenden Ereignis einen EDSS- Wert von 6,0 zu erreichen (HR 26,21; 95 %-KI 2,26–303,95; p=0,009). Den Autoren zufolge deuten die Ergebnisse der Studie darauf hin, dass das Auftreten von PIRA nach einem ersten demyelinisierenden Ereignis nicht ungewöhnlich ist und ein Vorbote für eine ungünstige Langzeitprognose zu sein scheint, insbesondere wenn es früh im Krankheitsverlauf auftritt. Entsprechend sei PIRA für die irreversible Zunahme der Behinderung bei schubförmiger Multipler Sklerose (MS) verantwortlich zu machen. (ej) Autoren: Tur C et al. Korrespondenz: [email protected] Studie: Association of Early Progression Independent of Relapse Activity With Long-term Disability After a First Demyelinating Event in Multiple Sclerosis Quelle: JAMA Neurol. 2023;80(2):151-160. Web: doi.org/10.1001/jamaneurol.2022.4655
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