Schnellere Identifikation von Krankheitserregern dank neuem Verfahren19. Mai 2020 Foto: © angellodeco – Adobe Stock In Deutschlands Krankenhäusern zählen Infektionen zu den größten Herausforderungen. Einen Großteil hiervon machen die so genannten Sepsen aus. Laut einer Studie des Universitätsklinikums Jena erkranken bundesweit mehr als 320.000 Menschen – ein Viertel der Betroffenen stirbt an den Folgen. Basierend auf dieser Analyse ist davon auszugehen, dass jährlich nahezu 16.000 Menschen in Rheinland-Pfalz an einer Sepsis erkranken. Umso schneller und effektiver der verantwortliche Keim bekämpft werden kann, umso rascher erholt sich der Patient. Das bedeutet auch, dass lebensrettende Intensivbetten schneller wieder frei werden – angesichts der aktuellen Corona-Pandemie von maßgeblicher Bedeutung. „Dank eines neuen Vertrags der Universitätsmedizin Mainz mit dem Software-Unternehmen Noscendo und der Techniker Krankenkasse (TK) kann nun ein neues softwarebasiertes Verfahren, welches aus einem speziellen Test und einer Erreger-Plattform besteht, zur Identifikation von Erregern eingesetzt werden. Auf diese Weise kann unseren Versicherten schneller und effektiver geholfen werden“, freut sich Jörn Simon, Leiter der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) in Rheinland-Pfalz. Bislang haben die angewandten Methoden aufgrund von geringer Sensitivität und geringer Spezifität dem Arzt oft keine andere Möglichkeit gelassen, als auf Basis von Leitlinien, empirischer Therapie und seiner eigenen Erfahrung den Patienten zu behandeln. Und dass, obwohl die richtige Antibiose für den richtigen Keim schlicht und ergreifend lebensrettend ist. „Die Noscendo GmbH verknüpfte Know-how aus Biotechnologie und Software und hat einen inzwischen CE-zertifizierten Algorithmus entwickelt, der auf Basis von nur einer Blutprobe, in weniger als 24 Stunden, auf ca. 1.000 Erreger testen und somit eine zielgerichtete, evidenzbasierte, schnelle Behandlung ermöglicht”, erläutert Dr. Philip Stevens, Geschäftsführer der Noscendo GmbH. Durch die Verwendung einer neuen Molekülklasse zur Pathogen-Identifikation sei es möglich, in einem ersten Schritt Infektionen im Blut aber auch in anderen Körperflüssigkeiten höchst spezifisch und höchst sensitiv nachzuweisen, führt Stevens weiter aus. Dank des neuen Angebots, welches ein ergänzender Baustein der Präzisionsmedizin zur Infektionsdiagnostik darstellt, ist es nun auch möglich, ansteckende Keime von jenen, die den Patienten nur besiedeln, zu unterscheiden. „Dieses Verfahren unterstützt den behandelnden Arzt bei Diagnose und Behandlung optimal, da es zusätzlich zu der etablierten Diagnostik schnell evidenzbasierte Erkenntnisse liefert. Nicht nur bei der gezielten Therapie von Sepsen und Meningitiden, sondern beispielsweise auch beim Management immunsupprimierter Hochrisikopatienten, wird dieses Angebot von maßgeblicher Bedeutung sein“, ist Dr. Daniel Teschner, Funktionsoberarzt der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz, überzeugt.
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