Schutz vor tödlicher Pneumokokken-Erkrankung: Mit Resistenz assoziierte Untergruppe weißer Blutkörperchen entdeckt

Darstellung von S. pneumoniae. (Abbildung: © Maksym Yemelyanov/stock.adobe.com)

Darüber, wie eine besondere Untergruppe regulatorischer T-Zellen in der Lunge zu einer Resistenz gegenüber einer bakteriämischen Pneumonie führt, berichten Forschende von der University of Liverpool (Großbritannien) in einer neuen Studie.

Streptococcus pneumoniae stellt die Hauptursache für ambulant erworbene Pneumonien dar, wobei sich bei einem erheblichen Anteil der Fälle eine Infektion entwickelt, die den Blutstrom betrifft. Solche Fälle einer bakteriämischen Pneumonie sind mit einer hohen Fatalitätsrate assoziiert, die von 20 Prozent unter jungen Erwachsenen bis zu schätzungsweise 60 Prozent unter Senioren reicht – trotz eines breiten Einsatzes antibiotischer Therapien und der Verfügbarkeit wirksamer Vakzine. Warum bestimmte Patienten anfälliger für eine invasive Pneumokokken-Erkrankung sind und andere einer solchen Gegenüber mehr Widerstandskraft besitzen, stellt seit Jahrzehnten eine Frage dar, auf die die Wissenschaft bisher keine Antwort gefunden hat.

Forschende der Bacterial Pathogenesis and Immunity Group unter der Leitung von Prof. Aras Kadioglu an der University of Liverpool haben nun bei Mäusen eine Untergruppe weißer Blutkörperchen entdeckt, die mit einer solchen Resistenz gegenüber bakteriämischen Pneumonien einhergeht. Diese Zellen wurden als TNFR2 exprimierende Tregs identifiziert, und es hat sich gezeigt, dass sie von entscheidender Bedeutung für die Aufrechterhaltung und Regulierung der ersten Immunantwort des Wirtes sind, wenn es zu einer Pneumokokken-Infektion kommt. Ist diese Untergruppe von Tregs in ihrer Funktion beeinträchtigt oder fehlen sie ganz, kommt es zu einer Dysregulation der Immunantwort auf die Infektion und in der Folge zu einer unkontrollierten Entzündung. Diese wiederum führt zu Gewebeschäden, die es Bakterien erlauben, sich über zusammengebrochene Lungengewebebarrieren in den Blutstrom zu verbreiten und eine Sepsis zu verursachen.

Erstautorin Dr. Rong Xu, ebenfalls von der University of Liverpool, erklärt dazu: „Pneumokokken-Infektionen sind immer noch eine der Haupttodesursachen weltweit, trotz der erfolgreichen Einführung von Pneumokokken-Impfprogrammen. Die Mechanismen aufzuklären, die zur Entwicklung einer Resistenz gegenüber der Infektion in Hochrisikogruppen führen, eröffnet uns eine gute Gelegenheit, neue gezielte Therapien zu entwickeln. Studienleiter Kadioglu ergänzt: „Unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass TNFR2 exprimierende Treg-Zellen absolut essenziell für die Kontrolle von Infektionen in der Lunge sind und die Translokation von Pneumokokken aus der Lunge ins Blut verhindern, wodurch sie eine Resistenz gegenüber einer invasiven Erkrankung ermöglichen. Bei für die Infektion besonders anfälligen Wirtsorganismen allerdings entweder in ihrer Funktion beeinträchtigt oder fehlen, was den Wirt dann für eine Sepsis prädisponiert. Dies ist eine signifikante Erkenntnis, die eine Tür für potenzielle neue Therapien öffnet, die diese Untergruppe von Tregs gezielt adressieren und modulieren könnten, um schwere Fälle einer invasiven Pneumokokken-Erkrankung zu vermeiden beziehungsweise zu behandeln.“