Schutzimpfungen gegen Grippe und Pneumokokken könnten das Alzheimer-Risiko senken

Die saisonale Grippeimpfung scheint die Inzidenz von Alzheimer-Demenz reduzieren zu können. (Foto: ©thodonal – stock.adobe.com)

Schutzimpfungen gegen Grippe (Influenza) und Pneumokokken sind laut jüngsten Forschungsergebnissen mit einem reduzierten Alzheimer-Risiko verbunden. Dies wurde anlässlich der Alzheimer’s Association International Conference (AAIC) 2020 berichtet.

Bisherige Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass Impfungen unter Umständen vor kognitivem Abbau schützen können, jedoch gibt es bislang noch keine groß angelegten, umfassenden Studien, die sich speziell auf den Grippeimpfstoff und das Alzheimer-Risiko konzentrieren. Um diese Lücke zu schließen, untersuchte Albert Amran, ein Medizinstudent an der McGovern Medical School des Health Science Center in Houston, mit Kollegen einen umfangreichen Datensatz (n=9066), der auf Gesundheitsakten aus den Vereinigten Staaten basierte.

Amran und Kollegen stellten dabei fest, dass eine einzige Grippeimpfung mit einer geringeren Alzheimer-Prävalenz assoziiert war (Quotenverhältnis 0,83, p<0,0001); unter den geimpften Patienten, die den Grippeimpfstoff häufiger erhielten, war die Alzheimer-Prävalenz noch geringer (Quotenverhältnis 0,87, p=0,0342). Personen, die konsequent ihre jährliche Grippeimpfung erhielten, hatten demnach ein geringeres Alzheimer-Risiko. In konkreten Zahlen bedeutet dies, dass das Alzheimer-Risiko bei Personen im Alter von 75-84 Jahren, die eine regelmäßige Grippeimpfung erhielten, im Verlauf eines Beobachtungszeitraums von 16 Jahren um vergleichsweise sechs Prozent geringer war.

Die Forscher fanden heraus, dass die Korrelation zwischen Grippeimpfstoff und Alzheimer-Risiko bei jenen Personen am stärksten war, die beim Erhalt der ersten Grippeimpfung jünger waren, d. h. jene, die ihren ersten dokumentierten Grippeimpfstoff im Alter von 60 Jahren erhielten, profitierten dieser Studie nach mehr als diejenigen, die ihren ersten Grippeimpfstoff erst im Alter von 70 Jahren erhielten.

“Unsere Studie legt nahe, dass die regelmäßige Grippeimpfung, eine sehr zugängliche und relativ kostengünstige Intervention, das Risiko der Alzheimer-Demenz deutlich reduzieren kann”, sagte Amran.

“Es sind jedoch weiterführende Studien erforderlich, um den biologischen Mechanismus, der diesen Ergebnissen zugrunde liegt, zu prüfen. Es ist wichtig, all diese Zusammenhänge zu verstehen, wenn wir wirksame präventive Therapien für Alzheimer entwickeln möchten.”

Pneumokokken-Impfstoff kann das Alzheimer-Risiko später im Leben reduzieren

Der Einsatz bestehender Impfstoffe für neue Indikationen kann ein vielversprechender Ansatz im Bereich der Alzheimer-Prävention sein. Dr. Svetlana Ukraintseva, Associate Research Professor am Duke University Social Science Research Institute, untersuchte mit ihrem Team bei 5146 Teilnehmern im Alter von über 65 Jahren die Zusammenhänge zwischen der Pneumokokken-Impfung (mit und ohne begleitenden saisonalen Grippeschutz) und dem Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Dabei wurde auch ein bekannter genetischer Risikofaktor für Alzheimer berücksichtigt – das rs2075650-G-Allel im TOMM40-Gen.

Die Forscher stellten fest, dass bei Personen zwischen 65 und 75 Jahren, die eine Pneumokokken-Schutzimpfung erhalten hatten, das Alzheimer-Risiko um 25 bis 30 Prozent geringer war, nachdem die untersuchten Daten um Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Geburtenkohorte, Ausbildung, den Faktor Rauchen und die Anzahl der G-Allele korrigiert bzw. bereinigt wurden. Die größte Verringerung des Alzheimer-Risikos (bis zu 40 %) wurde bei jenen Personen beobachtet, die gegen Lungenentzündung geimpft waren und das oben genannte Risikogen nicht aufwiesen. Die Kombination aus beiden Impfungen – Schutz vor Lungenentzündung und Grippe –- in der Altersgruppe von 65 bis 75 Jahren korrelierte ebenfalls mit einem geringeren Alzheimer-Risiko; bei Personen, die nur die Grippeimpfung erhalten hatten, war dieser Zusammenhang nicht nachweisbar.

“Impfungen gegen Lungenentzündung vor dem 75. Lebensjahr können – je nach individuellem Genotyp – das Alzheimer-Risiko im späteren Leben verringern”, so Ukraintseva. “Unsere Daten deuten darauf hin, dass der Pneumokokken-Impfstoff ein vielversprechender Wirkstoffkandidat für die Alzheimer-Prävention sein könnte, insbesondere bei Personen, bei denen bestimmte genetische Risikofaktoren nicht vorhanden sind.”

Infektionen erhöhen bei Demenz-Patienten die Sterblichkeitsrate

Personen, die mit Demenz leben, erkranken im Allgemeinen häufiger, unter anderem an viralen, bakteriellen und anderen Infektionen. Es besteht ein wachsender Trend in der Forschung, zu untersuchen, ob Infektionen lebensbedrohlicher werden oder möglicherweise Demenz verursachen.

Janet Janbek, Doktorandin am Dänischen Demenzforschungszentrum Rigshospitalet und an der Universität von Kopenhagen in Dänemark, verwendete Daten aus dem nationalen Gesundheitsregister, um gemeinsam mit ihrem Team die Sterblichkeit dänischer Einwohner über 65 Jahre (n=1.496.436) zu untersuchen, die das Krankenhaus mit einer Infektion aufgesucht hatten. Sie stellten fest, dass Patienten mit Demenz, die aufgrund einer Infektion das Krankenhaus aufgesucht hatten, eine 6,5-fach höhere Sterblichkeitsrate aufwiesen. Bei Patienten mit entweder Demenz oder einer Infektion war die Sterblichkeitsrate um das Dreifache erhöht. Die Sterblichkeit war innerhalb der ersten 30 Tage nach dem Krankenhausbesuch am höchsten.

Die Forscher kamen außerdem zu dem Schluss, dass bei Demenz-Patienten die Sterblichkeitsrate nach dem ersten infektionsbedingten Krankenhausaufenthalt noch für zehn weitere Jahre erhöht war und dass die Sterblichkeitsrate generell nach allen Infektionen (von schweren Infektionen wie Sepsis bis hin zu weniger kritischen Ohrenentzündungen) höher war als bei Personen, die nicht an Demenz erkrankt waren bzw. keinen Krankenhausbesuch aufgrund einer Infektion in Anspruch genommen hatten.