Schwanger und COVID-19: Gefahr für Mutter und Kind21. Februar 2022 Foto: ©AUUSanAKUL – stock.adobe.com Erste Daten aus dem CRONOS-Register im „Journal of Clinical Medicine“ zeigen: Eine Schwangerschaft stellt einen Risikofaktor für schwere COVID-19-Verläufe dar. Unter invasiver Beatmung erhöht die Erkrankung das Risiko eines schlechten mütterlichen und neonatalen Ausgangs. Bislang galten Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, der Leber, Niere und Atemwege sowie Diabetes und Krebs aber auch Übergewicht und Rauchen als Risikofaktoren für einen schweren Verlauf einer COVID-19-Erkrankung. Inzwischen muss auch eine Schwangerschaft als Risikofaktor gezählt werden. Denn selbst junge, gesunde Frauen, die ein Kind erwarten und sich mit SARS-CoV-2 infizieren, können einen derart schweren Verlauf haben, dass sie intensivmedizinisch behandelt werden müssen, sofern sie nicht geimpft sind. Eine erste Auswertung des CRONOS-Registers mit Daten bis zum 24. August 2021 wurde kürzlich im „Journal of Clinical Medicine“ publiziert. Bis zu diesem Zeitpunkt waren bereits 2650 Frauen registriert, davon 101 mit einem intensivmedizinischem Verlauf. Die Frauen, die intensivmedizinisch behandelt werden mussten, waren im Durchschnitt 33 Jahre alt und in der 33. Schwangerschaftswoche. Bei 30 von den 101 untersuchten Fällen war nur eine Behandlung mit Sauerstoff notwendig, 22 erhielten eine nicht-invasive Beatmung, 28 eine invasive Beatmung und 15 eine ECMO. Signifikante klinische Unterschiede zwischen den Patientinnen, die verschiedene Formen der Beatmungsunterstützung erhielten, wurden nicht festgestellt. Die Frühgeburtenrate bei den Frauen, die eine invasive Beatmungsbehandlung erhielten, war jedoch signifikant höher. Würzburger Task Force berät andere Kliniken Inzwischen sind im CRONOS-Register (Stand 11.2.2022) 4633 Frauen aus Deutschland registriert, die sich während ihrer Schwangerschaft mit dem SARS-CoV-2 infiziert haben. Insgesamt 202 der gemeldeten 4633 Schwangeren hatten oder haben einen schweren COVID-19-Verlauf. Um die Auswertung dieser Verläufe und entsprechenden Schlussfolgerungen kümmert sich eine Task Force, der auch Prof. Peter Kranke, Oberarzt und Bereichsleiter der geburtshilflichen und gynäkologischen Anästhesie am Uniklinikum Würzburg, angehört. „Wir sind vielen schweren Verläufen noch einmal nachgegangenen, haben die behandelnden Kliniken um weitere Informationen zur Behandlung gebeten, die über die Sammlung im Register hinausgingen“, schildert Kranke. „Wir bündeln, was bei welcher Patientin gut und bei welcher nicht so gut angeschlagen hat und versuchen daraus Empfehlungen für die bestmögliche Therapie abzuleiten. Basierend auf diesen Erkenntnissen und Auswertungen und im Schulterschluss mit Geburtshilfe und Kinderheilkunde beraten wir Kolleginnen und Kollegen aus anderen Krankenhäusern. Wie lange kann man nicht invasiv beatmen? Wann und in welchem Ausmaß ist eine Heparin-Therapie sinnvoll? Wann eine Kortison-Therapie? In welcher Dosierung, welche Präparate?“ „Schlussendlich erhöht eine COVID-19-Erkrankung, die eine invasive Unterstützung der Atmung erfordert, das Risiko eines schlechten mütterlichen und neonatalen Ausgangs“, resümieren Kranke und Prof. Patrick Meybohm, Direktor der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Uniklinikum Würzburg. „Vorerkrankungen, wie Diabetes, Bluthochdruck und Adipositas, erhöhen das Risiko für schwere Verläufe. Wir haben aber auch gesehen, dass Schwangere ohne Vorerkrankungen schwer erkranken können, die Schwangerschaft an sich ist eine Risikokonstellation für schwere Verläufe. „Daher haben wir den Schwangeren im Rahmen der Infoabende für werdende Eltern frühzeitig empfohlen sich gemäß den Empfehlungen impfen zu lassen. Die Impfung schützt – wie bei allen anderen Patienten auch – vor einem schweren Verlauf!“ Die Studie wird von der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin gefördert. Sie soll durch die gewonnenen Daten interdisziplinären Behandlungsteams aus Pflege, Hebammen, Ärzteschaft und psychosozialem Dienst eine Grundlage zur Behandlung und Beratung betroffener Patientinnen geben.
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