Schwangerschaft als „Frühwarnsystem“ für die Herzgesundheit23. Februar 2026 In der Schwangerschaft erhobene Blutbiomarker können Aufschluss über das spätere Risiko für schwerwiegende Herz-Kreislauf-Ereignisse geben. (Symbolfoto: ©BillionPhotos.com/stock.adobe.com) Frauen, die im letzten Drittel ihrer Schwangerschaft erhöhte sFlt-1-Werte aufweisen, haben laut neuen Erkenntnissen ein erhöhtes Risiko für spätere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine Schwangerschaft kann frühe Hinweise auf die spätere Herz-Kreislauf-Gesundheit liefern. Das zeigen Forschende des Universitätsklinikums Freiburg gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Dänemark in einer aktuellen Studie. Risikostratifizierung über Blutbiomarker aus der Schwangerschaft Sie untersuchten das Blut von mehr als 2000 schwangeren Frauen und verknüpften die Ergebnisse mit Gesundheitsdaten aus rund zwölf Jahren Nachbeobachtung. Dabei zeigte sich: Schwangere mit erhöhten Werten des Blutmarkers sFlt-1 entwickelten später häufiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinsuffizienz – auch dann, wenn sie zuvor als herzgesund galten. Die Ergebnisse der Langzeitstudie wurden jüngst im Fachjournal „JAMA Cardiology“ veröffentlicht. Als Konsequenz dieser Ergebnisse wurde am Universitätsklinikum Freiburg eine spezielle Sprechstunde für betroffene Frauen eingerichtet. „Eine Schwangerschaft wirkt wie ein natürlicher Stresstest für das Herz. Mit unseren Erkenntnissen können wir die Gesundheit von Frauen langfristig verbessern. Denn Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weiterhin die Todesursache Nummer eins bei Frauen“, sagt Prof. Dirk Westermann, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Universitätsklinikum Freiburg. „Unsere Studie zeigt, dass sich bereits in der Schwangerschaft Hinweise finden lassen, die auf ein später erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko hindeuten – lange bevor Beschwerden auftreten“, sagt Erstautor und wissenschaftlicher Leiter der Studie Dr. Lucas Bacmeister, Kardiologe an der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Universitätsklinikum Freiburg. Risikoeinschätzung mittels Alter und Blutbiomarker Die Daten stammten aus einer großen Kohortenstudie in Süd-Dänemark mit 38.455 schwangeren Frauen. Bei 2056 Frauen wurden Blutmarker in der Schwangerschaft gemessen, und innerhalb von rund zwölf Jahren entwickelten 28 eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Zu diesem Zeitpunkt waren die Frauen im Schnitt gerade einmal etwa 40 Jahre alt. Es zeigte sich: Mehrere Faktoren waren mit einem höheren späteren Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Krankheiten verbunden. Neben dem Alter der Mutter gehörten dazu auch Schwangerschaftsbluthochdruck und erhöhte Werte von hscTnI und sFlt-1 im letzten Drittel der Schwangerschaft. Die Kombination aus Alter und diesem sFlt-1 ermöglichte eine genauere Risikoeinschätzung als klassische Faktoren wie Blutdruck oder Cholesterin allein. Neue Nachsorge-Sprechstunde für Frauen mit Schwangerschaftshochdruck Von Schwangerschaftsbluthochdruck sind sechs bis zehn Prozent aller Schwangeren betroffen. Um betroffene Frauen auch nach der Geburt umfassend zu betreuen und spätere Risiken zu minimieren, wurde am Universitätsklinikum Freiburg eine spezialisierte Nachsorge-Sprechstunde eingerichtet. Diese steht auch Frauen mit Schwangerschaftshochdruck offen, die nicht am Universitätsklinikum Freiburg entbunden haben. „Wir schaffen mit der Sprechstunde eine klare Anlaufstelle für Frauen nach Schwangerschaftshochdruck“, sagt Bacmeister, der die Sprechstunde koordiniert. „Mit standardisierten Terminen wenige Wochen nach der Geburt und erneut nach einem Jahr können wir früh erkennen, wer eine engere Betreuung benötigt, und gezielt gegensteuern.“ Die Sprechstunde entsteht in enger Zusammenarbeit mit der Frauenheilkunde. „Die strukturierte Nachsorge ist ein wichtiger Schritt, um die langfristige Gesundheit der Patientinnen im Blick zu behalten“, ergänzt Prof. Ingolf Juhasz-Böss, Leiter der Klinik für Frauenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg. Ein begleitendes wissenschaftliches Register soll helfen, das Angebot kontinuierlich weiterzuentwickeln. Eine Anmeldung zur Sprechstunde erfolgt über Dr. Lucas Bacmeister: [email protected]
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