Schwangerschaft und Stillen erhöhen die postmenopausale kognitive Leistung

Eine längere Schwangerschafts- und Stillzeit verbessern die kognitiven, verbalen und visuellen Gedächtnisleistungen nach der Menopause. (Bild: © Pixel Studio/stock.adobe.com)

Eine neue Studie der University of California – Los Angeles ergab, dass eine längere Schwangerschafts- und Stillzeit mit besseren kognitiven, verbalen und visuellen Gedächtnisleistungen nach der Menopause einhergeht.

Eine neue Studie unter der Leitung von Molly Fox, Professorin für Anthropologie an der UCLA, hat ergeben, dass Schwangerschaft und Stillen mit einer besseren kognitiven Leistungsfähigkeit im späteren Leben postmenopausaler Frauen einhergehen. Die kürzlich in der Fachzeitschrift „Alzheimer’s & Dementia“ veröffentlichte Studie zeigte, dass eine längere Schwangerschafts- und Stillzeit mit einer besseren kognitiven Leistungsfähigkeit sowie einem stärkeren verbalen und visuellen Gedächtnis im späteren Leben korreliert.

Die Forschenden nutzten Daten der „Women’s Health Initiative Memory Study“ und der „Women’s Health Initiative Study of Cognitive Aging“, in denen jährlich über 7000 Frauen im Alter von etwa 70 Jahren über einen Zeitraum von bis zu 13 Jahren untersucht wurden.

Frauen sind überproportional häufig von Alzheimer betroffen – ein Umstand, der sich bisher nicht allein durch die höhere Lebenserwartung erklären lässt. Fox’ Studie zielte darauf ab, diese Frage zu beantworten, indem sie den Zusammenhang zwischen reproduktiver Vorgeschichte und kognitiver Funktion in einer großen Gruppe über einen langen Zeitraum untersuchte – etwas, das in früheren Studien bisher noch nicht getan wurde. „Jede Möglichkeit, öffentliche Gesundheitsmaßnahmen oder klinische Interventionen auf Risikogruppen auszurichten, führt zu effektiveren und effizienteren Bemühungen“, erklärt Fox.

Mehr Schwangerschaften und längeres Stillen verstärken den Effekt

Zu Beginn ihrer Forschung stellte das Team die Hypothese auf, dass längeres Stillen, mehr Schwangerschaften und ein höheres Verhältnis von beidem mit einer besseren kognitiven Funktion bei postmenopausalen Frauen einhergehen würden. Die Ergebnisse bestätigten die Theorie: Die Forschenden fanden heraus, dass Frauen, die durchschnittlich 30,5 Monate schwanger waren, im Vergleich zu Frauen, die nie schwanger waren, erwartungsgemäß einen um 0,31 Prozent höheren globalen Kognitionswert aufwiesen. Eine Frau, die durchschnittlich 11,6 Monate in ihrem Leben stillte, hätte erwartungsgemäß einen um 0,12 Prozent höheren globalen Kognitionswert erzielt, wenn alle anderen Faktoren gleich blieben.

Die Ergebnisse zeigten, dass jeder zusätzliche Schwangerschaftsmonat mit einem um 0,01 Punkte höheren Gesamtwert der kognitiven Leistungsfähigkeit einherging. Jeder zusätzliche Monat Stillen zeigte denselben Anstieg sowie einen um 0,02 Punkte höheren Wert für das verbale und visuelle Gedächtnis. Obwohl diese Effektstärken gering sind, sind sie vergleichbar mit denen anderer bekannter Schutzfaktoren wie Nichtrauchen und hoher körperlicher Aktivität. Angesichts der hohen Prävalenz einer Krankheit wie Alzheimer, die sich bisher nur schwer in Prävention und Behandlung bewähren konnte, sind den Autoren zufolge selbst kleine Veränderungen des individuellen Risikos vielversprechende Entdeckungen.

Diese Studie erweitert das Verständnis darüber, wie Schwangerschaft und Stillen die Gehirngesundheit von Frauen im Laufe der Zeit beeinflussen. Kurzfristig erleben viele Frauen nach der Geburt einen Rückgang des Gedächtnisses und der kognitiven Funktionen – oft als „Mommy Brain“ bezeichnet –, der sich in den ersten Monaten nach der Entbindung am deutlichsten bemerkbar macht. Langfristig kann eine Schwangerschaft jedoch mit einer verbesserten kognitiven Gesundheit einhergehen, was auf eine Veränderung gegenüber dem anfänglichen und vorübergehenden Rückgang nach der Geburt hindeutet.

Die Ergebnisse zeigten, dass Frauen, die schwanger gewesen waren, im Vergleich zu Frauen, die nie schwanger gewesen waren, um 0,60 Punkte höhere Werte in kognitiven Fähigkeiten erzielten. Ebenso erreichten stillende Frauen im Vergleich zu Frauen, die nie gestillt hatten, um 0,19 Punkte höhere Werte in kognitiven Fähigkeiten und um 0,27 Punkte höhere Werte im verbalen Gedächtnis.

Ursachen noch unklar

Obwohl diese Ergebnisse einen Zusammenhang zwischen Schwangerschaft und Stillen mit langfristiger kognitiver Resilienz nahelegen, bleiben Fragen zu den biologischen und soziokulturellen Prozessen, die diesem Zusammenhang zugrunde liegen, offen. Die Forschenden schrieben in der Studie, dass „mehr erwachsene Kinder ein Faktor für die verbesserte kognitive Gesundheit sein könnten, da unterstützende Beziehungen möglicherweise Stress abfedern, das Wohlbefinden fördern oder gesundheitsförderndes Verhalten begünstigen können.“

Das Forschungsteam arbeitet nun daran, die Mechanismen zu identifizieren, die die reproduktive Vorgeschichte mit kognitiver Resilienz verknüpfen. Sie glauben, dass solche Informationen neue therapeutische Möglichkeiten eröffnen könnten, die „die bei Frauen mit einer bestimmten reproduktiven Vorgeschichte beobachteten Schutzeffekte replizieren oder verstärken“, schrieben sie.

„Wenn wir im nächsten Schritt herausfinden können, warum diese reproduktiven Muster zu besseren kognitiven Leistungen im Alter führen, können wir Therapien entwickeln – beispielsweise neue Medikamente, umgewidmete Medikamente oder soziale Programme –, die den von uns beobachteten natürlichen Effekt nachahmen“, beschreibt Fox.

(lj/BIERMANN)

Außerdem interessant zu dem Thema:

Menopause verringert das Hirnvolumen und verschlechtert die psychische Gesundheit