Schwangerschaft: Studien weisen auf Zusammenhang zwischen Präeklampsie und COVID-1913. November 2024 Foto: © sosiukin/stock.adobe.com Forscher der State University of Campinas, Brasilien, und des Baylor College of Medicine, USA, haben bei Schwangeren den Zusammenhang zwischen Präeklampsie und COVID-19 untersucht. Dabei haben sie Biomarker identifiziert. Während der COVID-19-Pandemie, vor allem bevor Impfstoffe zur Verfügung standen, wurde vor einem möglichen Zusammenhang zwischen schweren Fällen von COVID-19 bei Schwangeren und Präeklampsie gewarnt. Präeklampsie trat bei schwangeren Frauen, die mit SARS-CoV-2 infiziert waren, häufiger auf und war mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen und Tod verbunden, schreiben die Wissenschaftler eingangs. Die Differenzialdiagnose war zu dieser Zeit eine große klinische Herausforderung. Während die Schwangerschafts-Präeklampsie, die im dritten Trimester am häufigsten auftritt, das Risiko eines Nieren- und Leberversagens erhöht und zu Funktionsstörungen der Plazenta und Bluthochdruck führt, ist dies bei der schweren COVID-19-Erkrankung aufgrund der durch das Virus ausgelösten Entzündung der Fall, heißt es weiter. Drei Jahre nach der tödlichsten Phase der Pandemie hat nun eine in der Fachzeitschrift „American Journal of Reproductive Immunology“ veröffentlicht Studie (1) die pathophysiologischen Ähnlichkeiten zwischen Präeklampsie und COVID-19. Verlauf der Studie Die Studie wurde von Forschern der Staatlichen Universität von Campinas (UNICAMP) im brasilianischen Bundesstaat São Paulo und des Baylor College of Medicine in Houston, Texas (USA), durchgeführt. Zu den in dem Artikel hervorgehobenen Ähnlichkeiten gehören gemeinsame Wege, an denen das Renin-Angiotensin-System und das Angiotensin-konvertierende Enzym 2 (ACE2) beteiligt sind. In einer weiteren Studie derselben Gruppe wurden Biomarker identifiziert, die bei schwangeren Frauen Präeklampsie von schwerer COVID-19 unterscheiden. „Die beiden Erkrankungen haben in der Tat viele Ähnlichkeiten. Sowohl bei schwerer COVID-19 als auch bei Präeklampsie kann es zu Funktionsstörungen mehrerer Organe und hohem Blutdruck kommen. Auch beim Mechanismus gibt es Ähnlichkeiten, da ACE2 eine Schlüsselrolle bei der Regulierung des Blutdrucks spielt. Es ist daher möglich, dass COVID-19 das Risiko einer Präeklampsie erhöht, wie mehrere Studien nahelegen, die auf eine höhere Häufigkeit von Präeklampsie bei COVID-19-Patientinnen hinweisen“, erklärt Prof. Maria Laura Costa do Nascimento, Letztautorin des Übersichtsartikels. Zur Lage in Brasilien betont Nascimento: „Unser Ziel für 2030 in Bezug auf die Müttersterblichkeit ist es, weniger als 30 Todesfälle pro 100.000 Lebendgeburten zu erreichen. Im Moment [basierend auf den Daten für 2023] liegen wir bei 70 Todesfällen pro 100.000 Lebendgeburten. Während der Pandemie, im Jahr 2021, lag der nationale Durchschnitt bei 120, mit höheren Zahlen in einigen Staaten und Regionen. COVID-19 hat den bereits bestehenden Trend noch verstärkt und die Auswirkungen dieser Erkrankung auf die Behandlungsergebnisse deutlich gemacht.“ Der Anstieg der Müttersterblichkeit während der Pandemie könne nicht auf den Anstieg der Präeklampsiefälle zurückgeführt werden. „Dies ist auf den Mangel an epidemiologischen Überwachungsergebnissen und einer angemessenen Diagnose der Erkrankung zurückzuführen“, so Nascimento. „Auf der Grundlage einer multizentrischen Studie, die wir während der Pandemie mit Daten aus 16 Entbindungskliniken in ganz Brasilien durchgeführt haben, können wir sagen, dass das Risiko eines Todes oder einer schweren Erkrankung zunimmt, wenn beide Erkrankungen vorhanden sind. Außerdem zeigt unsere Literaturauswertung, dass die Prävalenz der Präeklampsie bei COVID-19-Patientinnen ansteigt“, fügt sie hinzu. Steuerung von Vasokonstriktion und Vasodilatation In einer anderen Studie (2) identifizierte die Gruppe von Nascimento Biomarker, die bei schwangeren Frauen zwischen Präeklampsie und COVID-19 unterscheiden. „Es handelt sich um klassische Marker für Präeklampsie [die Proteine sFlt-1 und PlGF], die zur Steuerung von Vasokonstriktion und Vasodilatation beitragen. Diese Proteine werden während der gesamten Schwangerschaft von den Plazentazellen produziert. Bei Präeklampsie wird ein Ungleichgewicht beobachtet, wobei die proangiogenen Proteine [PIGF] abnehmen und die antiangiogenen Proteine [sFlt-1] zunehmen. Wir kamen zu dem Schluss, dass diese Biomarker spezifisch für Präeklampsie sind. Sie sind bei COVID nicht verändert, was eine Differenzialdiagnose ermöglichen könnte“, erklärt Nascimento.
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