Schwangerschaftshormone verdrahten das Gehirn neu16. Oktober 2023 Der Grundstein für das Brutpflegeverhalten von Nagetieren wird bereits in der Tragezeit gelegt. (Foto: © Eric Isselée – stock.adobe.com) Schwangerschaftshormone bereiten das Gehirn von Mäusen auf die Mutterschaft vor. Das zeigen Untersuchungen am Francis Crick Institute in London, Großbritannien, die in „Science“ publiziert wurden. Beim Menschen dürfte es ähnlich sein. Jungfräuliche weibliche Nagetiere zeigen nicht viel Interaktion mit Jungtieren, während Mütter die meiste Zeit damit verbringen, sich um ihre Jungen zu kümmern. Bislang ging die Forschung davon aus, dass die bei der Geburt freigesetzten Hormone für das Einsetzen des mütterlichen Verhaltens ausschlaggebend sind. Frühere Forschungsarbeiten zeigten jedoch auch, dass Ratten, die per Kaiserschnitt entbunden wurden, und jungfräuliche Mäuse, die Schwangerschaftshormonen ausgesetzt waren, ebenfalls Brutpflegeverhalten zeigen, was darauf hindeutet, dass Hormonveränderungen bereits während der Schwangerschaft wichtiger sein könnten. In der aktuellen Studie fanden die Forscher nun heraus, dass weibliche Mäuse in der Tat ein verstärktes elterliches Verhalten während der späten Schwangerschaft zeigten, und dass die Exposition gegenüber Jungtieren für diese Verhaltensänderung nicht notwendig war. Wie die Forschenden weiter berichten, werden vor allem Galanin-exprimierende Neuronen im medialen präoptischen Bereich (MPOA) im Hypothalamus, der mit der Elternschaft in Verbindung gebracht wird, durch Östrogen und Progesteron beeinflusst. So zeigten Aufzeichnungen von Gehirnaufströmen, dass Östrogen die Grundaktivität dieser Neuronen reduzierte und sie erregbarer machte, während Progesteron die Synapsenbildung anregte. Wurden die Neuronen hingegen so verändert, dass sie unempfindlich für die Hormone wurden, verhinderte dies elterliches Verhalten während der Schwangerschaft vollständig. Die Mäuse zeigten auch nach der Geburt kein Brutpflegeverhalten, was den Forschenden darauf hindeutet, dass es eine kritische Phase während der Schwangerschaft gibt, in der diese Hormone wirken. Während einige dieser Veränderungen mindestens einen Monat nach der Geburt anhielten, scheinen andere dauerhaft zu sein, was darauf hindeutet, dass eine Schwangerschaft zu langfristigen Veränderungen des weiblichen Gehirns führen kann. Jonny Kohl, Gruppenleiter des State-Dependent Neural Processing Laboratory am Crick, sagte: „Wir wissen, dass sich der weibliche Körper während der Schwangerschaft verändert, um sich auf die Aufzucht des Nachwuchses vorzubereiten. Ein Beispiel ist die Milchproduktion, die lange vor der Geburt einsetzt. Unsere Forschung zeigt, dass solche Vorbereitungen auch im Gehirn stattfinden.” Die Forschenden gehen davon aus, dass diese Veränderungen eine Änderung der Prioritäten bewirken – jungfräuliche Mäuse konzentrieren sich auf die Paarung und müssen daher nicht auf die Jungen anderer Weibchen reagieren, während die Mütter ein robustes elterliches Verhalten zeigen müssen, um das Überleben der Jungen zu sichern. „Faszinierend ist, dass diese Umstellung nicht bei der Geburt stattfindet – das Gehirn bereitet sich schon viel früher auf diese große Lebensveränderung vor“, erklärte Kohl. Die Forscher gehen davon aus, dass auch das Gehirn des Menschen während der Schwangerschaft in ähnlicher Weise umgebaut wird, da sich die gleichen hormonellen Veränderungen auf dieselben Bereiche des Gehirns auswirken dürften. Dies könnte das elterliche Verhalten ebenso beeinflussen wie Umwelt- und soziale Reize.
Mehr erfahren zu: "Alzheimer-Medikament zeigt Wirkung gegen Sichelzellanämie" Weiterlesen nach Anmeldung Alzheimer-Medikament zeigt Wirkung gegen Sichelzellanämie Ein seit Langem zugelassenes, kostengünstiges Alzheimer-Medikament könnte künftig auch Patienten mit Sichelzellanämie helfen. Erste klinische Daten einer internationalen Forschungsgruppe unter der Leitung der Universität Zürich (UZH) zeigen, dass der Wirkstoff […]
Mehr erfahren zu: "Kasse: Krankheitsausfälle im Job auch 2025 auf hohem Niveau" Kasse: Krankheitsausfälle im Job auch 2025 auf hohem Niveau Erkältungen, psychische Probleme, Rückenschmerzen: Fehlzeiten von Beschäftigten wegen Krankheit halten sich hartnäckig, wie neue Daten zeigen. Politiker stellen Regelungen wie die telefonische Krankschreibung infrage. Auch neue Modelle werden diktutiert.
Mehr erfahren zu: "Merz kritisiert hohen Krankenstand – Liegt es an telefonischer Krankschreibung?" Merz kritisiert hohen Krankenstand – Liegt es an telefonischer Krankschreibung? Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat angesichts aktueller Zahlen zu viele Fehltage wegen Krankheit kritisiert. Seine Partei stellt insbesondere die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung, die während der Corona-Pandemie eingeführt wurde, infrage.