Schwankende depressive Symptome kündigen kognitive Beeinträchtigungen an

Schwankungen depressiver Symptome können Vorboten kognitiver Beeinträchtigungen sein. (Foto: © Tatiana – stock.adobe.com)

Ein Auf und Ab depressiver Symptome könnte einen frühen und klinisch nutzbaren Risiko­marker für leichte kognitive Beeinträchtigungen (MCI) darstellen. Dies berichten Forschende der Indiana University School of Medicine in Indianapolis im Fachjournal „Alzheimer’s & Dementia“.

Lauren A. Rutter und Lucas J Hamilton hatten die Daten von 11.951 älteren Erwachsenen ausgewertet, die über einen Zeitraum von bis zu 19 Jahren beobachtet worden waren. Depressive Symptome der Teilnehmenden wurden mithilfe der ­Geriatric Depression Scale erfasst und mittels regelbasierter Gruppierungen sowie latenter Klassenverläufe charakterisiert. Darüber hinaus nutzten die Forschenden einen strukturierten Lebenslauf-Modellierungsansatz, um konkurrierende zeitliche Risiko-Hypothesen wie die Nähe der Symptome zum Ereignis, die kumulative Belastung, ein einzelnes schweres Ereignis oder die reine Instabilität direkt miteinander zu vergleichen.

Nach Berücksichtigung von demografischen Faktoren und Apolipoprotein-E(APOE)-ε4-Status wies die Gruppe mit schwankenden Depressionssymptomen im Vergleich zu Patienten mit dauerhaft schwachen Symptomen ein signifikant erhöhtes Risiko für eine kognitive Beeinträchtigung auf (H 1,24; 95 %-KI 1,16–1,32; p < 0,001). Bei Teilnehmern, die zu Beginn der Studie kognitiv völlig gesund waren, waren moderate bzw. variable Depressionssymptome ebenfalls mit einem signifikant erhöhten Demenzrisiko asso­ziiert (HR 1,28; 95 %-KI 1,03–1,58; p = 0,021).

Psychische Verfassung regelmäßig prüfen

Im systema­tischen Vergleich der Lebenslauf-Modelle zeigte das Instabilitäts­modell den geringsten Vorhersagefehler. In der Bestätigungsanalyse war eine höhere Rate an Zustandswechseln unabhängig mit einem um 44 Prozent erhöhten Risiko für eine kognitive Konversion assoziiert (HR 1,44; 95 %-KI 1,21–1,70; p < 0,001). Diese Zusammenhänge blieben auch nach einer Bereinigung um den Ausgangswert der Depression, die Einnahme von Antidepressiva, das Geschlecht oder das Vor­liegen des APOE-ε4-Allels stabil.

Individuelle Schwankungen der depressiven Stimmung über die Jahre hinweg spiegeln laut den Autoren möglicherweise eine gestörte emo­tionale und physiologische Stress­regulation wider und könnten als sensitiver, biologisch plausibler Marker frühzeitig auf eine beginnende Neurodegeneration hinweisen. Eine regelmäßige Erfassung der psychischen Verfassung könnte daher dabei helfen, das Demenzrisiko zu bestimmen und individuelle Präventionsstrategien zu initiieren. (ej/BIERMANN)