Schwere COVID-19- und Grippeverläufe begünstigen Lungenkrebs noch Monate oder Jahre später17. März 2026 Abbildung/KI-generiert: © ALIS ST/stock.adobe.com Schwere Virusinfektionen der Lunge können diese anfälliger für eine Krebserkrankung machen und deren Entwicklung beschleunigen. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung hervor. Laut den Autoren der Untersuchung – Wissenschaftler vom Beirne B. Carter Center for Immunology Research und dem Comprehensive Cancer Center der University of Virginia (UVA) Health lassen sich diese negativen Auswirkungen jedoch verhindern. Dr. Jie Sun von der UVA School of Medicine und seine Kollegen fanden heraus, dass schwere Virusinfektionen Immunzellen in der Lunge so „umprogrammieren“, dass das Wachstum maligner Tumoren Monate oder sogar Jahre später begünstigt wird. Basierend auf diesen Erkenntnissen appellieren die Wissenschaftler an Ärzte, Patienten nach einer schweren Grippe, COVID-19-Erkrankung oder Pneumonie engmaschig zu überwachen. Ziel dabei ist es, Lungenkrebs frühzeitig zu erkennen, wenn er am besten behandelbar ist. „Nach einer schweren COVID-19- oder Grippeerkrankung kann die Lunge sich über längere Zeit in einem Entzündungszustand befinden, der es einer Krebserkrankung zu einem späteren Zeitpunkt erleichtert, sich dort anzusiedeln“, erläutert Sun. Er ist Co-Direktor des Carter Centers der UVA und gehört der Abteilung für Infektionskrankheiten und Internationale Gesundheit der UVA an. „Die erfreuliche Nachricht ist, dass Impfungen die schädlichen Veränderungen, die das Krebswachstum in der Lunge begünstigen, weitgehend verhindern.“ Gesteigertes Risiko unabhängig von Rauchen und Komorbiditäten Die UVA Health beschreibt in einer Mitteilung zur Veröffentlichung der neuen Studie Atemwegsinfektionen wie Grippe und COVID-19 als eine der häufigsten Ursachen für Lungenschädigungen und -traumata. Bislang sei jedoch wenig über die langfristigen Auswirkungen dieser Schädigungen auf das Krebsrisiko bekannt gewesen, heißt es auch. Sun und sein Team nahmen dies zum Anlass für Untersuchungen sowohl an Mäusen und Patienten. Die Ergebnisse waren aufschlussreich: Mäuse, die schwere Lungeninfektionen erlitten hatten, entwickelten mit höherer Wahrscheinlichkeit Lungenkrebs und starben deutlich häufiger an der Krankheit. Auch bei der Auswertung von Patientendaten bestätigten sich diese Ergebnisse: Die Wissenschaftler fanden einen signifikanten Zusammenhang zwischen einer vorangegangenen COVID-19-bedingten Krankenhausbehandlung und einem erhöhten Lungenkrebsrisiko. Dieser 1,24-fache Anstieg war unabhängig davon, ob die Patienten rauchten oder Komorbiditäten aufwiesen. „Diese Ergebnisse haben bedeutende und unmittelbare Auswirkungen auf die Überwachung von Patienten nach schweren viralen Atemwegsinfektionen“, betont Dr. Jeffrey Sturek von der UVA und einer der an dem Projekt beteiligten Forschenden. „Wir wissen schon lange, dass Faktoren wie Rauchen das Lungenkrebsrisiko erhöhen. Die Ergebnisse dieser Studie legen nahe, dass wir schwere virale Atemwegsinfektionen ähnlich betrachten sollten. Beispielsweise empfehlen wir bei Patienten mit hohem Lungenkrebsrisiko aufgrund ihrer Raucheranamnese eine engmaschige Überwachung mit regelmäßigen Untersuchungen der Lunge mittels Computertomographie, um Krebs frühzeitig zu erkennen. In zukünftigen Studien sollten wir einen ähnlichen Ansatz nach schweren viralen Atemwegsinfektionen in Betracht ziehen.“ Schaffung eines tumorförderndes Milieus in der Lunge Basierend auf ihrer Arbeit an Mäusen glauben die Wissenschaftler, die Ursache für dieses erhöhte Risiko ermittelt zu haben. Schwere virale Lungeninfektionen hatten in ihrer Untersuchung dramatische Auswirkungen auf Neutrophile und Makrophagen. Diese Veränderungen führten dazu, dass entartete Neutrophile begannen, ein entzündliches, tumorförderndes Milieu zu schaffen, in dem Krebs gut gedeihen kann. Darüber hinaus identifizierten die Wissenschaftler signifikante Veränderungen an Epithelzellen. Das Forscherteam machte aber auch eine positive Entdeckung: Eine vorherige Impfung schien die krebsfördernden Lungenveränderungen zu verhindern. Die Wissenschaftler stellten fest, dass das erhöhte Krebsrisiko bei Patienten mit schwerem COVID-19 beobachtet wurde, nicht jedoch bei solchen mit milden Verläufen. Bei diesen Patienten war das Risiko sogar leicht verringert. Sun et al. warnen aber letzten Endes davor, dass unzählige Personen, die eine schwer verlaufende SARS-CoV-2-Infektionen oder eine andere schweren Atemwegsinfektion überlebt haben, in den kommenden Jahren ein erhöhtes Risiko dafür haben könnten, an Lungenkrebs zu erkranken. „Da weltweit zig Millionen Menschen unter langfristigen pulmonalen Folgen von COVID-19 leiden, haben diese Ergebnisse erhebliche Auswirkungen auf die klinische Versorgung“, schreiben sie in ihrer Publikation. „Personen, die sich von einer schweren Viruspneumonie erholen, insbesondere Raucher, könnten von einer verstärkten Lungenkrebsvorsorge profitieren, und die Prävention schwerer Infektionen durch Impfungen könnte indirekt vor Krebs schützen.“ Direkte Auswirkungen für die Versorgung Das Team um Sun hofft, dass ihre Ergebnisse letztendlich dazu beitragen werden, Patienten mit einem erhöhten Risiko für Lungenkrebs nach einer Virusinfektion zu identifizieren, damit diese früher behandelt werden können. Darüber hinaus könnten die neuen Erkenntnisse der Wissenschaftler über die biologischen Veränderungen, die durch schwere Lungeninfektionen hervorgerufen werden, zu besseren Behandlungsmethoden führen. „Unser Ziel ist es, Ärzten zu helfen, diejenigen zu identifizieren, die nach einer schweren Infektion ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko haben, und gezielte Wege zur Prävention und Behandlung von Lungenkrebs nach einer vorangegangenen Lungenentzündung zu entwickeln“, fasst Sun zusammen. „Wir glauben auch, dass Impfstoffe nicht nur akute Krankenhausaufenthalte nach einer Virusinfektion verhindern. Sie können auch die langfristigen Folgen einer schweren Infektion reduzieren, einschließlich der Art von Immunschäden, die das Risiko für Lungenkrebs erhöhen können.“
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