Schwere Herpesvirus-Infektion bekämpft offenbar Adulte T-Zell-Leukämie/Lymphom

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Mitte Januar wurde in Genes & Cancer ein neuer Leitartikel mit dem Titel „Severe herpesvirus infection beats adult T-cell leukemia/lymphoma“ veröffentlicht. Darin diskutiert Dr. Tatsuro Jo vom Nagasaki Genbaku-Krankenhaus des Japanischen Roten Kreuzes in Isahaya, Japan, die Adulte T-Zell-Leukämie/Lymphom (ATLL).

Die ATLL, die durch eine Infektion mit dem Humanen T-Zell-Lymphotropen Virus Typ 1 (HTLV-1) verursacht wird, ist selbst nach der Zulassung von Mogamulizumab (einem monoklonalen Antikörper gegen das C-C-Chemokin-Rezeptor-4-Antigen) mit einem schlechten Überleben verbunden. Als Ergebnis der pleiotropen Wirkung von HTLV-1 Tax und HBZ liegen Berichten zufolge viele genetische und epigenetische Anomalien bei ATLL-Patienten vor, die möglicherweise der Grund für ihr schlechtes Ansprechen auf intensive Chemotherapien sind.

Die HTLV-1-Sequenz unterscheidet sich vollständig vom menschlichen Genom, was die HTLV-1-Genprodukte für den Menschen hochgradig immunogen und zu Zielen für die humorale und zelluläre Immunität macht. Tatsächlich werden Antikörper gegen die HTLV-1 gag- und env-Genprodukte ubiquitär in HTLV-1-Trägern nachgewiesen. Darüber hinaus werden häufig zytotoxische T-Lymphozyten (CTLs) gegen HTLV-1 Tax (TaxCTLs) bei Langzeitüberlebenden mit ATLL beobachtet, die mit oder ohne allogene hämatopoetische Stammzelltransplantation behandelt wurden. Daher kann die Aktivierung der zellulären Antitumor-Immunität bei Langzeitüberlebenden von ATLL eine wichtige Rolle spielen.

Bei Patienten mit ATLL ist das CD4/CD8-Verhältnis bei den T-Lymphozyten aufgrund einer Abnahme der CD4-positiven T-Lymphozyten, inkl. regulatorischer T-Lymphozyten (Treg), nach der Behandlung mit Mogamulizumab häufig umgekehrt. Spiegelbildlich dazu haben Jo und Kollegen festgestellt, dass das CD4/CD8-Verhältnis bei langzeitüberlebenden ATLL-Patienten in der Prä-Mogamulizumab-Ära fast immer umgekehrt war. Darüber hinaus entwickelten mehrere dieser Patienten Herpesvirus-Infektionen wie Herpes zoster und Herpes-Enzephalitis, während ihre Krankheit durch Chemotherapie kontrolliert wurde und wiesen anschließend eine Umkehrung des CD4/CD8-Verhältnisses auf. Es wurde berichtet, dass eine Herpesvirus-Infektion die zelluläre Immunität des Wirts stark aktiviert.

„Obwohl die Ansteckung mit Herpes simplex oder Herpes zoster unangenehm ist, ist der Mechanismus, durch den diese Herpesvirus-Infektionen über die Aktivierung der zellulären Immunität des Wirts eine therapeutische Wirkung auf die refraktäre ATLL entfalten können, äußerst interessant und es wert, weiter erforscht zu werden.“