Schwerer COVID-19-Verlauf trotz doppelter Impfung: Brasilianische Studie ermittelt Risikofaktoren25. Februar 2022 Foto: ©Matheus – stock.adobe.com Die Impfungen gegen SARS-CoV-2 schützen nicht vollständig vor einer COVID-19-Erkrankung. Welche Personen trotz doppelter Impfung einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf unterliegen, untersuchten brasilianische Forschende. Ihnen zufolge waren ein Alter von über 60 Jahren und Nierenversagen die einzigen Prädiktoren für einen Krankenhausaufenthalt und den Tod durch COVID-19 unter der Gamma-Variante. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Virologischen Labors der Medizinischen Hochschule von São José do Rio Preto (FAMERP) im brasilianischen Bundestaat São Paulo analysierten retrospektiv die Daten von 2777 COVID-19-Erkrankten, die zwischen dem 5. Januar und dem 12. September 2021 im Zentralkrankenhaus der Region behandelt wurden. Zu diesem Zeitpunkt war die Gamma-Variante (P.1) von SARS-CoV-2 in dem Bundesstaat vorherrschend und die meisten vollständig geimpften Brasilianer (zu diesem Zeitpunkt zwei Dosen) waren über 60 Jahre alt. Risikofaktoren bei Geimpften versus Ungeimpften Erstautorin Cássia Fernanda Estofolete und Kollegen unterteilten die Patientinnen und Patienten in eine geimpfte und nichtgeimpfte Gruppe und verglichen die Merkmale der beiden Gruppen, angefangen bei Alter, Geschlecht und Begleiterkrankungen bis hin zu den Symptomen, dem klinischen Verhalten im Krankenhaus und dem Ergebnis (Genesung oder Tod). Die Ergebnisse veröffentlichten sie in einem Letter-to-the-Editor des „Journal of Infection“. „Ziel unserer Studie war es, die besten Prädiktoren für den Tod bei Durchbruchsinfektionen mit dem Impfstoff COVID-19 zu ermitteln“, erklärte Maurício Lacerda Nogueira, Professor an der FAMERP und korrespondierender Autor des Artikels, gegenüber Agência FAPESP, einer öffentlichen Stiftung zur Forschungsförderung im Staat São Paulo, die die Studie über drei Projekte unterstützte. Das Durchschnittsalter der 2518 nichtgeimpften Studienteilnehmenden lag bei 51 Jahren und 71,5 Prozent hatten eine oder mehrere Begleiterkrankungen, vor allem Herzerkrankungen, Diabetes und Fettleibigkeit. Das Durchschnittsalter der 259 Teilnehmenden, die zwei Impfdosen erhalten hatten, lag bei 73 Jahren, und 95 Prozent wiesen Begleiterkrankungen auf. Faktoren, die mit einem erhöhten Risiko für Krankenhausaufenthalte und Tod bei den Nichtgeimpften korrelierten, waren ein Alter von über 60 Jahren und eine oder mehrere der folgenden Co-Morbiditäten: Herzkrankheiten, Leber-, Nieren- und neurologische Störungen, Diabetes und Immunschwäche. In der geimpften Gruppe waren das Alter von über 60 Jahren und Nierenversagen die einzigen Prädiktoren für die Sterblichkeit. „Dies ist ein klarer Beweis dafür, dass die Impfung einen wirksamen Schutz darstellt und Leben rettet“, so Nogueira. Impfung verändert Profil der Betroffenen Für Estofolete hat die Einführung des Impfstoffes das Profil der Personen, die zur Behandlung von COVID-19 in ein Krankenhaus eingeliefert werden, sowie den natürlichen Verlauf der Krankheit „drastisch“ verändert. „Mit der Wiederaufnahme elektiver Operationen, der Immunisierung eines großen Teils der Bevölkerung und dem Auftreten von Omicron ergibt sich in den Krankenhäusern ein anderes Bild“, berichtet sie. „Viele Patientinnen und Patienten kommen nicht wegen des Virus ins Krankenhaus, sondern stellen bei der Aufnahme für eine geplante Operation oder aufgrund einer Verletzung fest, dass sie COVID-19 haben. Außerdem werden viele ältere Menschen mit Begleiterkrankungen ins Krankenhaus eingeliefert, weil COVID-19 eine Grunderkrankung verschlimmert, was zum Beispiel zu einer Dekompensation von Diabetes oder Nierenversagen führt. Die meisten Patientinnen und Patienten werden nicht mehr wegen SARS ins Krankenhaus eingeliefert, wie es zum Zeitpunkt der Durchführung der Studie der Fall war“, schildert sie die derzeitige Lage vor Ort. „Viele Begleiterkrankungen, die in der Allgemeinbevölkerung mit einem höheren Risiko verbunden sind, gelten bei geimpften Personen nicht mehr als Risikofaktoren“, schreibt die Autorengruppe schließlich auch in ihrem Letter-to-the-Editor. Weitere Erhebungen müssen klären, ob sich das Risikoprofil unter den derzeit zirkulierenden SARS-CoV-2-Varianten in ähnlicher Weise ändert. Eine kürzlich im „International Journal of Infectious Diseases“ publizierte Short Communication aus Spanien kam zu ähnlichen Ergebnissen. Die Daten der 101 vollständig geimpfte Personen, die zwischen Dezember 2020 und Oktober 2021 wegen eines COVID-19-Durchbruchs in die Universitätsklinik in Alicante eingeliefert wurden, waren in der Regel älter, wiesen eine Vielzahl von Komorbiditäten auf und hatten eine hohe Sterblichkeit. Ein direkter Vergleich mit ungeimpften COVID-19-Erkrankten erfolgte in dieser Untersuchung jedoch nicht. Weiterhin muss geklärt werden, inwieweit sich die Booster-Impfung auf die Prädiktoren für einen schweren Verlauf auswirkt, da die brasilianischen Daten zu einem Zeitpunkt erhoben wurden, als praktisch noch niemand eine dritte Impfung erhalten hatte. (ah)
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