Schweres Asthma: Forschende stellen damit assoziierte Veränderungen der Hirnstruktur fest

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Menschen mit schwerem Asthma weisen laut einer neuen Untersuchung im Vergleich zu Patienten mit gut kontrollierter Erkrankung subtile Unterschiede in der Hirnstruktur auf.

Die Ergebnisse der auf dem diesjährigen Kongress der European Respiratory Society (ERS) Congress vorgestellten Untersuchung lassen vermuten, dass die Entzündung, die schwerem Asthma zugrunde liegt, möglicherweise mehr als nur die Lunge betrifft. Das berichtete Studienautor Dr. George Nava von der Bristol Academic Respiratory Unit (Großbritannien) auf der ERS-Tagung in Barcelona (Spanien).

Frühere Studien haben nahegelegt, dass Asthma mit Veränderungen im Gehirn einhergehen könnte – allerdings ist wenig darüber bekannt, ob diese Veränderungen bei Menschen mit schwerem Asthma stärker ausgeprägt sind. Nava erklärte: „Asthma wird üblicherweise als Lungenerkrankung betrachtet, doch immer mehr Hinweise deuten darauf hin, dass seine Auswirkungen weit über die Atemwege hinausgehen. Wir wollten untersuchen, ob Menschen mit schwerem Typ-2-Asthma im Vergleich zu Menschen mit gut kontrolliertem Asthma größere Unterschiede in der Hirnstruktur aufweisen.“

Unterschiedlich große Hirnregionen, veränderte Organisation der weißen Substanz

Für ihre Studie rekrutierten die Forschenden 50 Personen mit schwerem Typ-2-Asthma und verglichen sie mit 25 Personen mit gut kontrolliertem, leichtem oder mittelschwerem Typ-2-Asthma. Die Teilnehmer unterzogen sich einer Magnetresonanztomographie (MRT), zusammen mit dem hochmodernen Verfahren der Quasi-Diffusions-Bildgebung (QDI). Diese macht die mikroskopische Struktur der weißen Substanz im Gehirn sichtbar. Die Forscher fanden Veränderungen sowohl in der Größe bestimmter Hirnregionen als auch in der Organisation des Netzwerks der weißen Substanz, das für die Signalübertragung zwischen verschiedenen Hirnteilen verantwortlich ist.

Menschen mit schwerem Asthma wiesen eine weniger organisierte weiße Substanz auf als Menschen mit gut kontrollierter Erkrankung. Das Team identifizierte außerdem Unterschiede in der Größe bestimmter Strukturen wie des Hippocampus und von Hirnregionen wie den Temporallappen. Besonders wichtig ist, dass der Grad der Veränderungen der weißen Substanz mit dem Ausmaß der Typ-2-Entzündung korrelierte. Dies deutet auf einen möglichen Zusammenhang zwischen der mit schwerem Asthma einhergehenden Entzündung und Veränderungen im Gehirn hin.

Kein Beweis für Kausalität, aber Hinweis auf möglichen biologischen Zusammenhang

„Bei allen Studienteilnehmern korrelierte ein höheres Maß an Typ-2-Entzündung mit stärkeren Unterschieden in der weißen Substanz des Gehirns“, fasst Nava die Beobachtungen zusammen. „Zwar lässt sich mit dieser Studie nicht beweisen, dass die Entzündung diese Veränderungen verursacht, doch sie deutet auf einen möglichen biologischen Zusammenhang hin, der weiterer Forschung bedarf.“

Die Wissenschaftler untersuchen nun, ob sich diese Unterschiede verändern, wenn Patienten mit einer Therapie begonnen haben, die auf die schweres Typ-2-Asthma verursachende Entzündung abzielt. Prof. James Dodd, Professor für Pneumologie an der Universität Bristol und Hauptforscher der Studie, sagte: „Eine der wichtigsten Fragen ist, ob diese Hirnveränderungen verhindert oder rückgängig gemacht werden können. Wir hoffen, dass unsere laufende Arbeit dazu beitragen wird, diese Frage zu beantworten.“

„Wir wissen bereits, dass Asthma Auswirkungen über die Lunge hinaus haben kann, darunter Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, des Denkvermögens und des Wohlbefindens“, äußerte sich Prof. Apostolos Bossios zu der Studie. Er ist Leiter der ERS-Assembly für Atemwegserkrankungen, Asthma, COPD und chronischen Husten und außerdem außerordentlicher Professor für Pneumologie am Karolinska Institutet in Schweden. „Diese Studie legt nahe, dass die Entzündung bei schwerem Typ-2-Asthma nicht auf die Lunge beschränkt ist, sondern auch im Gehirn auftritt und dort stärker ausgeprägt ist als bei Patienten mit leichtem bis mittelschwerem, gut kontrolliertem Asthma.“

Bossios fuhr fort: „Die mit Asthma einhergehende chronische Entzündung kann die Gehirngesundheit negativ beeinflussen. Die Untersuchung, wie diese Entzündung mit Veränderungen an anderen Stellen im Körper zusammenhängt, könnte uns helfen, die umfassenderen Auswirkungen der Krankheit zu verstehen und festzustellen, ob diese Veränderungen durch eine Behandlung verhindert oder rückgängig gemacht werden können.“ (ac/BIERMANN)