Schwerverletzte haben am UKL überdurchschnittlich gute Überlebensprognose

Ein Rettungshubschrauber fliegt das Universitätsklinikum Leipzig an. Eine nahtlose Versorgung vom Unfallort über eine hochvernetzte, qualitätsgesicherte Traumabehandlung bis zur vollständigen Rehabilitation erhöhen die Überlebens- und Genesungschancen. (Foto: Stefan Straube/Universitätsklinikum Leipzig)

Beim Standard der Versorgung und Behandlung Schwerverletzter Patienten zählt das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) zur bundesweiten Spitze. Dies geht aus dem TraumaRegister (TR) DGU® 2025 hervor, wie das Klinikum mitteilt.

Schwerverletzte, die ans UKL eingeliefert werden, haben einen um 2,6 Prozent größeren Überlebensvorteil. Dazu wurde für jeden der dokumentierten schwerverletzten Patienten, die im Jahr 2024 am UKL primär versorgt worden waren, eine eigens für das Register entwickelte Vorhersage der Mortalität anhand von 13 Kriterien erstellt, so das UKL. Mit einem Wert von 13,9 Prozent lag diese Prognose, in die unter anderem das Alter und das Verletzungsmuster einfließen, 2,6 Prozentpunkte über der tatsächlich eingetretenen Mortalität, berichtet das Klinikum weiter. Anders ausgedrückt bedeute dies, dass Dank der Behandlung am UKL mehr Patienten überlebt hätten als aufgrund ihrer Prognose zu erwarten gewesen wäre. Mehr noch: Im Vergleich aller im TR-DGU aufgeführten Kliniken hätten lediglich vier Kliniken mit gleicher beziehungsweise größerer Fallzahl eine ähnlich positive Differenz zwischen beobachteter und erwarteter Sterblichkeit aufweisen können wie das UKL, freut man sich in Leipzig.

Hohe Fallzahlen aus einem großen Einzugsgebiet

„Mit 299 Patient:innen im sogenannten statistischen Basiskollektiv liegen wir in Deutschland ebenfalls sehr weit vorn“, sagt Prof. Christian Kleber, Leiter des Überregionalen Traumazentrums am UKL. Für eine Auswertung im TR DGU® werden alle Patienten berücksichtigt, die über den Schockraum aufgenommen und anschließend intensivtherapeutisch versorgt wurden.
„Im Vergleich zu anderen überregionalen Traumazentren kommen wir auf eine mehr als dreimal höheren Fallzahl als der Schnitt.“ Für Kleber spielt hier auch das große Einzugsgebiet des UKL eine Rolle, was sich im Anteil der an das Klinikum verlegten Schwerverletzten widerspiegelt: „Mit 28,4 Prozent haben wir am UKL über ein Viertel so genannte Sekundärverlegungen. Das sind Patient:innen, die aus anderen Einrichtungen zu uns kommen. Der deutschlandweite Schnitt liegt hier bei lediglich 8,4 Prozent. Im Gegenzug behandeln wir 71,6 Prozent primär, also als Erstversorger – gegenüber bundesweit 91,6 Prozent“, ergänzt der Unfallchirurg, der zugleich als stellvertretender Direktor der Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und plastische Chirurgie sowie Bereichsleiter Unfallchirurgie tätig ist.

Trotz gravierender anatomischer Verletzungen kürzere ITS-Liegezeiten

Obwohl die Patienten am UKL überdurchschnittlich oft unter vergleichsweise gravierenden Verletzungen von Wirbelsäulen, Becken, Gesicht oder den unteren Extremitäten leiden, bleiben sie für einen kürzeren Zeitraum auf der Intensivstation (ITS) als im deutschlandweiten Vergleich, so ein weiteres Ergebnis aus dem TR DGU®, das drüber Auskunft gibt, wie hoch bei überlebenden Patienten die Wahrscheinlichkeit für einen verlängerten Aufenthalt (über sieben Tage) auf der Intensivstation ist. Diese Prognose wurde im Register der tatsächlich beobachteten Aufenthaltsdauer gegenübergestellt. Das Ergebnis: Am UKL lag der Anteil an überlebenden Patienten, die länger als sieben Tage auf der Intensivstation verbleiben mussten, bei 18,5 Prozent – und damit deutlich unter dem prognostizierten Wert anhand der Verletzungsschwere von 24,5 Prozent.

Hoher Grad der Vernetzung und effiziente interdisziplinäre Zusammenarbeit

Einen wichtigen Grund für die guten Kennziffern bei der Versorgung von Traumapatienten sieht Kleber in der hochvernetzten, qualitätsgesicherten Traumaversorgung innerhalb des Traumanetzwerkes Westsachsen. Als dessen Gründungsmitglied im Jahr 2009 nehme das UKL eine zentrale Rolle bei der überregionalen Versorgung Schwerverletzter ein und trage maßgeblich zur Weiterentwicklung einheitlicher Behandlungsstandards und zur Sicherstellung einer flächendeckenden Versorgung auf höchstem Niveau bei.

In dem Leipziger Traumazentrum selbst, so das UKL, kommte der interdisziplinären Zusammenarbeit und dem kontinuierlichen fachlichen Austausch eine besondere Bedeutung zu. So tauschten sich beispielsweise Experten verschiedener Disziplinen und Versorgungsstufen in der Arbeitsgruppe Polytraumazirkel regelmäßig zur Weiterentwicklung der Traumaversorgung aus. Gemeinsam würden dort reale Versorgungsfälle analysiert, Schnittstellen optimiert und geprüft, welche neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse in die klinische Praxis überführt werden können. „Diese strukturierte Zusammenarbeit stärkt nicht nur die Versorgungsqualität innerhalb des Traumazentrums UKL, sondern fördert auch eine gemeinsame Lern- und Fehlerkultur“, beschreibt es Kleber.

In seiner Funktion als Kinderpolytrauma-Referenzzentrum bündele das UKL darüber hinaus spezialisierte medizinische, pflegerische und therapeutische Kompetenzen, um auch schwerstverletzte Kinder und Jugendliche altersgerecht, schnell und umfassend versorgen zu können, erläutert das UKL weiter.

Hinzu kämen regelmäßige (unangekündigte) Schrockraum- und Notfalltrainings inklusive Not-OP-Techniken, die Einbindung in das Interdisziplinäre Versorgungsnachweissystem IVENA zur Echtzeit-Kommunikation und Steuerung von Patientenströmen zwischen Rettungsdiensten, Leitstellen und Krankenhäusern und vieles mehr.

Geschlossene „Rettungskette“ erhöht Überlebenschancen

Entscheidend für die Verbesserung der Überlebenschancen von Unfallopfern ist laut UKL zudem eine „konsequent geschlossene Rettungskette“, die eine nahtlose Versorgung vom Unfallort bis zur vollständigen Rehabilitation gewährleistet: Sie beginnt mit der präklinischen Versorgung durch Notfallmediziner, setzt sich über die strukturierte Schockraumversorgung und spezialisierte operative sowie intensivmedizinische Behandlung fort und endet in einer individuell abgestimmten Nachsorge. „Diese ganzheitliche Betrachtung der ‚Rettungskette‘ unterstreicht unseren Anspruch, Traumapatientinnen und -patienten nicht nur akut zu retten, sondern ihnen langfristig die bestmögliche Lebensqualität zurückzugeben“, so Kleber.

Für das TR-DGU wurden die Daten von insgesamt 684 teilnehmenden Kliniken ausgewertet – neben Deutschland aus zehn weiteren Ländern, der überwiegende Teil davon aus Belgien, Österreich und der Schweiz. Es wird von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie e. V. und der AUC – Akademie der Unfallchirurgie GmbH herausgegeben.