SCORE2-Studie: Langanhaltende Verbesserung des Sehvermögens nach Anti-VEGF-Behandlung

Der Verschluss der Netzhautvenen kann zu Blutgefäßlecks in der Netzhaut führen. Illustration.©National Eye Institute

Eine aktuelle Studie zeigt, dass eine Behandlung des Netzhautvenenverschlusses zu langanhaltenden Visusgewinnen führt, wobei das Sehvermögen nach fünf Jahren deutlich über dem Ausgangswert bleibt. Viele Patienten benötigen jedoch eine kontinuierliche Behandlung.

Der Netzhautvenenverschluss ist eine der häufigsten Erblindungserkrankungen in den Vereinigten Staaten. Die schwerste Art des retinalen Venenverschlusses – der zentrale retinale Venenverschluss (CRVO) – führt ohne Behandlung oft zu einem signifikanten und dauerhaften Sehverlust. Ein Bericht über die Fünf-Jahres-Ergebnisse der Study of Comparative Treatments for Retinal Vein Occlusion 2 (SCORE2) wurde am 21. April im “American Journal of Ophthalmology” veröffentlicht.

Ein retinaler Venenverschluss wird durch eine Blockade der Venen verursacht. Diese kann zu einem Makulaödem führen, bei dem Flüssigkeit in und unter der Netzhaut eingeschlossen wird, was zu einer schnellen und schweren Minderung der Sehschärfe führt. Ohne Behandlung führt dieser Zustand typischerweise zu einem dauerhaften Sehverlust. Die wirksamste Behandlung ist die Injektion von Medikamenten gegen den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor (VEGF). Die Anti-VEGF-Injektion hilft, Blutgefäßleckagen und Schwellungen in der Netzhaut zu kontrollieren.

„Während eine Anti-VEGF-Therapie mit einer signifikanten Verbesserung sowohl der Netzhautschwellung als auch des Visus bei Patienten mit zentralem oder hemi-retinalem Venenverschluss verbunden ist, zeigen unsere Ergebnisse, dass die meisten der behandelten Patienten noch mindestens fünf Jahre lang eine Behandlung zur Kontrolle des Makulaödems benötigten“, berichtet Studienleiterin Ingrid U. Scott, Professorin für Augenheilkunde und öffentliche Gesundheitswissenschaften am Penn State College of Medicine, Hershey. „Dies zeigt, wie wichtig die kontinuierliche Überwachung dieser Patienten ist.“

Im Jahr 2017 berichteten die Prüfärzte der klinischen SCORE2-Studie, dass zwei Medikamente der Anti-VEGF-Behandlung zur Verbesserung der Sehschärfe bei Menschen mit Makulaödem aufgrund von CRVO oder hemi-retinalem Venenverschluss (HRVO) gleich wirksam waren. CRVO betrifft die gesamte Netzhaut, während HRVO im Allgemeinen etwa die Hälfte der Netzhaut betrifft. Die Hälfte der Studienteilnehmer hatte Avastin (Bevacizumab) erhalten, die andere Hälfte Eylea (Aflibercept). Beide Medikamente wurden sechs Monate lang einmal monatlich injiziert. Nach sechs Monaten hatte sich der Visus der Teilnehmer beider Studiengruppen im Durchschnitt um mehr als drei Zeilen verbessert.

Wie in der neuen Studie detailliert dargelegt, beobachteten die Prüfärzte der Studie die SCORE2-Teilnehmer fünf Jahre lang und sammelten Informationen über ihre Sehschärfe, Behandlungen und ob ihr Makulaödem zurückgegangen war. Nach der ersten zwölfmonatigen Studiendauer wurden die Teilnehmer nach Ermessen ihres Arztes behandelt. Die meisten Ärzte reduzierten die Häufigkeit der Anti-VEGF-Injektionen und einige stellten ihre Patienten auf das andere Anti-VEGF-Medikament um. Nach fünf Jahren hatten viele Teilnehmer im Vergleich zu ihrer Sehschärfe nach zwölf Monaten etwas an Sehschärfe verloren. Im Durchschnitt behielten sie jedoch den Gewinn von drei Linien – im Vergleich zu ihrem Visus zu Beginn der Studie.

„Es war für uns überraschend, dass trotz vieler Teilnehmer, die nach fünf Jahren immer noch eine Behandlung benötigten, ihr Visus sehr gut blieb“, sagte Dr. Michael Ip, Co-Leiter der Studie vom Doheny Eye Institute, University of California, Los Angeles. Im Vergleich zur Anti-VEGF-Therapie bei der feuchten altersbedingten Makuladegeneration, bei der anfängliche Sehverbesserungen mit der Zeit wieder nachließen, seien diese Ergebnisse recht positiv.

„Diese fünfjährige Studie sagt uns viel darüber, was mit Patienten mit retinalen Venenverschlüssen in der realen Welt passiert“, bekräftigte Scott. „Vor dieser Studie galt der retinale Venenverschluss allgemein als akute Erkrankung. Diese Studie zeigt, dass RVO eine chronische Krankheit ist. Sie unterstreicht auch die Bedeutung des Monitorings und der individuellen Behandlung, um den bestmöglichen Visus zu erreichen.“

„Die SCORE2-Studie liefert unschätzbare Daten, um Ärzte und ihre Patienten zu fundierten Entscheidungen bezüglich der Behandlung von retinalen Venenverschlüssen zu führen“, verdeutlichte NEI-Direktor Dr. Michael F. Chiang.

Anm. d. Studienautoren: Die SCORE2-Studie wurde vom National Eye Institute (NEI) und der Nonprofit-Organisation Research to Prevent Blindness finanziert. Die Studienmedikamente wurden von Regeneron, Inc. und Allergan, Inc. zur Verfügung gestellt. Kennziffer der klinischen Studie: NCT01969708.