SEAL-Studie: Können strukturierte Vorsorgeprogramme die Früherkennung von Lebererkrankungen verbessern?24. Juni 2020 Foto: © mi_viri/Adobe Stock Durch eine strukturierte Früherkennung könnte das Voranschreiten von Leberkrankheiten verhindert und der Entwicklung von Komplikationen vorgebeugt und Spätfolgen wie Leberversagen oder Leberkrebs vermieden werden – ebenso wie Lebertransplantationen. Das betonte kürzlich anlässlich der Online-Jahrespressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) deren Präsident Prof. Frank Lammert. Eine strukturierte Früherkennung von Lebererkrankungen habe enormes Potenzial, weil gleichzeitig sehr wirksame Präventionsmaßnahmen zur Verfügung stünden, betonte der Direktor der Klinik für Innere Medizin II am Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg. Die Leberzirrhose im kompensierten Stadium sei in den allermeisten Fällen gut therapierbar. Je nach Ursache könnten eine Umstellung der Lebensgewohnheiten, mehr Bewegung oder ein Verzicht auf Alkohol bereits ausreichend sein. Die chronische Hepatitis C sei dank innovativer Medikamente heute problemlos heilbar, unterstrich Lammert. Nur bei jedem vierten Patienten, so Lammert, werde eine Leberzirrhose bereits im Frühstadium diagnostiziert, da sie oft schleichend und symptomarm verlaufe. Träten erst einmal Komplikationen auf, sei die Erkrankung häufig schon irreversibel. Zurzeit, so berichtete der DGVS-Präsident, seien in Deutschland etwa 300.000 Zirrhose-Patienten in Behandlung. Die durchschnittliche Lebenserwartung dieser Patienten sei um zehn bis 20 Jahre geringer als die der gesunden Gesamtbevölkerung. Schätzungen gingen davon aus, dass weitere 500.000 Menschen nichts von ihrer Lebererkrankung ahnten. „Die Zirrhose wird häufig in den Kliniken erst diagnostiziert, wenn die Patienten dort im Endstadium der Erkrankung mit Komplikationen vorstellig werden – Blutungen aus Krampfadern in der Speiseröhre, Bauchwassersucht oder der Entwicklung von Leberkrebs.” Dass es bei Lebererkrankungen nur relativ wenig Frühdiagnosen gebe, hänge mit dem Fehlen strukturierter Früherkennungsprogramme zusammen, wie sie von vielen Selbsthilfegruppen wie der Leberhilfe e.V. gefordert würden. Auch seitens der DGVS seien in der Vergangenheit bereits Vorstöße unternommen worden, den bestehenden hausärztlichen Check-up um die Erhebung von Leberwerten und die Detektion der Virus-Hepatitis zu erweitern, so Lammert. Mit dem Ziel, ein solches Früherkennungsprogramm zu evaluieren und schließlich auch durchzusetzen, wurde die SEAL-Studie (Strukturierte Früh-Erkennung einer Asymptomatischen Leberzirrhose) initiiert. Sie läuft derzeit in Rheinland-Pfalz und im Saarland. In der Pilotstudie werden Patienten, bei denen der Hausarzt einen Verdacht auf eine Lebererkrankung hat – weil die Patienten beispielsweise übergewichtig sind, an einem Diabetes leiden, einen hohen Alkoholkonsum oder erhöhte Leberwerte haben – an einen niedergelassenen Gastroenterologen überwiesen oder in ein Leberzentrum geschickt. Dort werden ultraschallbasierte Untersuchungen durchgeführt, die die Leberwerte ergänzen. Hierzu gehören der Ultraschall oder die Elastographie. Ziel der Studie ist, dass die Bestimmung der Leberwerte für jeden Versicherten im Rahmen des Check-up 35 möglich wird. „Das Programm hat jetzt über die Hausärzte fast 10.000 Menschen rekrutiert”, berichtete Lammert. „Wenn man die Lebererkrankung frühzeitig erkennt, gibt es Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten, die über Empfehlungen wie mehr Bewegung und weniger essen zum Zwecke der Bekämpfung einer Fettleber hinausgehen. Denn es gibt auch ganz spezifische Behandlungen für seltene Lebererkrankungen wie genetische Erkrankungen, seltene Erkrankungen der Gallenwege sowie sehr effektive Therapien gegen Virus-Hepatitis.“
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