Sechs Monate nach COVID-19-Krankenhausaufenthalt: Zwei Drittel fühlen sich nicht vollständig gesund16. Dezember 2021 © baranq – stock.adobe.com (Symbolbild) Warum manche Patientinnen und Patienten auch 6 Monate nach der Entlassung aus dem Krankenhaus, in dem sie wegen einer COVID-19-Erkrankung behandelt wurden, noch nicht genesen sind, haben Forschende in der PHOSP-COVID-Studie (Post-hospitalisation COVID-19) untersucht. Dabei versuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch, die Auswirkungen einer COVID-19-bedingten Krankenhauseinweisung auf die nachfolgende Arbeitsfähigkeit zu bestimmen. In ihrer Veröffentlichung beschreiben sie außerdem Phänotypen im Zusammenhang mit einer Genesung bzw. dem Ausbleiben einer solchen. In ihre multizentrische Untersuchung mit Langzeitnachbeobachtung schloss die Arbeitsgruppe Erwachsenen ein, die aus britischen Krankenhäusern mit einer klinischen COVID-19-Diagnose entlassen wurden. Die Teilnehmenden wurden 2 und 7 Monate nach der Entlassung untersucht, wobei Symptome detailliert erfasst und physiologische sowie biochemische Tests vorgenommen wurden. Für den primären Endpunkt – die von den Betroffenen wahrgenommenen Genesung – wurde eine logistische Regression mit Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, BMI, Komorbiditäten und Schweregrad der akuten Erkrankung als Kovariaten durchgeführt. Bei einer Post-hoc-Clusteranalyse wurden die Outcomes in Bezug auf Atemnot, Müdigkeit, psychische Gesundheit, kognitive Beeinträchtigung und körperliche Leistungsfähigkeit berücksichtigt. Die Analyse umfasste 1077 Patientinnen und Patienten, die im Zeitraum 05.03.–30.11.2020 aus einem Krankenhaus entlassen und im Median 5,9 Monate (IQR 4,9–6,5) nachuntersucht wurden. Die Teilnehmenden waren im Durchschnitt 58 Jahre (SD 13) alt, bei 384 (36%) handelte es sich um Frauen und 710 (69%) waren weiß. Eine maschinelle Beatmung hatten im Krankenhaus 288 (27%) Patientinnen und Patienten erhalten und 540 (50%) wiesen ≥2 Komorbiditäten auf. Bei der Nachuntersuchung fühlten sich nur 239 (29%) von 830 Teilnehmenden vollständig genesen, bei 158 (20%) von 806 war eine neue Beeinträchtigung aufgetreten (beurteilt mithilfe des Washington Group Short Set on Functioning) und bei 124 (19%) von 641 gab es aus Gesundheitsgründen Veränderungen in Bezug auf den Arbeitsplatz. Faktoren, die mit einer mangelnden Genesung in Verbindung gebracht wurden, waren weibliches Geschlecht, mittleres Alter (40–59 Jahre), ≥2 Komorbiditäten und eine schwerere akute Erkrankung. Das Ausmaß der anhaltenden Gesundheitsbelastung war erheblich, dabei aber in nur geringem Maße mit der Schwere der akuten Erkrankung verbunden. Die Studienautorinnen und -autoren identifizierten 4 Personen-Cluster mit unterschiedlichen Schweregraden der psychischen und physischen Beeinträchtigung (n=767): sehr schwere Beeinträchtigung (n=131 [17%]), schwere Beeinträchtigung (n=159 [21%]), mittelschwere Beeinträchtigung zusammen mit kognitiver Einschränkung (n=127 [17%]) und leichte Beeinträchtigung (n=350 [46%]). Von den in der Cluster-Analyse verwendeten Endpunkten waren alle mit Ausnahme der kognitiven Beeinträchtigung eng miteinander assoziiert. Drei (3%) von 113 Patientinnen und Patienten im Cluster mit sehr schwerer Beeinträchtigung sowie 9 (7%) von 129 im Cluster mit schwerer Beeinträchtigung und 36 (36%) von 99 im mittelschweren Cluster bzw. 114 (43%) von 267 im leichten Cluster gaben an, sich vollständig erholt zu fühlen. Anhaltend erhöhte Serumwerte für C-reaktives Protein waren positiv mit dem Schweregrad des Clusters assoziiert. Fazit In der Studie identifizierten die Forschenden Faktoren im Zusammenhang mit der Nichterholung nach einer Krankenhauseinweisung mit COVID-19 rund 6 Monate nach der Entlassung sowie 4 Personen-Cluster mit unterschiedlichen Schweregraden der psychischen und physischen Beeinträchtigung. Von den in der Cluster-Analyse verwendeten Endpunkten waren alle mit Ausnahme der kognitiven Beeinträchtigung eng miteinander assoziiert. (ac) Autoren: Evans RA et al. Korrespondenz: Christopher E. Brightling; [email protected] Studie: Physical, cognitive, and mental health impacts of COVID-19 after hospitalisation (PHOSP-COVID): a UK multicentre, prospective cohort study Quelle: Lancet Respir Med 2021;9(11):1275–1287. Web: https://doi.org/10.1016/S2213-2600(21)00383-0
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