Sekundärprophylaxe nach Schlaganfall: Colchicin als Hoffnungsträger?2. August 2024 Eine neue Studie untersuchte Colchicin zur Sekundärprävention nach einem ersten Schlaganfall. (Symbolfoto: ©luchschenF/stock.adobe.com) Einem Schlaganfall folgt oft der zweite. Könnte ein altbekanntes Medikament eine kostengünstige und wirksame Sekundärprophylaxe nach einem ersten Hirninfarkt bieten? Weltweit läuft die Suche nach Behandlungen, die ein Wiederauftreten von Schlaganfällen verhindern – idealerweise so günstig und wirksam, dass sie auch in ärmeren Ländern zur Vorsorge eingesetzt werden können. Ein internationales Forschungsteam, an dem auch Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) beteiligt waren, hat nun die Ergebnisse der weltweiten CONVINCE*-Studie in „The Lancet“ veröffentlicht. In dieser Langzeitstudie wurde das Medikament Colchicin an mehr als 3000 Patienten untersucht. Die Forschenden wollten wissen, ob das bereits für andere Erkrankungen zugelassene Medikament geeignet ist, um erneute Schlaganfälle zu verhindern. Colchicin wird seit Langem bei Gicht und anderen Gelenkerkrankungen eingesetzt, wirkt aber auch als Prophylaxe bei koronarer Herzkrankheit. Kann es bei einer Langzeitbehandlung auch das Risiko für einen erneuten Schlaganfall nach einem Hirninfarkt reduzieren? Hintergrund dieser Überlegung ist, dass Entzündungen das Risiko von kardiovaskulären Ereignissen erhöhen und Colchicin eine entzündungshemmende Wirkung besitzt. In der offenen Parallelgruppenstudie wurde die Hälfte der Studienteilnehmer zusätzlich zur Standardbehandlung nach einem Schlaganfall zum Erhalt einer niedrigen Dosis von 500 µg Colchicin täglich randomisiert. Der primäre Endpunkt war ein Kompositum aus den folgenden tödlichen oder nichttödlichen Ereignissen: erneuter ischämischer Schlaganfall, Herzinfarkt, Herzstillstand, oder Krankenhauseinweisung aufgrund einer instabilen Angina pectoris. Ein solches Ereignis trat bei 9,8 Prozent der Patienten in der Colchicin-Gruppe auf und bei 11,7 Prozent in der Gruppe mit üblicher Behandlung (Hazard Ratio 0,84; p=0,12). Obwohl das Ergebnis keine statistische Signifikanz erreichte, ziehen die Autoren ein positives Fazit: „Wir konnten beobachten, dass bei Patient:innen, die Colchicin eingenommen haben, seltener vaskuläre Erkrankungen auftraten“, so Bernadette Schröder vom Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (IMIBE) der Universität Duisburg-Essen. Weiterhin beobachteten die Forscher einen entzündungshemmende Wirkung in der Colchicin-Gruppe. Obwohl zu Beginn der Studie kein Unterschied zwischen den Gruppen in Bezug auf das C-reaktive Protein (CRP) festgestellt wurde, wiesen die mit Colchicin behandelten Patienten nach 28 Tagen sowie nach ein, zwei und drei Jahren ein niedrigeres CRP auf (p<0,05 für alle Zeitpunkte). Ein erster Erfolg auf dem die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aufbauen wollen. „Unsere Ergebnisse unterstützen die Annahme, dass Colchicin nach einem Schlaganfall entzündungshemmend wirkt“, so Prof. Christian Weimar, Neurologe am IMIBE.*CONVINCE (COlchicine for prevention of Vascular Inflammation in Non-CardioEmbolic stroke) wird vom Health Research Board Stroke Clinical Trials Network in Irland finanziert und von Prof. Peter Kelly (Mater Misericordiae University Hospital, aus Dublin) koordiniert. Die deutsche Teilstudie machte eine Förderung von 1,9 Millionen Euro durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft möglich. Projektleiter der DFG-Studie waren Prof. Dr. Karl-Heinz Jöckel und Prof. Dr. Christian Weimar, beide IMIBE.
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