Selpercatinib in der Erstlinie beim RET-Fusions-positiven Nichtkleinzelligen Lungenkrebs: Bei Progressionsfreiheit besser als Chemotherapie mit oder ohne Pembrolizumab

SHANGHAI (Biermann) – Selpercatinib gilt als hochselektiver wirksamer und in das Gehirn penetrierender RET*-Inhibitor. In einer nichtrandomisierten Phase-I/II-Studie beim fortgeschrittenen RET-Fusionspositiven Nichtkleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC) hat er bereits Wirksamkeit gezeigt.

Nun verglichen Wissenschaftler um Prof. Caicun Zhou vom Shanghai Pul­monary Hospital, China, in der ­randomisierten Phase-III-Studie ­LIBRETTO-431 Wirksamkeit und Sicherheit der Erstlinientherapie mit Selpercatinib vs. Kontrollbehandlung, die aus einer platinbasierten Chemotherapie mit oder ohne Pembrolizumab nach Ermessen des Prüfarztes bestand. In diesem Setting führte Selpercatinib bei Patien­ten mit fortgeschrittenem RET-fusionspositiven NSCLC zu einem signifikant längeren PFS.

Als primären Endpunkt hatten die Autoren das PFS festgelegt, das durch eine verblindete, unabhängige zentrale Überprüfung sowohl in der ITT-Pembrolizumab-Population bewertet wurde (d. h. bei Patien­ten, deren Ärzte geplant hatten, sie mit Pembrolizumab zu behandeln, falls sie der Kontrollgruppe zugeordnet wurden) und der ITT-Gesamtpopulation. Ein Wechsel von der Kontroll- zur Selpercatinib-Gruppe sei zulässig gewesen, wenn während der Kontrollbehandlung eine Progression gemäß der Beurteilung durch eine verblindete, unabhängige zentrale Überprüfung auftrat, ergänzt das Team.

Insgesamt wurden 212 Patienten in der ITT-Pembrolizumab-Population randomisiert. Zum Zeitpunkt der vorab geplanten vorläufigen Wirksamkeitsanalyse betrug das mediane PFS 24,8 Monate (95 %-KI 16,9 bis nicht schätzbar) mit Selpercatinib und 11,2 Monate (95 %-KI 8,8–16,8) mit der Kontrollbehandlung. Daraus berechneten die Autoren eine HR für Progression oder Tod von 0,46 (95 %-KI 0,31–0,70; P<0,001).

Der Anteil der Patienten mit objektivem Ansprechen betrug 84 % (95 %-KI 76–90) unter Selpercatinib und 65 % (95 %-KI 54–75) unter der Kontrollbehandlung. Die ursachenspezifische HR für die Zeit bis zur Progression mit Auswirkungen auf das Zentralnervensystem beziffern Zhou et al. auf 0,28 (95 %-KI 0,12–0,68). Die Wirksamkeitsergebnisse in der gesamten ITT-Population (261 Patienten) seien jenen in der ITT-Pembrolizumab-Population ähnlich gewesen, ergänzen sie. Die unter Selpercatinib und der Kontrollbehandlung aufgetretenen unerwünschten Ereignisse hätten mit den zuvor berichteten übereingestimmt. (sf)

*REarranged during Transfection

Autoren: Zhou C et al.
Korrespondenz: [email protected]
Studie: First-Line Selpercatinib or Chemotherapy and Pembrolizumab in RET Fusion-Positive NSCLC
Quelle: N Engl J Med 2023;389(20):1839–1850.
Web: doi.org/10.1056/NEJMoa2309457