Seminom im klinischen Stadium I: Vier Risikofaktoren für Rezidive identifiziert

Bei bestimmten Fällen von Hodenkrebs wird es nun leichter, das Risiko für ein Rezidiv zu bestimmen. Foto: kenchiro168 – stock.adobe.com

Dänische Uro-Onkologen haben in einer landesweiten, bevölkerungsbasierten Kohortenstudie vier Prognosefaktoren für einen Rückfall bei Patienten mit Seminom im klinischen Stadium I identifiziert.

Wie Thomas Wagner von der Abteilung für Onkologie am Universitätsklinikum Kopenhagen und seine Kollegen berichten, hat die Evidenz früherer Studien an Selektionsverzerrungen und variablen Pathologieberichten gelitten. Daher haben Wagner und Kollegen prognostische Faktoren nun in einem unselektierten landesweiten bevölkerungsbasierten Umfeld mit zentraler Pathologieprüfung bewertet.

Die Autoren identifizierten in der prospektiven dänischen Hodenkrebs-Datenbank Patienten mit klinischem Seminom im Stadium I, die zwischen Januar 2013 und Dezember 2018 ihre Diagnose erhalten hatten. Die Verknüpfung mit dem dänischen Nationalen Pathologieregister ermöglichte es, histologische Schnitte aus den Orchiektomieproben zu entnehmen. Bei der Beurteilung waren die Pathologen für das klinische Ergebnis verblindet. Zudem zogen die Wissenschaftler klinische Daten aus Krankenakten bis Juli 2022 heran. Den Zusammenhang zwischen vorab festgelegten potenziellen klinischen und histopathologischen Prognosefaktoren und einem Rückfall bewerteten sie mithilfe der Cox-Regressionsanalyse.

Von den 924 in die Analyse eingeschlossenen Patienten erlitten 148 (16%) Patienten während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 6,3 Jahren einen Rückfall. Eine Invasion des Hodenhilus (Rete testis und Hilusweichgewebe), eine lymphovaskuläre Invasion sowie erhöhte Werte von beta-humanem Choriongonadotropin und Laktat­dehydrogenase, jeweils vor der Orchiektomie, waren unabhängige Prädiktoren für einen Rückfall. Das geschätzte 5-Jahres-Rückfallrisiko reichte von 6% bei Patienten ohne Risikofaktoren bis zu 62% bei Patienten mit allen 4 Risikofaktoren einschließlich Tumorausbreitung in das hiläre Weichgewebe des Hodenhilus. Nach interner Modellvalidierung wies das Prognosemodell eine Gesamtkonkordanzstatistik von 0,70 auf.

(ms)