Seminom Stadium II: Adjuvante Chemotherapie meist unnötig31. Januar 2025 Eine adjuvante Chemotherapie kann auch zu viel des Guten sein – jedenfalls beim nichtseminomatösen Keimzelltumor im pathologischen Stadium II. Foto: TripleP Studio – stock.adobe.com Bei der retroperitonealen Lymphknotendissektion im Rahmen der Therapie eines nichtseminomatösen Keimzelltumors (NSGCT) im pathologischen Stadium II (PS II) scheint die adjuvante Chemotherapie meist unnötig zu sein. Kanadische Mediziner haben in einer retrospektiven Studie bei Patienten mit PS-II-NSGCT die Ergebnisse und die Behandlungsbelastung einer primären retroperitonealen Lymphknotendissektion (pRPLND) allein und mit adjuvanter Chemotherapie (AC) überprüft. Ihr Ergebnis: Die AC könnte für die meisten Patienten eine Übertherapie darstellen. Ahmed Mousa und Kollegen haben die eTestes-Krebsdatenbank des Princess Margaret Cancer Center der Universität Toronto nach Patienten mit PSII-NSGCT durchsucht, die zwischen 1995 und 2020 eine pRPLND erhielten. Das primäre Ergebnis war das rezidivfreie Überleben (RFS). Zu den sekundären Ergebnissen gehörten das krankheitsspezifische Überleben (DSS), die Belastung durch die Rezidivbehandlung und mit dem Rezidiv verbundene Faktoren. Insgesamt nahmen die Autoren 109 Patienten in die Studie auf. Davon hatten 96 nur eine pRPLND und 13 zusätzlich eine AC erhalten. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 61 Monate. Das Fünf-Jahres-RFS betrug 72 Prozent für die Gruppe mit ausschließlicher pRPLND vs. 92 Prozent für die Gruppe mit AC (HR 4,372; 95%-KI 0,59–32,36; p=0,11). Innerhalb der Gruppe ohne AC unterschied sich das Fünf-Jahres-RFS je nach pN-Stadium (pN1: 94% vs. pN2/N3: 67%; p=0,03). Die lediglich operierte Gruppe hatte zwar häufiger Rezidive, jedoch war das DSS nach fünf Jahren in beiden Gruppen ähnlich (nur pRPLND: 98% vs. pRPLND + AC: 100%; p=0,48). Nur 24 (25%) der Patienten, die eine pRPLND ohne AC erhalten hatten, benötigten im weiteren Verlauf eine Chemotherapie. Trotz ähnlicher Überlebensraten war die kumulative Belastung nach erfolgter RPLND für die zunächst ausschließlich operierte Gruppe insgesamt geringer als für die Gruppe, die gleich anschließend eine AC erhalten hatte (durchschnittlich 1,23 vs. 2,46 Chemotherapiezyklen pro Patient in der Gruppe). „Bei der Mehrheit der Patienten mit PSII-NSGCT, die nur mit pRPLND behandelt wurden, kommt es nicht zu einem Rückfall und sie benötigen keine Chemotherapie“, resümieren die Autoren. „Trotz eines geringeren Rückfallrisikos bei Gabe von AC wurde kein Unterschied in der Überlebensrate, aber eine höhere Chemotherapiebelastung festgestellt.“ (ms)
Mehr erfahren zu: "GKV-Sparvorschläge: Fachärzte sehen sich überproportional belastet" GKV-Sparvorschläge: Fachärzte sehen sich überproportional belastet Fachärzteverbände fordern angesichts der Einsparüberlegungen im ambulanten Bereich eine gerechte Lastenverteilung und warnen davor, die ambulante fachärztliche Versorgung zum Nachteil der Patienten strukturell zu schwächen.
Mehr erfahren zu: "„66 Sparpläne, null Realitätssinn“" „66 Sparpläne, null Realitätssinn“ Der Berufsverband der Deutschen Urologie (BvDU) kritisiert die 66 Vorschläge der Finanzkommission Gesundheit scharf. Aus Sicht des Verbands setzt die Politik erneut auf Kürzungen an der falschen Stelle – und […]
Mehr erfahren zu: "Tumorzelleigenes „Alarmsystem“ verbessert Wirksamkeit der CAR-T-Zell-Therapie" Tumorzelleigenes „Alarmsystem“ verbessert Wirksamkeit der CAR-T-Zell-Therapie Münchener Wissenschaftler haben mit einer Förderung der Wilhelm Sander-Stiftung in Höhe von 146.000 Euro zentrale Resistenzmechanismen von Tumorzellen gegenüber CAR-T-Zellen aufgedeckt.