Sepsis-Sterblichkeit in Australien durch Qualitätsverbesserungsinitiative gesenkt16. Juni 2023 Foto: ©GoodIdeas – stockadobe.com Australien macht es vor: Eine Senkung der Sepsis-bedingten Krankenhaussterblichkeit ist möglich. Basierend darauf fordert die Sepsis-Stiftung von der deutschen Politik, die Anstrengungen im Kampf gegen die todbringende Blutvergiftung zu verstärken. Die meisten der jährlich mehr als 100.000 Todesfälle durch Sepsis in Deutschland sind nach Ansicht der Sepsis-Stiftung vermeidbar. Dies belege erneut eine landesweite Qualitätsverbesserungsinitiative mit der Devise „An Sepsis denken und schnell handeln“ im Bundesstaat Victoria, Australien. Dort ist es innerhalb eines Jahres gelungen, die Krankenhaussterblichkeit bei Sepsis von 17,5 Prozent auf 11,3 Prozent zu senken. Die Behandlungskosten reduzierten sich dabei um 11,7 Millionen Dollar bei Kosten von 1,8 Millionen für die Durchführung der Kampagne. Für Deutschland zeigte sich im Rahmen einer aktuellen Krankenakten-basierten Erhebung in zehn Krankenhäusern bei Sepsis mit gleichem Schweregrad eine Sterberate von 27,8 Prozent. Aufgrund der aus Sicht der Stiftung „inakzeptabel hohen Anzahl von vermeidbaren Sepsis-bedingten Todesfällen in Deutschland“ fordert diese die Priorisierung von Sepsis in allen relevanten Bereichen des Gesundheitssystems, eine konsequente Umsetzung der Krankenhausreform und gesetzgeberische Maßnahmen zur Umsetzung von Qualitätssicherungsmaßnahmen, die anderswo Standard seien: Die verpflichtende Vorhaltung fachübergreifender medizinischer Notfallteams in den Akutkrankenhäusern in Kombination mit der regelmäßigen krankenhausweiten Schulung des medizinischen Personals in der Früherkennung von Sepsis und akut lebensbedrohlich Erkrankter Verordnungen zur Gewährleistung der effektiven Nutzung vorhandener, aber derzeit ungenügend „Critical Incidence Reporting Systeme“ (CIRS) zur Identifizierung von potentiell tödlichen Lücken im Gesundheitssystem. „Allein die für alle Krankenhäuser in Australien verpflichtende Einführung von Qualitätssicherungsmaßnahmen hat zwischen 2000 und 2012 zu einer Reduzierung der Sepsis-Sterblichkeit im Krankenhaus von 35 Prozent auf 18 Prozent geführt“ betont der Vorsitzende der Sepsis-Stiftung, Prof. Konrad Reinhart. Fehlende Spezialisierung, mangelnde Transparenz zu den Behandlungsergebnissen, das Fehlen einer unabhängigen externen Qualitätskontrolle der Krankenhäuser und mangelhafte und gesundheitliche Aufklärung würden erheblich zu den in Deutschland insgesamt jährlich mehr als 200.000 vermeidbaren Todesfällen beitragen. Dies sei eine Erklärung dafür, dass Deutschland in punkto Gesundheit im EU-Ländervergleich nur einen Mittelplatz bei der Qualität des Gesundheitssystems einnehme. Eine Reduzierung der Sepsis-bedingten Todesfälle erfordert laut Sepsis-Stiftung eine konsequente Reform des Gesundheitswesens mit: einer konsequenten Stärkung der Notfall- und Infektionsmedizin sowie des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, der gezielten Spezialisierung mit der Durchsetzung der Mindestmengenvorgaben für komplexe medizinische Eingriffe, der Abschaffung von Fehlanreizen, bei der Vergütung zur Übertherapie führe und schlechte Behandlungsqualität indirekt belohnt werde. Des Weiteren sieht die Stiftung eine „hohe Unkenntnis“ der Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland über die Warnsymptome für eine Sepsis und deren Präventionsmöglichkeiten und die Impfraten seien im internationalen Vergleich niedrig. Daher fordert sie eine Stärkung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung durch breite Aufklärung über: die Frühsymptome und die Notwendigkeit der Behandlung einer Sepsis als Notfall das Potential von Impfungen, der Beachtung der Hygieneregeln und einer konsequenten Behandlung von Infektionen zur Vermeidung von Sepsis. Als Vorbild einer solchen Informationskampagne wird die sehr erfolgreiche flächendeckende Aufklärung über AIDS und andere sexuell übertragbare Krankheiten genannt. Joachim Greuner, dessen hochschwangere Frau in einem Universitätsklinikum aufgrund einer als „Frühjahrsgrippe“ verkannten Sepsis innerhalb von 36 Stunden nach Krankenhausaufnahme zusammen mit ihrem noch ungeborenen Sohn verstarb, erklärt: „Für mich ist es immer noch unfassbar, dass drei Ärzte nicht in der Lage waren, die richtige Diagnose bei meiner Frau zu stellen. Hätte ich damals mehr über Sepsis Bescheid gewusst, hätte ich diese fatale ärztliche Inkompetenz nicht hingenommen und gefragt: ‚Könnte es Sepsis sein?‘“ Die Stiftung begrüßt die Unterstützung der Bundesregierung durch die Finanzierung der Kampagne „Deutschland erkennt Sepsis“ und die Aufnahme von Sepsis in die Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie DART 2030. „Angesichts der Dimension des Problems greifen die bisherigen Maßnahmen der Politik zu kurz“, betont der Vorsitzende des Kuratoriums der Sepsis-Stiftung, Prof. Tobias Welte von der Medizinische Hochschule Hannover. „Das Beispiel der immensen Einsparmöglichkeiten im Rahmen der Aufklärungsmaßnahmen in Victoria zeigt, dass Qualität bei der Versorgung nicht nur zahlreiche Menschenleben rettet, sondern auch mit einer erheblichen Kostensenkung einhergeht“, folgert er.
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