Sexualhormone: Einfluss der Konzentration auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Tod bei älteren Männern

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Es ist umstritten, ob die Spiegel zirkulierender Sexualhormone die Sterblichkeit und das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen (CVD) bei alternden Männern beeinflussen. Neue Erkenntnisse liefert nun ein Review.

Für die systematische Überprüfung möglicher Assoziationen hat ein internationales Team eine Literaturrecherche durchgeführt. In die Auswertungen schloss es prospektive Kohorten­studien ein, in denen Daten zu massenspektrometrisch gemessenen Sexualsteroiden von Männern mit einem Follow-up von fünf Jahren oder beschrieben wurden. Unabhängige Variablen waren die Konzentrationen verschiedener Sexualhormone und primäre Endpunkte die Gesamtmortalität, ein CVD-bedingter Tod und CVD-spezifische Outcomes.

Aus neun Studien konnten indivi­duelle Teilnehmerdaten (IPD) extrahiert werden (255.830 Teilnehmerjahre), insgesamt elf Studien lieferten zusammenfassende Schätzungen (n=24.109). Männer mit einer Ausgangstestosteronkonzentration von weniger als 7,4 nmol/l (<213 ng/dl), einer Konzentration des Luteinisierenden Hormons (LH) von mehr als 10 IU/l oder einer Östradiol-Konzentration unter 5,1 pmol/l hatten ein höheres Gesamtmortalitätsrisiko und Männer mit einer Testosteronkonzentration von weniger als 5,3 nmol/l (<153 ng/dl) ein höheres CVD-Mortalitätsrisiko.

Niedrigere Spiegel des Sexualhormon-bindenden Globulins (SHBG) waren mit einer niedrigeren Gesamtmortalität (Quintil 1 [Q1] vs. Q5 20,6 vs. 68,3 nmol/l; adjustierte [a] HR 0,85; 95 %-KI 0,77– 0,95) und einer niedrigeren CVD-Mortalität (aHR 0,81; 95 %-KI 0,65–1,00) assoziiert. Männer mit nachweislich niedrigeren Dihydrotestosteron(DHT)-Ausgangskonzentrationen wiesen dagegen ein deutlich höheres Risiko für eine Gesamtmortalität (Q1 vs. Q5 0,69 vs. 2,45 nmol/l; aHR 1,19; 95 %-KI 1,08–1,30) und die CVD-Mortalität (aHR 1,29; 95 %-KI 1,03–1,61) auf. Das Risiko stieg auch mit einer DHT-Konzentration von über 2,45 nmol/l. Darüber hinaus hatten Männer mit DHT-Konzentra­tionen unter 0,59 nmol/l ein erhöhtes Risiko für CVD-Ereignisse.
Damit weisen Männer mit niedrigen Testosteron-, hohen LH- oder sehr niedrigen Östradiol-Spiegeln eine deutlich erhöhte Gesamtmortalität auf. Es besteht zudem eine positive Assoziation der SHBG-Spiegel und eine nichtlineare Kor­re­lation der DHT-Konzentration mit der Gesamt- und CVD-Mortalität. (je)