sGFAP als neuer Biomarker für den Verlauf der Multiplen Sklerose24. Februar 2023 BASEL (Biermann) – Bislang fehlen validierte Biomarkern für das Fortschreiten der Behinderung unabhängig von der Schubaktivität (PIRA) bei Multipler Sklerose (MS). Ein internationales Forscherteam untersuchte daher, wie das Glia-fibrilläre saure Protein (sGFAP) und die Neurofilament-Leichtkette (sNfL) im Serum mit Merkmalen der Krankheitsprogression korrelieren und wie sie die Krankheitsprogression prognostizieren können. Hierfür bestimmten Stephanie Meier vom Universitätsspital und MS-Zentrum Basel und Kollegen von 355 MS-Patienten und 259 gesunden Kontrollpersonen (die 737 bzw. 485 Serumproben beisteuerten) die sGFAP- und sNfL-Konzentrationen im Serum. Für die verschachtelte Studie mussten die Teilnehmer die folgenden Einschlusskriterien erfüllen: Kohorte 1 (n=103): Patienten mit MS und entweder stabiler oder sich verschlechternder Behinderung und ähnlichen Ausgangswerten der Expanded Disability Status Scale (EDSS) und ohne Schübe während der gesamten Nachbeobachtungszeit; Kohorte 2 (n=252): alle Patienten der Schweizer MS-Längsschnittkohorte, die eine B-Zell-depletierende Behandlung (d. h. Ocrelizumab oder Rituximab) begonnen und fortgesetzt hatten. Die Patienten erhielten Standard-Immuntherapien oder waren unbehandelt. Teilnehmer in Kohorte 1 waren im Mittel 42,1 Jahre alt (Interquartilsabstand [IQR] 33,2–47,6; 70,9 % weiblich), Probanden in Kohorte 2 hatten ein Durchschnittsalter von 44,3 Jahren (IQR 33,3–54,7; 61,9 % weiblich) und in der Kontrollgruppe waren sie durchschnittlich 44,3 Jahre alt (IQR 36,3–52,3; 68,3 % weiblich). Die Laboruntersuchungen ergaben, dass die sGFAP-Spiegel in der Kontrollgruppe mit dem Alter anstiegen (1,5 % pro Jahr; p<0,001), sich umgekehrt proportional zum Body-Mass-Index verhielten (-1,1 % pro BMI-Einheit; p=0,01) und bei Frauen 14,9 % höher waren als bei Männern (p=0,004). In Kohorte 1 wiesen Patienten mit sich verschlechternder progressiver MS nach zusätzlicher sNfL-Anpassung 50,9 % höhere sGFAP-Werte auf als Patienten mit stabiler MS, während der 25 %-ige Anstieg von sNfL nach zusätzlicher sGFAP-Anpassung verschwand. Ein höherer sGFAP-Wert bei Studienbeginn war mit einem beschleunigten Verlust an Hirnvolumen in der grauen Substanz (pro Verdopplung: 0,24 % pro Jahr; p<0,001), nicht jedoch mit einem Verlust an weißer Substanz verbunden. sGFAP-Werte blieben während der Krankheitsexazerbationen gegenüber Remissionsphasen unverändert. In Kohorte 2 waren die medianen sGFAP-z-Scores bei Patienten, die eine zukünftige bestätigte Verschlechterung der Behinderung entwickelten, höher als bei Patienten mit stabiler Behinderung (1,94 [IQR 0,36–2,23] vs. 0,71 [IQR -0,13 bis 1,73]; p=0,002). Für sNfL war der Zusammenhang nicht signifikant. Die kombinierte Erhöhung der z-Scores beider Biomarker führte jedoch zu einem 4- bis 5-fach erhöhten Risiko einer bestätigten Verschlechterung der Behinderung (Hazard Ratio [HR] 4,09; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 2,04–8,18; p<0,001) und PIRA (HR 4,71; 95%-KI 2,05–9,77; p<0,001). Den Autoren zufolge wiesen erhöhte sGFAP-z-Scores (korrigiert um die Störfaktoren Alter, Geschlecht und Body-Mass-Index) auf ein aktuelles Fortschreiten der Erkrankung hin und waren mit einem zukünftigen Fortschreiten der Erkrankung, nicht aber mit einer akuten Entzündung assoziiert. Darüber hinaus war die Assoziation der sNfL-Werte mit dem Fortschreiten der Erkrankung weniger ausgeprägt, während die sNfL-Werte während der Schubaktivität stark erhöht waren. Entsprechend legten die Ergebnisse dieser Kohortenstudie nahe, dass sGFAP stärker als sNfL mit dem Fortschreiten der Krankheit bei MS assoziiert ist und als prognostischer Biomarker für zukünftige PIRA dienen könnte, erklärten die Autoren. sGFAP habe damit ein ergänzendes Potenzial neben sNfL gezeigt und könnte künftig als Biomarker für das Fortschreiten der Krankheit bei MS für das individuelle Patientenmanagement und die Arzneimittelentwicklung genutzt werden. (ej) Autoren: Meier S. Korrespondenz: Jens Kuhle; [email protected] Studie: Serum Glial Fibrillary Acidic Protein Compared With Neurofilament Light Chain as a Biomarker for Disease Progression in Multiple Sclerosis Quelle: JAMA Neurol, 6. Februar 2023. Web: doi:10.1001/jamaneurol.2022.5250
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