SGLT2-Hemmer führen nicht zu vermehrten Infektionen der Niere

Foto: © Crystal light/stock.adobe.com

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Bonn (UKB) haben einen Mechanismus aufklärt, warum es bei SGLT2 Hemmung nicht zu vermehrten Infektionen der Niere selbst kommt.

Eine Behandlung mit SGLT2-Hemmern führt zu einer Zuckerausscheidung im Urin, weshalb sie ursprünglich vor allem bei Patienten mit Typ-2-Diabetes eingesetzt wurden. Bei der Einführung des Medikaments gab es allerdings große Sorgen vor schweren Niereninfektionen – die sich in klinischen Beobachtungen bisher aber nicht bestätigt haben.

Die Forschenden Prof. Sibylle von Vietinghoff, Leiterin der Nephrologie am UKB und Mitglied im Exzellenzcluster ImmunoSensation3, sowie ihre wissenschaftlichen Mitarbeitenden Dr. Georg W. Sendtner und Julia Miranda haben nun einen Mechanismus aufklärt, warum es bei SGLT2 Hemmung nicht zu vermehrten Infektionen der Niere selbst kommt. Die neuen Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Kidney International“ veröffentlicht.

Komplementsystem als Schlüssel der Bakterienabwehr

„Unsere Idee war, dass SGLT2-Hemmer in der Niere vielleicht nicht nur die Glukoseausscheidung verursachen, sondern auch Abwehrmechanismen beeinflussen, so dass am Ende die klinisch beobachtete, zunächst überraschende Infektneutralität steht“, erklärt Sendtner.

In ihrer Studie konnten die Forschenden zeigen, dass bei einer Behandlung mit SGLT2-Hemmern in der Niere der Botenstoff Komplement C1q absinkt. C1q reduzierte in den Experimenten wiederum die Fähigkeit von Monozyten, Neutrophile Granulozyten anzulocken. Letztere sind maßgeblich an der Beseitigung der Bakterien beteiligt. „Damit wären mit SGLT2-Hemmer behandelte Personen mit weniger C1q besser in der Lage sich gegen Bakterien zu wehren und in der Summe wieder geschützt“, ergänzt Miranda.

Bedeutung für Personen mit Niereninfektionen

„Wir haben eine unerklärte klinische Beobachtung zum Anlass genommen, uns auf die Suche nach neuen Abwehrmechanismen bei Niereninfektionen zu machen, den wir im Komplement C1q auch gefunden haben“, so von Vietinghoff.

Die Forschungsarbeit reiche über die SGLT2 Hemmung hinaus: Die Wissenschaftler untersuchten Komplement C1q auch bei gesunden Teilnehmenden der UK-Biobank in Bezug auf spätere Niereninfektionen. Die Daten zeigen, dass gesunde Menschen, die niedrigere C1q-Spiegel hatten, später weniger Harnwegsinfekte bekamen. Dieses Ergebnis passe zu einer Rolle von C1q in der antibakteriellen Abwehr der Niere auch unabhängig von einer SGLT2 Hemmung, sagt von Vietinghoff abschließend. C1q sollte deshalb auch als möglicher pathogener Faktor bei chronischer Nierenschädigung, die auf SGLT2-Hemmer anspricht, untersucht werden, schlussfolgern die Forschenden in ihrer Studie.

Beteiligte Institutionen und Förderung: Excellenzcluster ImmunoSensation3, DFG Forschungsgruppe „Bakterielle renale Infektionen und deren Abwehr (BARICADE)“