Shamonda-Virus breitet sich weiterhin zügig aus7. September 2026 Zum Nachweis des Shamonda-Virus sind sowohl Serum- als auch EDTA-Blutproben geeignet. (Symbolbild) Foto: Parilov – stock.adobe.com Das Shamonda-Virus breitet sich in baden-württembergischen Rinderställen aus sowie in weiteren Bundesländern. Betroffene Tiere erholen sich in der Regel innerhalb weniger Tage. Nach bisherigem Kenntnisstand ist das Virus für Menschen nicht gefährlich. Wenn Rinder im Stall Fieber oder Durchfall bekommen oder deutlich weniger Milch geben, kann das am Shamonda-Virus liegen. In Baden-Württemberg breiten sich Erkrankungen durch eine neu eingeschleppte europäische Variante des Virus weiter aus. Bis zum 28. August wurden Rinder in 244 Betrieben positiv getestet. Das geht aus einer Übersicht des Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsamtes (STUA) Aulendorf hervor. Schwerpunkt im Kreis Ravensburg Besonders viele Fälle gibt es demnach im Landkreis Ravensburg. Dort sind mehr als 80 Betriebe betroffen. Auch in den Kreisen Biberach, Sigmaringen, Konstanz und im Bodenseekreis wurden positive Tiere festgestellt. Landesweit gibt es in fast allen Landkreisen mindestens einen Fall. Im Südwesten werden Rinder nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in rund 16.000 registrierten Betrieben gehalten. Für Menschen ist das Virus nach bisherigem Kenntnisstand nicht gefährlich. Viren aus der betreffenden Gruppe gelten in der Regel nicht als Erreger, die von Tieren auf Menschen übergehen. Es gebe bisher keine Hinweise auf Infektionen oder Erkrankungen beim Menschen, teilte auch das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) mit. Was können Landwirte und Tierärzte tun zum Schutz der Herden? Wie PD Dr. Kerstin Wernike vom FLI am Samstag, 05.09.2026, auf dem Tierärztetag West sagte, sind Gnitzen hierzulande die alleinigen bisher bekannten Überträger des Shamonda-Virus. Sie riet daher, den Stechmückenschutz zu intensivieren, etwa durch eine Veränderung der Luftzirkulation in den Ställen. Auch wenn unter Praxisbedingungen kein hundertprozentiger Schutz zu erreichen sei, so sollte dennoch versucht werden, die Exposition gegenüber Stechmücken zu reduzieren. Auch wies Wernike darauf hin, dass Blutproben unbedingt in der Fieberphase abzunehmen sind. Die Virämie halte in der Regel 4-6 Tage lang an. Für die Beprobung sind sowohl Serum- als auch EDTA-Blutproben geeignet. Keine Meldepflicht Trotz der wachsenden Zahl betroffener Betriebe zeigt sich das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium nicht besonders besorgt. Eine genaue Einschätzung der Ausbreitung sei allerdings schwierig. „Für das Shamonda-Virus gibt es keine Meldepflicht, daher lässt sich hierzu keine verlässliche Aussage treffen“, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Nach Einschätzung des Ministeriums dürfte die Zahl der Neuinfektionen in den kommenden Wochen zurückgehen. Zum einen nimmt die Aktivität der Gnitzen im weiteren Jahresverlauf ab. Zum anderen dürfte die Immunität in der Rinderpopulation zunehmen. Je nach Wetter können die Mücken bis in den Herbst hinein aktiv bleiben. Mit zunehmend kalten und kürzeren Tagen geht ihre Zahl ab November deutlich zurück. Meist milder Verlauf Viele infizierte Rinder zeigen nach Angaben des Ministeriums keine Krankheitszeichen. Bei akuten Infektionen können Fieber, Durchfall und ein Rückgang der Milchleistung auftreten. Wie stark die Milchleistung sinkt, hängt demnach vor allem von der Höhe des Fiebers ab. „Betroffene Tiere erholen sich innerhalb weniger Tage wieder. Todesfälle sind bislang nicht bekannt“, sagte der Ministeriumssprecher. Infektionen mit der in Süddeutschland, Frankreich und der Schweiz festgestellten Variante wurden nach Angaben des FLI bislang bei Rindern, Pferden, Schafen und Ziegen nachgewiesen. Auch in Niedersachsen nehmen die Fälle zu Das Shamonda-Virus ist auch in Niedersachsen angekommen. Unter anderem wurde es im Landkreis Holzminden nachgewiesen, wie die Verwaltung mitteilte. Ob es bereits weitere oder vorherige Nachweise gibt, war zunächst nicht bekannt. Woher stammt das Virus? Das Shamonda-Virus kursierte bisher nur vereinzelt in Asien und Afrika. Seit dem Spätsommer breite es sich rasant in Deutschland aus, zunächst vor allem in Süddeutschland. Wie das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) vergangene Woche berichtete, hat es eine zweite europäische Variante des SHAV nachgewiesen. Zur einfacheren Unterscheidung werden die beiden Varianten nun als Shamonda-Virus Europe 1 (SHAV-EU1) und Shamonda-Virus Europa 2 (SHAV-EU2) bezeichnet. Dazu mehr unter: FLI bestätigt weiteres Shamonda-Virus-verwandtes Orthobunyavirus – Biermann Medizin In Niedersachsen wurde SHAV-EU2 nachgewiesen und damit eine andere Variante als in Süddeutschland (da war es SHAV-EU1), wie das niedersächsische Landwirtschaftsministerium mitteilte. Es handelt sich bei dem derzeitigen Seuchengeschehen daher um zwei unabhängige Ereignisse. Eine direkte Tier-zu-Tier-Übertragung ist nach Informationen des Landesamts für Gesundheit in Bayern nicht belegt. Laut dem Landkreis Holzminden ist das Shamonda-Virus mit dem seit 2011 in Deutschland bekannten „Schmallenberg-Virus“ verwandt, das ähnliche Symptome hervorruft. Welche Tiere sind betroffen? „Betroffen sind bisher vor allem Wiederkäuer wie Rinder, Schafe und Ziegen“, heißt es aus Holzminden. In dem Landkreis wurde das Virus in zwei Rinder haltenden Betrieben nachgewiesen. Weil bisher aber noch wenig über das Virus bekannt ist, bittet das Veterinäramt dort, Tiere mit Symptomen von einem Tierarzt untersuchen zu lassen. Wie das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) erst vor wenigen Tagen mitteilte, gibt es auch positive Tests bei einem Pferd aus Rheinland-Pfalz sowie bei einem Alpaka aus Hessen. Was sind die Symptome? Bei Rindern fiel das Virus bisher durch einen Rückgang bei der Milchproduktion, Durchfall sowie Fieber auf, wie das Landwirtschaftsministerium mitteilte. Ob eine Ansteckung auch Auswirkungen auf die Trächtigkeit oder ungeborene Tiere habe, sei bisher nicht bekannt. Missbildungen und Fehlgeburten seien aber denkbar. Auch laut dem Landkreis Holzminden ist der Krankheitsverlauf meist kurz. Welche Folgen hat eine Ansteckung? Bisher gibt es keine Bekämpfungsmaßnahmen oder Handelsbeschränkungen. Somit gibt es erst einmal keine weitreichenden Folgen, wenn eine Infektion festgestellt wird, heißt es aus Holzminden. Das Veterinäramt sammele die Meldungen aber in einer Datenbank. Impfstoffe gegen den Erreger stehen laut dem niedersächsischen Landwirtschaftsministerium nicht zur Verfügung. Der beste Schutz sei daher eine effektive Insektenabwehr (s. oben). Für Verbraucher gehe keine gesundheitliche Gefahr durch Milch und Fleisch von betroffenen Tieren aus, sagte eine Sprecherin des bayerischen Bauernverbandes. Weitere Informationen des FLI zum Shamonda-Virus: Shamonda-Virus | Friedrich-Loeffler-Institut Steckbrief: Shamonda-Virus (SHAV)
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