Simuliertes Vorhofflimmern in digitalen Herzen20. November 2025 Symbolfoto: ©InfiniteFlow/stock.adobe.com Ein internationales Forschungsteam hat ein Computermodell entwickelt, das die Entwicklung von Vorhofflimmern über das gesamte Leben hinweg realistisch simuliert. Damit könnten Screeningstrategien und Therapieansätze künftig deutlich präziser bewertet werden. Da Vorhofflimmern in Form hochdynamischer Episoden auftritt, die häufig lange symptomlos bleiben oder mit unspezifischen Symptomen einhergehen, wird es oft erst sehr spät diagnostiziert. Um das Risiko für einen Schlaganfall zu verringern, ist die Früherkennung jedoch besonders wichtig. Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung der Med Uni Graz (Österreich) hat nun ein Computermodell erstellt, mit dem sie Screening- und Früherkennungsmethoden für Vorhofflimmern erforschten. Ihre Erkenntnisse publizierten sie im Journal „Med“. Vorhofflimmern am Computer simuliert Das Modell ist das erste seiner Art, das die Entwicklung und Progression von Vorhofflimmern auf Patienten- und Bevölkerungsebene über die gesamte Lebenszeit simulieren kann. Es integriert wichtige pathophysiologische Mechanismen wie durch Vorhofflimmern induziertes Remodelling und ermöglicht auf diese Weise eine realistische Abbildung der Erkrankung. Im Gegensatz zu bisherigen Modellen, die entweder nur kurzfristige Simulationen erlaubten oder die Krankheitsmechanismen von Vorhofflimmern unberücksichtigt ließen, bietet das Modell eine umfassende Grundlage für die Analyse von Screeningstrategien und Behandlungsansätzen. Die Vorteile des Modells liegen in der präzisen Kontrolle aller Parameter, der Möglichkeit, jede einzelne Vorhofflimmerepisode und jedes klinische Ergebnis zusammen mit dynamischen Veränderungen der Patientenmerkmale und Risiken nachzuverfolgen, und in der umfassenden Bewertung verschiedener Behandlungsoptionen. Grundlage für Screeningstrategien Das Modell erlaubt es den Wissenschaftlern, virtuelle klinische Studien durchzuführen, die nicht nur die Effektivität von Screeningstrategien bewerten, sondern auch deren Einfluss auf klinische Ergebnisse und die Gesundheitsversorgung untersuchen. Das neue Werkzeug bietet somit eine vielversprechende Grundlage, um effektive Screeningstrategien zu identifizieren, den Nutzen verschiedener Therapien – zum Beispiel Antikoagulationstherapien zur Verringerung des Schlaganfallrisikos – besser zu verstehen und die Versorgung von Patienten mit Vorhofflimmern zu optimieren. Der Erfolg des Patientenmodells Das Patientenmodell hat erfolgreich die gesamte Lebenszeit einer virtuellen Kohorte von 10.000 Individuen (50 % weiblich) simuliert. Über einen Beobachtungszeitraum von 100 Jahren wurden verschiedene Muster von Vorhofflimmern sowie klinische Ereignisse wie Schlaganfälle und Todesfälle abgebildet. Die Ergebnisse zeigen eine realistische Nachbildung der Entwicklung von Vorhofflimmern und seiner Auswirkungen auf die Gesundheit. Das Modell erfasste alle Episoden von Vorhofflimmern mit einer Auflösung von 30 Minuten und konnte in einer Teilgruppe der virtuellen Patienten die erwartete dynamische Progression vom paroxysmalem Vorhofflimmern zu persistierendem Vorhofflimmern nachweisen. Die detaillierte Simulation bietet nach Ansicht der Studienautoren wertvolle Einblicke in die langfristige Entwicklung von Vorhofflimmern und ermöglicht eine präzisere Analyse von Krankheitsverläufen und Behandlungsergebnissen.
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