Sitzender Lebensstil: Risikofaktor für Tod durch Krebs

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In einer aktuellen Studie haben Wissenschaftler festgestellt, dass ein stärker von Inaktivität geprägter Lebensstil unabhängig mit einem höheren Risiko dafür verbunden ist, an einer Krebserkrankung zu versterben.

In der Untersuchung, über die Forscher University of Texas MD Anderson Cancer Center berichten, hatten Personen mit dem am stärksten ausgeprägten sitzenden Lebensstil ein um 82 Prozent höheres Krebsmortalitätsrisiko als diejenigen, die am wenigsten inaktiv waren. Die Studienautoren hatten ein Akzelerometer verwendet, um die körperliche Aktivität zu messen.

„Dies ist die erste Studie, die definitiv einen starken Zusammenhang zwischen Inaktivität und Krebstod zeigt”, sagt Susan Gilchrist, Associate Professor für klinische Krebsprävention und Hauptautorin der in „JAMA Oncology” veröffentlichten Studie. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Anteil der Zeit, die jemand vor einer Krebsdiagnose im Sitzen verbringt, die Zeit bis zum Krebstod vorhersagt.”

Die Forscher fanden auch heraus, dass es das Risiko dafür, an Krebs zu versterben, um 31 Prozent senkt, wenn man 30 Minuten der im Sitzen verbrachten Zeit durch körperliche Aktivität von mittlerer Intensität wie Radfahren ersetzt. Bei 30 Minuten Aktivität mit geringer Intensität (beispielsweise zu Fuß gehen) statt Sitzen sinkt das Risiko um acht Prozent.

„Gespräche mit meinen Patienten beginnen immer mit der Frage danach, warum sie keine Zeit für Sport haben“, sagt Gilchrist, der das Healthy Heart Program am MD Anderson Cancer Center leitet. „Ich fordere sie auf, jede Stunde für fünf Minuten bei der Arbeit aufzustehen oder die Treppe anstatt des Aufzugs zu nehmen. Es hört sich vielleicht nicht viel an, aber diese Studie sagt uns, dass selbst leichte Aktivitäten Vorteile für das Überleben bei Krebserkrankungen haben.“

Die Studie umfasste eine Kohorte von Teilnehmern der national repräsentativen REGARDS-Studie, für die zwischen 2003 und 2007 mehr als 30.000 US-amerikanische Erwachsene im Alter über 45 Jahre rekrutiert wurden, um langfristige Gesundheits-Outcomes untersuchen.

Um zu ermitteln, wie viel Zeit die Probanden im Sitzen verbrachten, trugen 8002 REGARDS-Teilnehmer, die bei Studieneinschluss keine Krebsdiagnose hatten, an sieben aufeinanderfolgenden Tagen während der Wachstunden ein Akzelerometer an der Hüfte. Dessen Daten wurden zwischen 2009 und 2013 gesammelt. Nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 5 Jahren waren 268 Studienteilnehmer an Krebs verstorben. Gewohnheitsmäßig längere Zeit im Sitzen beziehungsweise in Inaktivität war in unabhängiger Art und Weise mit einem höheren Risiko für Tod durch Krebs verbunden.

Die Wissenschaftler stellten in der Studie auch fest, dass leichte oder mäßige bis starke körperliche Aktivität sich unterschiedlich auswirkten. Die Forscher bewerteten die Zeit der Probanden im Sitzen, die körperliche Aktivität mit geringer Intensität (LIPA) und die mäßige bis starke körperliche Aktivität (MVPA) im selben Modell und stellten fest, dass LIPA und MVPA, aber nicht sitzendes Verhalten beziehungsweise Inaktivität signifikant mit der Krebssterblichkeit assoziiert waren.

„Aus praktischer Sicht bedeutet dies, dass in der REGARDS-Kohorte Personen, die zehn bis 30 Minuten Inaktivität entweder durch LIPA oder MVPA ersetzten, ein geringeres Risiko für Krebssterblichkeit hatten“, sagte Gilchrist.

Die Studie ist aus mehreren Gründen in ihrer Aussagekraft eingeschränkt. Dazu gehören eine potenziell gesündere Teilnehmerstichprobe im Vergleich zur vollständigen REGARDS-Kohorte sowie ein Mangel an organspezifischen Krebsdaten einschließlich Tumorart und Behandlung.

„Unsere Ergebnisse bestätigen, dass es wichtig ist, weniger zu sitzen und sich mehr zu bewegen, und dass die Einbeziehung von 30 Minuten Bewegung in den Alltag dazu beitragen kann, das Risiko eines Krebstodes zu verringern“, erklärt Gilchrist. „Im nächsten Schritt wollen wir untersuchen, wie sich objektiv gemessener Bewegungsmangel auf die organspezifische Krebsinzidenz auswirkt und ob Geschlecht und ethnische Zugehörigkeit eine Rolle spielen.“